1. Startseite
  2. Frankfurt
  3. Sachsenhausen

Tanz am Klettergerüst

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Clemens Dörrenberg

Kommentare

Auch die Arbeit "Finger" von Rahel Poetsch ist auf dem Abenteuerspielplatz Wildgarten in Sachsenhausen zu sehen.
Auch die Arbeit "Finger" von Rahel Poetsch ist auf dem Abenteuerspielplatz Wildgarten in Sachsenhausen zu sehen. © Renate Hoyer

Bei der Ausstellung „Die Walz“ auf dem Abenteuerspielplatz werden Werke von 17 Künstlern gezeigt. Manche liegen etwas versteckt.

Wie Kinder hangeln sie sich in der prallen Sonne an den Eisenstangen entlang. Ida Kaufmann und Laurin Thomas zeigen am Samstagnachmittag im „Wildgarten“ ihre Tanz-Performance. Sie ist Teil der Kunstausstellung „Die Walz“, die der Bildhauer Moritz Grimm erstmals auf dem Abenteuerspielplatz an der Stresemannallee organisiert hat.

Bei ihrem Auftritt nutzen die 20- und der 24-Jährige Spielgeräte und -orte der Kinder, wie das selbst gebaute Klettergerüst aus Eisenrohren und den Leuchtturm in der Mitte des teils mit Bäumen sowie Sträuchern bewachsenen Platzes, der seit mehr als vier Jahrzehnten existiert. Die in der Mehrzahl jungen Besucher schauen ihnen dabei verwundert zu. Sie laufen den Tänzern nach, während die beiden Studierenden der Hochschule für Musik und Darstellende Künste (HFMDK) Staub des trockenen Sandbodens aufwirbeln. In Shorts und Turnschuhen drehen sie mal Arm in Arm Pirouetten, mal laufen sie hintereinander und ahmen Bewegungen des anderen nach.

„Die machen das, damit sie berühmt werden“, kommentiert ein Junge die Frage seiner Gruppe nach dem Warum des Ganzen. Auch Joanna und Aria, die bei den heißen Temperaturen nur in Badehose und Bikini herum laufen, haben dem Paar zugeschaut. Nein, eine Performance hätten sie noch nie zuvor gesehen, berichten die Kinder. „Komisch, wie Affen“ habe das Dargebotene ausgeschaut, befindet der achtjährige Aria. „Wie ein Affentanz“, ergänzt die zwölfjährige Joanna. Sie würde gerne wissen, ob die beiden „zusammen sind“, „verliebt“, fügt Aria hinzu. Interpretationen wie diese bleiben dem Betrachter überlassen.

Genauso wie bei den übrigen Kunstwerken der 17 „Hobby- bis Galeriekünstler“, die auf dem gesamten Gelände des Wildgartens, manchmal versteckt, ausgestellt sind. Neben einem Konzert einer Punkrockband aus dem Viertel, die auf dem Dach des Geräteschuppens auftritt, gibt es Malerei und Skulpturen zu entdecken, darunter Krähenfüße an der Holzverkleidung einer Sitzecke, Ratten-Skulpturen unter einem Iglu aus Fahrrad-Felgen, Gemälde am hölzernen Klettergerüst und Keramik-Gebilde sowie ein leerer Müllsack an einem Baum.

Veranstalter Moritz Grimm sagt: „Ich möchte Kinder, teils aus sozial schwächeren Familien, im frühen Alter an Kunst heranführen“. Grimm, der sein Ausstellungsformat nach der Wanderschaft von Handwerkslehrlingen benannt hat, tingelt auch mit seinen Ausstellungen seit rund einem Jahr von Ort zu Ort. In der U-Bahnstation Höhenstraße war er schon zu Gast, genauso wie in einer „Döner-Manufaktur“ im Ostend , einer Berliner Currywurstbude sowie in einem Kindergarten im Westend. Erkan Öztürk vom Wildgarten, der mit Grimm befreundet ist und mit ihm gemeinsam die Veranstaltung ins Leben gerufen hat, sagt, er wolle mit dem Projekt „Kindern Geistreiches und Kreativität vermitteln“. Einige Mädchen und Jungen hätten bei der Tanz-Performance zu ihm gesagt: „Die klettern doch nur.“ Da habe ich gesagt, „schaut doch mal genau hin“.

Das haben Joanna und Aria getan. Die beiden haben die Ratten-Skulpturen aus Wachs von Rudolf Sihombing entdeckt und zeigen eine der Figuren im „Tunnel“, einem umfunktionierten Abflussrohr im Hügel unter dem Leuchtturm. Sihombing ist selbst seit der Kindheit Besucher des Abenteuerspielplatzes und betreibt in der Heimatsiedlung sein Atelier. „Die Kinder haben mich da immer beobachtet“, berichtet der 39-Jährige. Nun wollte er die Ergebnisse seiner Arbeit „für die ganze Siedlung“ ausstellen. Joanna und Aria haben derweil ihren Ausstellungsrundgang beendet und kühlen sich erstmal im Planschbecken auf der Wiese ab.

Auch interessant

Kommentare