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Streit um Toiletten im Südbahnhof

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Von: Stefanie Wehr

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So sah der Eingang zu den WCs im Südbahnhof einst aus. Künftig wird eine Glastür in einen großen Raum führen.
So sah der Eingang zu den WCs im Südbahnhof einst aus. Künftig wird eine Glastür in einen großen Raum führen. © christoph boeckheler*

Seniorinnen empören sich über Pläne der Stadt, die WC-Anlage nicht nach Geschlechtern zu trennen. Die Anlage soll im kommenden April fertig werden.

Im Gebäude des Südbahnhofs werden neue Toiletten gebaut. Im April nächsten Jahres sollen sie fertig sein. Die Stadt plant dort aber keine herkömmlichen, für Damen und Herren getrennte stille Örtchen in verschiedenen Räumen. Die Toiletten und Urinale befinden sich künftig in einem gemeinsamen Raum, den Angehörige aller Geschlechter nutzen.

Als das Gerücht die Runde machte, konnten es vor allem ältere Menschen in Sachsenhausen kaum glauben. „Unter Seniorinnen geht die Sorge um, dass sie sich künftig nicht mehr sicher fühlen, wenn sie auf die Toilette gehen“, schildert die Seniorenbeauftragte für den Frankfurter Süden, Margit Grohmann. Eine öffentliche Toilette müsse ein Schutzraum sein, in den man, oder besser „frau“, sich zurückziehen kann, findet sie.

Viele Seniorinnen sagten ihr, sie würden sich nicht wohlfühlen, wenn Männer im selben Raum zur Toilette gehen. Und nicht nur älteren Frauen gehe es so, ist sie sicher. Nicht zuletzt gehe es um Sicherheit: „Welche Frau fühlt sich gut, wenn sie weiß, dass Männer ungehindert in den selben Toilettenraum marschieren können?“ Gewalt gegen Frauen nehme zu, zeigten Statistiken. „Man muss nicht ohne Not ein weiteres Feld eröffnen, auf dem sexuelle Belästigung stattfinden kann“, sagt Grohmann.

Brigitte Huth, die sich in der CDU Frankfurt-Sachsenhausen engagiert, stimmt zu: „Ich finde, es ist ein Rückschritt, wenn alle das gleich Klo benutzen. Gerade ältere Menschen seien auf öffentliche Toiletten angewiesen.

Markus Radermacher, Sprecher der Baudezernentin Sylvia Weber (SPD), sagt, dass das Thema „Genderneutralität“ eine gesamtgesellschaftlich diskutierte Angelegenheit sei. Die Stadt verfolge diesen Ansatz umfassend, so auch bei neuen baulichen Projekten. Vor diesem Hintergrund sei bei der Sanierung der Toilettenanlage auf eine geschlechterspezifische Trennung verzichtet worden. Radermacher will die Bedenken der Senioren ausräumen. „Wir nehmen ihre Skepsis sehr ernst und haben sie bei der Gestaltung der Anlage berücksichtigt.“ Die Anlage sei durchdacht und gelte als Pilotprojekt für andere öffentliche WCs in der Stadt.

So werde der Vorraum durch eine Glastüre von außen einsehbar, erklärt der Sprecher. „Die Tür zur Halle des Südbahnhofs ist tagsüber geöffnet, so dass kein abgetrennter, vom sonstigen Geschehen „losgelöster“ Raum entstehe. Der Raum selbst sei so konzipiert, dass die Intimzonen der Menschen gewahrt werden können und damit das Wohlbefinden gesichert ist, so Radermacher.

Geplant seien drei Urinale, drei Toiletten und eine behindertengerechte Toilette. „Die Kabinen selbst sind selbstverständlich geschlossen, die Trennwände reichen vom Boden bis zur Decke.“ Die Urinale seien durch eine Trennwand von den Toilettenkabinen getrennt „und gewährleisten so die Wahrung von Intimsphären und damit die Vermeidung eventueller unerwünschter Kontakte“.

Der Raum werde möglichst vandalismusresistent gestaltet. Die Wände würden mit Aluminium-Verbundplatten verkleidet, die nicht so leicht beschädigt oder verschmutzt werden können. Das schaffe „eine gewisse ,Wohlfühlatmosphäre‘, da diese mit Farben, Mustern und Bildern eine optisch äußerst ansprechende Umgebung kreieren. Auch die Beleuchtung und Lautsprecher, die beruhigende Musik in den Raum einspielten, sollen dazu beitragen, „Fehlverhalten zu reduzieren“, so Radermacher. Die Toiletten sollen zudem drei Mal am Tag gereinigt werden. Der Boden sei nicht gefliest, sondern rutschhemmend und ohne Fugen, die über die Jahre verschmutzen könnten. Die WC sollen kostenlos zur Verfügung stehen.

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