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Philipp Sturm von der May-Gesellschaft und Kulturdezernentin Ina Hartwig freuen sich. 

Sachsenhausen

Auf den Spuren von Ernst May in Sachsenhausen

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Eine Tafel kennzeichnet das Geburtshaus des Stadtbaurats an der Metzlerstaße. Nicht nur Ernst Mays Siedlungen, auch seine Vita soll so greifbar werden.

Das cremefarbene Haus an der Metzlerstraße erinnert auf den ersten Blick nicht an Ernst May. Denn es ist natürlich kein Ernst-May-Bau. Vielmehr fällt dagegen an der Fassade, die zur Straße zeigt, das Schild der „Guttempler“ auf. Die Suchthilfe-Organisation besitzt das Gebäude mit der Aufschrift „Reinhold-Kobelt-Haus“ seit 1965 und betreibt darin eine Beratungsstelle. Aber ein Ernst-May-Haus ist es irgendwie trotzdem. Unter der Hausnummer 34, prangt seit Donnerstag eine silberne Tafel, die auf das Geburtshaus des Stadtplaners und Architekten hinweist, der von 1886 bis 1970 gelebt hat. Als Sohn des Lederfabrikanten Adam May ist er in einer bürgerlichen Familie aufgewachsen und soll die ersten Lebensjahre an der Metzlerstraße verbracht haben.

May gilt als bekanntester Vertreter des Stadtplanungsprogramms „Neues Frankfurt“. 15 000 Wohnungen entstanden von 1925 bis 30 unter seiner Führung als Stadtbaurat. Auf der Informationstafel ist zu lesen: „May und sein Team schufen in dieser kurzen Zeit ein weltweit anerkanntes Beispiel sozialen Siedlungsbaus“. Natürlich ist auf dem Schild alles klein geschrieben. Das galt den Designern zu der Zeit als schick, weil zeitsparend.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hebt bei der Übergabe der Tafel an die Öffentlichkeit am Donnerstag die Bedeutung Mays für die Stadt hervor. „Wir möchten das Neue Frankfurt nachhaltig im Gedächtnis der Stadt verankern“, sagt sie und weiter: „Es ist Teil der DNA unserer Stadt, deshalb wollen wir seine historischen Stätten im Stadtbild hervorheben“.

Bewusstsein für Baugeschichte erwacht

Seit kurzem sei wieder ein „Bewusstsein für Baugeschichte erwacht“, und „viele Fragen, die heute gestellt werden, sind in der damaligen Zeit vorbildlich beantwortet worden“. An vielen Orten in der Stadt gebe es bereits Hinweise auf das „Avantgardeprojekt“. An der Metzlerstaße ist neben Mays Geburtsdatum, dem 27. Juli 1886, auf der Tafel auch der „Leistikow-Adler“ in einer Neuinterpretation abgebildet. Der Adler war Wappen des Neuen Frankfurts und ist nach Hans Leistikow benannt. Der Grafiker hatte ihn im Stil der „Neuen Sachlichkeit“ gestaltet.

Philipp Sturm, Geschäftsführer der „Ernst-May-Gesellschaft“, unterstreicht, dass May „nicht allein als Kultfigur“ betrachtet werden sollte: „Vor allem hatte er ein großes Team“. May sei „keine einfache Führungsperson“ gewesen und hatte „Ecken und Kanten“. Mit Stolz erfülle Sturm, „dass neben Wohnungen und Siedlungen auch seine Vita im Stadtbild sichtbar wird“. Neben Mays Grab auf dem Hauptfriedhof, zahlreichen Siedlungen und dem Holzhausenschlösschen, in dem May sein erstes Büro hatte, sei auch die „Plakette an Mays Geburtshaus eine Erinnerung an die herausragende Persönlichkeit“.

25 Siedlungen sind nach den Plänen des Neuen Frankfurt entstanden, neben der Römerstadt auch am Riederwald, am Bornheimer Hang oder im Gallus. Eine weitere liegt zwischen den Stadtteilen Dornbusch und Eschersheim. Unter dem Namen „Am Lindenbaum“ wurde diese Siedlung neben Mays Entwürfen vor allem nach den Vorstellungen von Architekt Walter Gropius gebaut. Dort soll in einigen Monaten eine weitere Informationstafel aufgehangen werden.

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