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Auf den FR-Fototermin hat sich Leonie gefreut: Hier mit ihren Eltern Frank und Ilka Hoffmann, dahinter das Team von MainLichtblick Frank Fechner, Christina Pappa und Brigitte Orth (v.l.).

Sachsenhausen

Verein „MainLichtblick“ in Frankfurt lässt Kinderträume wahr werden 

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Der Verein „MainLichtblick“ am Walter-von-Cronberg-Platz erfüllt kranken Mädchen und Jungen ihre Wünsche. Das Geld kommt durch Mitgliedschaften und Spenden zusammen.

Samstags ist ein besonderer Tag bei Familie Hoffmann: Tochter Leonie geht zum Reiten, die Eltern können in Ruhe in den Supermarkt fahren und den Wocheneinkauf erledigen – keine Selbstverständlichkeit, denn kurz nach ihrer Geburt trat bei der heute siebenjährigen Leonie die Infantile Cerebralparese (ICP) auf. Konkret heißt das: Durch einen Sauerstoffmangel im Gehirn ist Leonies Motorik eingeschränkt. Wenn sie nicht reitet, ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen. Aus rein physischen Gründen kann sie nur einzelne Worte sprechen. Deshalb geht sie immer samstags in Dreieichenhain zur Reit-Therapie, mittlerweile bleibt sie dafür alleine bei den Therapeuten.

Die Mototherapie mit Pferden habe den Alltag verändert, sagen die Eltern Frank und Ilka im Büro von „MainLichtblick“. Der gemeinnützige Verein mit Sitz in Sachsenhausen erfüllt Kindern Wünsche. Seit drei Jahren trägt er die Spenden für Leonies Reiten zusammen. Wenn von Arino, ihrem Therapiepferd, gesprochen wird, lächelt Leonie. Als ihre Mutter von ihrer Motorik vor der Reit-Therapie erzählt, merkt man: Das hört sie nicht gern. Die Angst, die sie anfangs vor Arino hatte, macht sie mimisch deutlich. Stolz ist das Lächeln darüber, dass sie mittlerweile alleine auf dem Pferderücken sitzen kann – nach einer Intensiv-Woche in den Osterferien sogar ohne Sicherung an den Beinen. „Einmal im Galopp zu reiten ist ihr Traum“, weiß der Vater – Leonie kann es sichtlich kaum erwarten. Wie gut sie sich vor und zurück lehnen kann – mit geradem Rücken, die Finger fast bis zu den Zehen – zeigt sie stolz.

Auf dem Pferd fühlt sich Leonie wohl.

„Das wäre ohne die Reittherapie nicht möglich“, sagen die Eltern, die unlängst von Offenbach nach Langen gezogen sind. Die Muskulatur wird gestärkt, sie kann Gleichgewicht und Stabilität aufbauen. „Und es hat nicht diesen Therapiebeigeschmack“, sagt die Mutter erfreut. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass Leonie sich auch verbal besser ausdrücken können wird.

Wie lebensbejahend viele Familien mit ganz individuellen Schicksalsschlägen oft sind, beeindrucke sie immer wieder, sagt Diplom-Pädagogin Brigitte Orth, die Geschäftsführerin von „MainLichtblick“. Vor gut sechs Jahren wurde der Verein gegründet. Ihr Bruder, der Geschäftsmann Klaus-Jürgen Orth, verkaufte damals sein Telekommunikationsunternehmen und wollte mit dem Erlös „etwas Gutes tun“. Heute finanziere er vier Stellen und das Büro. „Uns ist bewusst geworden ,,wie wichtig es ist, das Leben zu genießen – und sich und anderen Wünsche zu erfüllen“, erklärt die Pädagogin.

Die siebenjährige Leonie fühlt sich auf dem Rücken der Pferde sehr wohl.

„In diesem Jahr werden wir voraussichtlich den tausendsten Wunsch erfüllen“, sagt Orth. Jedes Jahr stiegen die Zahlen, allein in 2018 waren es gut 250. Unterstützt werden kranke oder traumatisierte Kinder unter 18 Jahren im Rhein-Main-Gebiet. Die Wünsche sind so individuell wie die Kinder: Bilder an der Wand erzählen von kostenintensiven Therapiegeräten und angepassten Fahrzeugen, Ausflügen in Freizeitparks, Tischkicker für eine inklusive Jugendeinrichtung oder Treffen mit Prominenten: Helene Fischer, Mark Forster, Cristiano Ronaldo.

„Erst vor kurzem sind wir mit einem zehnjährigen Jungen aus Bornheim, der die Glasknochenkrankheit hat, zu Lewis Hamilton an den Nürburgring gefahren“, berichtet die Geschäftsführerin. Eine alleinerziehende Mehrfachmutter bekam Zugtickets, damit sie ihre Tochter besuchen konnte, die nach einer Herztransplantation monatelang weit entfernt in einer Reha bleiben musste. Ein anderer Junge konnte ans Meer fahren, es war sein letzter großer Wunsch.

Zu einer Charity-Gala lädt MainLichtblick für Donnerstag, 29. August, ein. Der Abend steht unter dem Motto „Eine Nacht für Kinder“ , Beginn ist um 19 Uhr im 50. Stock des Commerzbank-Towers, Große Gallusstraße 17, Kaiserplatz. Tickets gibt es beim Verein. svo

Das Geld kommt über Mitgliedschaften sowie Spenden von Firmen und Privatleuten zusammen. „Manche verzichten auf Geburtstagsgeschenke und bitten die Gäste, für einen bestimmten Wunsch Geld zu geben.“

Für Leonie und ihre Familie ist es nicht das erste Mal, dass sie sich mit ihrer Geschichte bei MainLichtblick bedanken. Auf den Fototermin mit der FR habe Leonie sich schon gefreut, erzählen die Eltern zu Beginn, Leonie grinst. „Sie steht gerne im Rampenlicht und mag es, fotografiert zu werden“, sagt Ilka Hoffmann.

Durch die Reittherapie sei sie selbstbewusster, offener, viel weniger ängstlich geworden. Weil sie das Tanzen liebt, hat sie im Frühling bei einem Tanzworkshop im Berliner Staatstheater teilgenommen, und wird damit Protagonistin im dokumentarischen Film „Und ob ich tanze!“.

Wunsch- und Spendenanfragen nimmt der Verein MainLichtblick, Walther-von-Cronberg-Platz 2, unter Telefon 661 69 67 10 oder per Mail entgegen: borth@mainlichtblick.de. Einen Überblick über die Arbeit des Vereins gibt es im Internet zu sehen: www.mainlichtblick.de

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