Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ortsvorsteher Christian Becker (CDU) an der Mühlbergschule am Lettigkautweg, die seit Jahren saniert wird, aber im März endlich fertig werden soll.
+
Ortsvorsteher Christian Becker (CDU) an der Mühlbergschule am Lettigkautweg, die seit Jahren saniert wird, aber im März endlich fertig werden soll.

Das Jahr im Ortsbeirat 5

„Wir wollen eine menschenfreundliche Stadt“

  • VonSebastian Theuner
    schließen

Ortsvorsteher Christian Becker über die neue Koalition im Ortsbeirat 5 und die bevorstehende Umgestaltung des Schweizer Platzes. Alle Bürger und Bürgerinnen sollen die Gelegenheit bekommen, gehört zu werden.

Herr Becker, nach den Kommunalwahlen im Frühjahr haben CDU, SPD und FDP im Ortsbeirat 5 eine neue Koalition geschmiedet. Die Fraktion der Grünen, die mehr Raum für Radfahrer- und Fußgänger:innen fordert, kritisierte das. Nimmt Ihr Bündnis die Verkehrswende ernst?

Die Kritik der Grünen habe ich wahrgenommen. Unsere Vorstellung ist, dass eine Stadt wie Frankfurt in erster Linie menschenfreundlich sein sollte. Sie sollte allen Menschen die Möglichkeit zur freien Entfaltung geben. Dass wir dabei eine Personengruppe besonders hervorheben, ist aus meiner Sicht ein Denken, das der Vergangenheit angehören sollte.

Völlig geräuschlos verlief die Koalitionsbildung aber nicht. Immerhin stellen die Grünen die stärkste Fraktion. Kann das gut gehen bis zur Wahl 2026?

Seit 2006 ist es so, dass die stärkste Fraktion nicht mehr automatisch den Ortsvorsteher stellt. Wir als CDU haben unsere inhaltlichen Vorstellungen transparent gemacht. Am Ende hatten wir mit SPD und FDP die größte inhaltliche Schnittmenge. Es wurden bereits gute Projekte angestoßen, wie die Unterstützung von Vereinen während Corona. Im Ortsbeirat ist es schnell gelungen, konstruktiv und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Wir werden vieles verabschieden, was im Sinne aller Fraktionen ist.

Sie wurden zum dritten Mal zum Ortsvorsteher gewählt. Eine Bestätigung Ihrer Arbeit in den vergangenen zehn Jahren?

Dass ich vom Ortsbeirat mit klarer Mehrheit gewählt wurde, hat mich sehr gefreut. Das ist eine Bestätigung nicht nur für meine bislang zehnjährige Amtszeit als Ortsvorsteher, sondern für meine Arbeit in insgesamt 20 Jahren, die ich nun für die CDU Oberrad im Ortsbeirat 5 sitze.

Noch einige Jahre beschäftigen wird Sie die Umgestaltung des Schweizer Platzes und der Schweizer Straße. Kürzlich hat der Magistrat auf einer Informationsveranstaltung eine Machbarkeitsstudie vorgestellt. Wo sieht der Ortsbeirat noch Handlungsbedarf?

Zunächst ist es wünschenswert, dass zeitnah Ergebnisse folgen. Die Bürgerinnen und Bürger warten. Die Studie ist gut gelungen, sie bietet eine gute Diskussionsgrundlage. Was den Schweizer Platz angeht, wird es im Ortsbeirat nochmal einen detaillierten Meinungsaustausch geben. Es ist wichtig, dass alle Projektbeteiligten zu Potte kommen. Denn so wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben.

Transparent ist der Prozess nur dann, wenn auch die Bevölkerung zu Wort kommt. Manche Bürger:innen konnten für die Infoveranstaltung Anfang Dezember aber keinen Platz ergattern.

Es ist richtig, dass durch die Coronaauflagen nur eine begrenzte Personenanzahl zugelassen war. Wir können nur so viele Menschen einlassen, wie die Saalbau es erlaubt. Bürgerinnen und Bürger können sich aber jederzeit an uns wenden, zum Beispiel über die Mailadresse des Ortsbeirates. Es ist wichtig, dass alle Stimmen gehört werden.

Bürgerbeteiligung in Zeiten von Corona bleibt aber ein Problem?

Wirklich besser funktioniert als 2020 hat es leider nicht. Man muss gucken, wie man alle mit ins Boot holt – denn nicht jeder hat die Möglichkeit, eine E-Mail zu schreiben. Ich persönlich stehe jeden Samstag auf dem Wochenmarkt in Oberrad und bin dort ansprechbar. Die Kapazität in den Sitzungssälen ist leider begrenzt.

