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Auch so kann Alter aussehen, zeigt die aktuelle Ausstellung.

Exponate

Herkunft vieler Stücke ist unklar

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Das Kuratoren-Team hat mit der Provenienzforschung begonnen, aber es fehlen Mittel.

Natürlich wird das Weltkulturen Museum voll erfasst von der Diskussion um koloniale Raubobjekte – und eine mögliche Rückgabe. „Man kann die Frage nach den Ursprüngen unserer Sammlung nicht pauschal beantworten“, sagt die kommisarische Direktorin Eva Raabe. Vieles unter den 65 000 Objekten sei „fair getauscht und geschenkt worden“. Es gebe aber darunter auch Stücke, deren „Erwerbsgeschichte schmerzhaft und grauenvoll“ sei.

Raabe ist gerade von einem Treffen der Leitungen deutschsprachiger Museen nach Frankfurt zurückgekehrt. Dort sei man übereingekommen, dass „Gerechtigkeit nach beiden Seiten“ praktiziert werden müsse – also in Richtung der ehemaligen Kolonialstaaten, aber auch der früheren Kolonialherren. Bereits vom 16. August 2018 bis zum 27. Januar 2019 hat sich das Museum unter dem Titel „Gesammelt, gekauft, geraubt?“ mit Fallbeispielen aus kolonialem und nationalsozialistischem Kontext beschäftigt.

Das Archiv des damaligen, im Jahr 1904 gegründeten Völkerkundemuseums wurde während des Zweiten Weltkrieges bei Bombenangriffen auf Frankfurt 1944 größtenteils zerstört. So war es doch recht schwierig, den Weg der Sammlungsstücke im Einzelnen nachzuvollzuziehen.

Es brauchte dazu die Recherche in anderen Institutionen und Archiven, wie die Kuratorinnen Julia Friedel und Vanessa von Gliszczynski aus dem Haus schon 2018 in einem Statement festgehalten haben.

Man tauschte sich mit Händlern, Nachkommen und Institutionen in den Niederlanden, Frankreich und Südafrika aus.

Die Herkunft vieler Stücke ist unklar.

Viele Details ließen sich nicht rekonstruieren: Zu diesem Ergebnis kamen zumindest die beiden Kuratorinnen. Das gelte vor allem für die Namen von lokalen Herstellern und Vorbesitzern. In der Ausstellung wurden zum Beispiel „Wehrgehänge“ und Gebrauchsgegenstände gezeigt, die – so Kuratorin Eva Raabe – „aus kriegerischen Auseinandersetzungen“ zwischen den Einwohnern und den deutschen Kolonialtruppen in Deutsch-Südwestafrika stammten.

Die Provenienzforschung im Weltkulturen Museum steht also noch ganz am Anfang. Die Kuratorinnen und Kuratoren wollen sie unbedingt fortsetzen. „Wir wollen die kolonialen Verflechtungen aufdecken“, sagt auch die kommissarische Direktorin Raabe. Doch dazu brauche es, das stellen Julia Friedel und Vanessa von Gliszczynksi ganz klar fest, „zusätzlicher finanzieller und personeller Mittel“.

Es gebe noch zahlreiche Wissenslücken. Der Ball liegt also auch hier wieder bei der Stadt Frankfurt als dem Betreiber des Hauses.

Sehr deutlich halten die beiden Kuratorinnen fest: „In der Museumssammlung befinden sich zahlreiche Objekte, deren Erwerbskontext bislang ungeklärt ist“.

Und beide stellen die Frage: „Wo soll man also anfangen?“ Eine Antwort geben sie nicht.

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