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Schoppen gibt es im Dauth-Schneider seit 169 Jahren. 

Gastronomie

Frankfurt-Sachsenhausen: Kultkneipen sollen geschützt werden

Eine Petition will dem Sterben der Traditionskneipen in Frankfurt entgegenwirken.

In Alt-Sachsenhausen musste Ende 2018 das „Spritzehaus“ nach 41 Jahren schließen. In Bornheim die Gastwirtschaft „Zur Sonne“ Ende Juni 2019 nach 251 Jahren. Am 1. November machte der „Drosselbart“ nach gut 100 Jahren zu. Ende Februar 2020 soll „Mutter Ernst“ in der Innenstadt nach 81 Jahren Betrieb weichen.

Das sind nur einige Beispiele über das Ende liebgewordener Frankfurter Traditionen, die durch Neubauten oder enorme Mietsteigerungen verdrängt werden. Damit soll Schluss sein, wenn es nach dem Bürgerwillen geht. Auf der Ideenplattform der Internetseite „FFM-Frankfurt fragt mich“ der Stadt wird der Ruf an den Magistrat laut, durch Kompromisse kulturgeschichtlich bedeutsame und wirtschaftlich funktionierende Betriebe zu erhalten.

Für alle diese Betriebe, die schließen mussten, haben Frankfurter gekämpft und Unterschriften gesammelt. Nun verspricht die Website, dass jede Bürger-Idee, die mehr als 200 Unterstützer findet, vom zuständigen Fachdezernat geprüft und anschließend dem Magistrat vorgelegt wird.

Frankfurt plant „Bestandsschutz für Traditionsbetriebe“

„Bestandsschutz für Traditionsbetriebe“ soll eingeführt werden, da „Frankfurt durch den anhaltenden Immobilienboom droht, seine Identität zu verlieren.“ Es solle damit verhindert werden, dass Immobilieneigentümer und Investoren die Stammsitze durch ersatzlosen Abriss, Verkauf, Kündigung oder unangemessene Mieterhöhungen verdrängen. Quasi ein Schoppen-Schutz für alte Gastwirtschaften und Kneipen.

Lorna O’Sullivan , Geschäftsführerin des Dauth-Schneider.

„Bei der Notwendigkeit eines Abrisses sollte der Eigentümer dazu verpflichtet werden, an gleicher Stelle dem bisherigen Betreiber oder Pächter Räumlichkeiten im Neubau zu einem angemessenen Mietpreis anzubieten, der an die Weiterführung des Geschäftszwecks des bisherigen Betriebs gebunden ist.“ Die Idee kommt an. 30 Tage vor Ablauf der Petition am 5. Januar, sind auf der vielen Frankfurtern noch unbekannten Seite 166 Unterstützer zusammengekommen. Allein die Vorstellung, dass noch mehr Tradition verschwinden könnte, macht viele sprachlos.

Frankfurt-Sachsenhausen: Geburtsort des Apfelweins

Lorna O’Sullivan, Geschäftsführerin vom Dauth-Schneider in Alt-Sachsenhausen denkt daran, dass vor 169 Jahren „hier erstmals Apfelwein ausgeschenkt wurde. Wir führen die Familientradition voller Leidenschaft mit 40 Mitarbeitern fort“, so O’Sullivan. „Es wäre ein furchtbarer Gedanke, wenn das kaputt ginge. Den Vorschlag finde ich klasse. Die Stadt macht so viele Auflagen bei allem und jedem, da wäre ein Entgegenkommen zum Bestandsschutz toll. Hier kommen Generationen von Menschen her und auch große Firmen genießen beim Feiern Tradition. Das zeigt doch, wie der Trend ist. Gemütlich, lecker und leger.“ Nach Schneider sind die O’Sullivans die zweite Familie, die das Lokal führt. „Papa kocht, Mama ist die gute Seele und ich mache das Büro.“ Sie erzählt davon, dass die historischen Lokale früher ein Heiratsmarkt waren. „Eine Frau kommt seit über 50 Jahren her. Sie hat ihren Mann hier kennengelernt, dieses Jahr ist sie zum ersten Mal alleine. Und trifft alte und neue Freunde.“

Wer sich für den Bestandsschutz der Traditionsbetriebe direkt beim Bürgerportal einsetzen möchte, kann das im Internet tun.

Von Sabine Schramek

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