Zur Person:

Christian Becker (CDU) ist seit 2011 Vorsteher im Ortsbeirat 5. Der 44-jährige Gymnasiallehrer ist in Oberrad aufgewachsen und seit 2001 Mitglied des Stadtteilgremiums.

Der Ortsbezirk 5 ist mit gut 65 000 Quadratmeter Fläche der größte in Frankfurt. In den drei Stadtteilen Sachsenhausen, Ober- und Niederrad leben etwa 102 000 Menschen.

Die 19 Mandatssitze sind wie folgt verteilt: Grüne und CDU halten je fünf, die SPD drei, FDP und Linke je zwei und AfD und BFF je einen Sitz.

Die nächste Ortsbeiratssitzung findet voraussichtlich am Freitag, 21. Januar um 19 Uhr im Saalbau Südbahnhof, Hedderichstraße 51, Albert Mangelsdorff-Saal statt.

Die Frankfurter Rundschau blickt mit allen 16 Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern in Frankfurt zurück auf das Jahr 2021. Die Serie erscheint in loser Folge. (sth)

Daran könnte sich demnächst etwas ändern?

Die Stadtverordnetenversammlung hat auf Antrag von Frau Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner-Gölbasi beschlossen, dass Sitzungen nun auch unter der 3G-Regelung stattfinden können. Wenn ich das anwenden darf, werde ich davon Gebrauch machen. Und natürlich hoffe ich, dass dann auch etwas Luft nach oben sein wird, was die Platzkapazität angeht.

Wenig Platz haben die Schülerinnen und Schüler in der Containerschulanlage am Länderweg. Der Umbau der Mühlbergschule zieht sich. Können Sie den Unmut verstehen?

Als Lehrer weiß ich, dass die Nerven aller strapaziert sind. Sowohl für die Schüler als auch die Lehrkräfte ist die Situation nicht vergnügungssteuerpflichtig. Das Ganze ist nicht optimal gelaufen, um es freundlich auszudrücken. Aber jetzt Schuldzuweisungen auszusprechen, hilft den Schülerinnen und Schülern auch nicht. Wir hoffen, dass die Rückkehr an die Mühlbergschule bis Ostern klappt. Was positiv ist: Ortsbeirat und Elternschaft pflegen einen guten und konstruktiven Umgang miteinander.

Vielen Eltern bereitet auch der starke Verkehr vor der Containerschulanlage oder an der Martin-Buber-Schule Sorgen. Sind Schulwege im Frankfurter Süden eine Gefahr?

Es ist ein Fakt, dass Elterntaxis zunehmen. Die Verkehrssituation ist schlecht. Wenn Eltern dann ihre Kinder zu Schule fahren, gibt es noch mehr Verkehr. Wir müssen uns fragen: Wie werden die Wege sicherer? Wie schaffen wir es, dass Eltern nicht als Taxis fungieren? Und wie können wir den Autoverkehr sinnvoll umleiten? Die Straßen so zu gestalten, dass sie sicher für Kinder sind, ist kein einfacher Spagat.

Stichwort Verkehr: Nachdem der Verkehrsversuch am nördlichen Mainufer im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde, haben Sie gefordert, dass es keine Rückkehr zum Status Quo geben dürfe. Wie soll das gelingen?

Klar ist, dass für den Radverkehr im Süden mehr Möglichkeiten geschaffen werden müssen. Damit wurde in der Walter-Kolb-Straße angefangen, aber es ist noch reichlich Potenzial. Generell werden wir uns sinnvollen Vorschlägen für eine neue Verkehrsgestaltung nicht verschließen. Es ist nicht so, dass in der CDU nur Autofahrer sitzen. Im Ortsbeirat gibt es keine Denkverbote.

Der Umzug der Europäischen Schule auf den Mainwasen ist vom Tisch?

Mein Kenntnisstand ist, dass der Mainwasen als Sportfläche erhalten bleibt. Somit ist auch eine Verlegung der dort ansässigen Vereine hinfällig.

Vor welchen Aufgaben steht der Ortsbeirat mit Blick auf das Jahr 2022?

Die Vergabe von Schul- und Betreuungsplätzen wird zu den wichtigsten Themen gehören. Die Stadtteile im Süden wachsen immer weiter; manchmal wollen beide Elternteile arbeiten, manchmal müssen sie es. Auch die Umstrukturierung von Verkehrsflächen bleibt zentral, in der Schweizer Straße, aber auch in der Gartenstraße, die teilweise in einem erbärmlichen Zustand ist. Hinzu kommen Projekte wie die Umwandlung des Lyoner Quartiers oder des Bruchfeldplatzes sowie die Anschaffung inklusiver Spielgeräte für Spielplätze.

Interview: Sebastian Theuner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare