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Einkaufen mit Blick auf die Skyline: Auf der Schweizer ist das immer noch möglich.  Boeckheler
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Einkaufen mit Blick auf die Skyline: Auf der Schweizer ist das immer noch möglich.

Sachsenhausen

Zu viele Leerstände, zu wenig Abwechslung

  • Fabian Böker
    vonFabian Böker
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Die Entwicklung auf der Schweizer Straße in Frankfurt-Sachsenhausen bereitet Geschäftsleuten Sorgen. Doch gemeinsam mit der Politik soll nun eine Lösung gefunden werden.

Auf der Schweizer Straße ist wenig zu merken von einer weltumspannenden Pandemie. Zwar sind gefühlt weniger Menschen unterwegs als sonst, aber die, die da sind, stehen trotzdem in Schlangen vor den Läden an. Vor Bäckereien, Metzgereien, Apotheken, Optikern, Feinkostläden, die alle geöffnet haben. Vor Feinkost Meyer, Hausnummer 42, steht Eintracht-Präsident Peter Fischer in der Schlange. Alles in Ordnung also in der Sachsenhäuser Einkaufsstraße? Mitnichten. Wer genauer hinsieht, dem fallen Missstände auf.

Zwischen den Läden gibt es immer wieder Leerstand. Besonders südlich der Gartenstraße. In der „Eilles“-Filiale, Hausnummer 34, wurden bis zum Sommer Tee, Kaffee und Süßes verkauft. Seither ist das Geschäft verwaist. Die Firma Eilles hat jetzt Konkurs angemeldet. Das ehemalige Restaurant „Schweizer’s“, Hausnummer 78, steht seit vielen Monaten ebenfalls leer.

Nicola Timms Spielzeugladen in der Nähe des Schweizer Platzes leidet unter der Corona-Pandemie.

Auf etwa fünf bis sieben Leerstände schätzt Torsten Schiller, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße (AGS), die aktuelle Situation. Das mag bei mehr als 100 Läden nicht viel sein. Für Schiller aber ist die Lage „sehr unbefriedigend“. Der schleichende Leerstand habe sich schon vor Corona angekündigt, sei im Laufe des vergangenen Jahres mehr geworden.

Der Ursprung der Probleme läge in der Attraktivität der Einkaufsstraße, sagt er. Das habe die Mieten in die Höhe getrieben, die sich nun nicht mehr alle leisten könnten. Den Eigentümerinnen und Eigentümern könne man aber nicht vorschreiben, wie viel Miete sie verlangen dürften. Dem Gewerbeverein seien da die Hände gebunden.

Erst Nordsee, dann Eilles, jetzt leer: Schweizer Straße 34.

Das Modehaus „Lemli“ in der Schweizer Straße 38 etwa hat es vergangenen Sommer getroffen – nach fast 70 Jahren. Es waren Probleme mit dem Vermieter, die Geschäftsinhaber Alexander Desch zur Aufgabe bewegt haben. Seit 2011 war seine Miete um 35 Prozent gestiegen. Als er den Laden modernisieren wollte, lehnte der in Berlin ansässige Vermieter eine Beteiligung ab. Solch ein Verhalten sei schuld daran, dass sich die Einkaufsstraße zum Schlechten entwickele, sagte der Geschäftsmann im Vorjahr der FR.

Ähnlich sehen das Geschäftsleute, die sich noch auf der Schweizer halten. Zum Beispiel Lili Maras. Sie betreibt ein Atelier für Damen-Mode an der Ecke zum Schaumainkai. „Gerade kleinere Läden können sich oft die Miete hier nicht leisten“, sagt sie.

Die Schweizer Strasse

Sachsenhausens Einkaufsstraße ist einen Kilometer lang und verläuft vom Schaumainkai am südlichen Mainufer bis zur Mörfelder Landstraße. Mehr als 100 Geschäfte verschiedener Branchen befinden sich zu beiden Seiten.

Entstanden ist die Schweizer Straße ab etwa 1870. Die spätklassizistischen Häuser, die die Straße bis heute prägen, entstanden bis 1910. Elektrische Bahnen fahren dort seit 1899, heute sind es die Straßenbahnlinien 15, 16, 18 und 19 sowie diverse Buslinien. Die U-Bahnen-Linien U1, U2, U3 und U8 halten an der zentral gelegenen Station „Schweizer Platz“. Zum Südbahnhof mit Anschluss an den Fernverkehr ist es von dort nicht mehr weit. Der Name ist seit 1877 präsent. Gänzlich klar ist der Ursprung nicht, gemutmaßt wird aber, dass er sich auf die Schweiz als Sehnsuchtsort bezieht, der das Land damals für die gut betuchten Großbürger war.

Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße wurde 1978 gegründet. Anfangs vertrat sie vor allem die Bedürfnisse der Anwohner und Anwohnerinnen bei der Planung und Entstehung der U-Bahn-Strecke. Heute vertritt sie die Interessen derSachsenhäuser Geschäftsleute. Vorsitzender ist Torsten Schiller. Kontakt: Telefon 63 15 80, Mail: ags@die-schweizerstrasse.de und www.die-schweizerstrasse.de. bö

Nicola Timm betreibt den Spielzeugladen „Spielzeux“ in der Oppenheimer Straße, die an die Schweizer Straße angrenzt. Sie hat mit den Corona-Folgen zu kämpfen, auch wenn sie einen Online-Shop betreibt. Trotzdem fehle vor allem die Laufkundschaft. Dadurch werde es immer schwerer, die Miete zu zahlen. Die sei bei ihrem im August 2016 eröffneten Laden mittlerweile um 50 Prozent gestiegen.

Auch dieser Laden steht leer.

Solch eine Mietpreisentwicklung habe fatale Folgen für eine Einkaufsstraße: „Das Erscheinungsbild der Schweizer Straße leidet“, sagt sie. „Statt kleiner Einzelhändler siedeln sich hier immer mehr Bäckereien und Imbisse an“, bedauert sie. Einer ihrer Kunden findet die aktuelle Situation „furchtbar“.

Ähnlich äußern sich Passanten. „Wir vermissen die Vielfalt der kleinen inhabergeführten Geschäfte“, bedauert eine Frau, die nicht in der Zeitung namentlich erwähnt werden möchte.

Angelique Dreher-Volz vom Modegeschäft „Oska“ am Schweizer Platz vermisst vor allem ihren Käseladen. Die Neu-Isenburgerin arbeitet zwar erst seit Dezember bei „Oska“, war aber schon früher immer auf der Schweizer unterwegs. „Es tut mir furchtbar weh, dass Käse Becker weg ist“, sagt sie und blickt raus in die Richtung des Ladens, Hausnummer 66, in dem heute Feinkost Josef hausgemachte Baguettes und Kaffee serviert. Aber ihren geliebten Käse bekommt Dreher-Volz dort nicht.

Zu vermieten.

Ihre eigenen Waren bietet Dreher-Volz derzeit zur Abholung an, manchmal auch mit vorheriger Beratung per Video. Die Resonanz hält sich in Grenzen. „Bei uns kaufen vor allem Frauen über 70 ein, für die ist das nix.“

„Click & Collect“ nutzt auch die Boutique „Bailly Diehl“, Schweizer Straße 41. Im Schaufenster informiert ein Aushang darüber, wie Pullis, Hosen und Jacken bestellt werden können. „Das kommt sehr gut an“, sagt die Filialleiterin. Für Laufkundschaft sei man weiterhin erreichbar, „die können klopfen, wir zeigen dann die Ware an der Tür“.

Der Bäcker Eiffler hat offen, der Laden daneben schon länger nicht mehr.

Eine Initiative der Aktionsgemeinschaft zur unmittelbaren Unterstützung der Geschäftsleute während Corona hat es nicht gegeben, sagt Torsten Schiller. „Dafür haben wir keine Veranlassung durch entsprechende Rückmeldungen gesehen.“ Man habe aber stets die Vorschläge der IHK und der Wirtschaftsförderung weitergeleitet. Handeln müsse viel mehr die Politik.

An die hat sich die AGS jetzt gewandt. Gemeinsam mit dem Wirtschaftsdezernat wurden die Geschäftsleute auf der Schweizer befragt, was ihnen wichtig sei für die Zukunft. Laut Schiller sind das Lebensqualität, Aufenthaltsqualität, Charakter und kurze Wege. Als ein konkretes Vorhaben wird die Umgestaltung des Schweizer Platzes genannt.

Angelique Dreher-Volz bietet Online-Beratungen im Modegeschäft „Oska“ an.

Darauf drängt auch der Ortsbeirat 5. „Dann wird der Leerstand abnehmen“, glaubt Ortsvorsteher Christian Becker (CDU). Wichtiger aber ist Schiller zufolge die Entwicklung einer neuen Angebotsstruktur. Dazu müsse man den Vermieterinnen und Vermietern der Gewerbeflächen Ideen unterbreiten, die sie zum Verzicht auf Maximalforderungen motiviert. „Wir sitzen alle im selben Boot“, sagt Schiller. „Fluktuation, Leerstände und ein Einheitsbrei aus Filialen nutzen niemandem.“

Modemacherin Lili Maras beobachtet die Entwicklung der Schweizer Straße mit Sorgen.

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