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Viel Musik gab’s: Hier die Takanaka Club Band auf der Musikbühne.

Schweizer Straßenfest

Sachsenhausen total aus dem Häuschen

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Das Schweizer Straßenfest lockte mit Livemusik, Kulinarischem und Kunsthandwerk Zehntausende an

Obwohl es nur leise tönt, hallt das Klopfen von Schlageisen und Klüpfel am frühen Samstagabend durch die abgesperrte Schneckenhofstraße. Doris Pfeiffer steht dort unter einem Pavillon in der fast menschenleeren Straße. Sie hat die beiden Werkzeuge in der Hand und bearbeitet damit das Stück Marmor, das sie vor sich auf sechs übereinandergestapelten Euro-Paletten platziert hat. Die Freizeit-Bildhauerin aus Niederursel zeigt mit ihrer Kollegin Sabine Holler am Rande des Schweizer Straßenfestes, wie sie dieses Hobby betreibt – und vor allem, wie es sich anfühlt.

„Wir animieren die Besucher, unsere Stücke anzufassen“, sagt Pfeiffer. „Viele interessiert der Entstehungsprozess“, fügt Holler hinzu, die ihre Holzskulpturen ausstellt und die „haptische Erfahrung“ hervorhebt. Die zehnjährige Emilia streicht über eine Marmorskulptur Pfeiffers, die eine Muschel darstellt. „Marmor ist schon teuer, oder?“, fragt das Mädchen. Gute Qualität müsse man sich auch leisten können, entgegnet die 62-jährige Künstlerin und lacht.

Schon am Nachmittag herrschte Gedränge.

„Abseits des Konsums Dinge wahrnehmen und sich inspirieren lassen“, das sei ihr Ziel, sagt Pfeiffer im Hinblick auf die Hauptader des Schweizer Straßenfestes, die von der Garten- bis zur Textorstraße reicht. In den Nebenstraßen geht es gelassener zu, auch im nördlichen Teil der Oppenheimer Landstraße, wo sich auf der „Spielstraße“ neben einem Kinderkarussell das stark geschrumpfte Modell eines Riesenrades mit fünf Gondeln dreht und wo junge Besucher Torwandschießen und Entenangeln ausprobieren können. Auf der Schweizer Straße dagegen sind die meisten Essens- und Getränkestände. Dort herrscht schon am Samstagnachmittag Gedränge, und fast alle Bierbänke links und rechts am Fahrbahnrand sind besetzt. Nur vereinzelte Stehtische bleiben vorerst frei. Das kulinarische Angebot ist vielseitig: Neben Grillschinken gibt es vietnamesische Sommerrollen, Fleischspieße, Waffeln und Kartoffelchips, die mit dem Akkubohrer geschnitten werden.

„Irgendwas Leckeres essen“, wolle sie, sagt Jennifer Rein, als sie mit ihrem Begleiter Tom Zimmermann in Richtung Schweizer Platz läuft, wo gerade eine Coverband spielt, zu deren Version von „Let’s get it started“ einige Besucher mitwippen. Portugiesische Kost habe sich die 38-Jährige schon ausgeguckt, berichtet sie. Es gebe unheimlich viel zu essen, findet die Bornheimerin, die das Schweizer- dem Berger Straßenfest gerne vorziehe. „Die Leute sind hier ganz gediegen drauf“, sagt Rein. Und es sei mehr Platz rund um den „Stern in der Mitte“, den Schweizer Platz. Ihr Begleiter pflichtet ihr bei: „Stinkmorcheln und arrogante Sachsenhäuser gibt es hier mittlerweile nur noch wenige“, sagt der Mann aus dem Ostend. Das liege auch daran, dass viele Besucher von außerhalb kämen. Beide finden aber, dass mehr Künstler das Fest bereichern würden.

Ähnlich geht es Oliver Marhold, der in der Oppenheimer Landstraße in einem Liegestuhl fläzt. „In diesem Jahr ist uns aufgefallen, dass kreativere Sachen verschwunden sind und es jetzt ein Fress- und Sauffest geworden ist“, sagt der 63-Jährige, während seine Partnerin gegenüber in einem Modegeschäft einkauft. „Das ist nicht abwertend gemeint“, fügt er hinzu. Es sei angenehm, wenn man etwas essen und trinken wolle. Insgesamt belebe ein solches Fest den Stadtteil. Dennoch: „Früher gab es ein bisschen mehr Kunsthandwerk“, und Straßenfeste seien „mehr von Anwohnern“ getragen worden, die „im Hof was aufgebaut“, und von „Großmüttern, die selbst gebackenen Kuchen“ beigesteuert hätten.

Immerhin gibt es beim Sportverein Safo, der auf einem Aushang einen Torhüter für seine Jugend-Hockeymannschaft sucht, Selbstgebackenes. Und in der Schneckenhofstraße haben einige Kinder ihre Flohmarktstände eingerichtet, die am Samstagnachmittag aber wenig frequentiert sind. Als Marholds Partnerin, die ihren Namen nicht verraten möchte, mit einer Hose und einem Becher Prosecco aus dem Modegeschäft zurückkehrt, sagt sie: „Ich mag es, dass es abends viel Musik gibt und dass sich alle Generationen zu verschiedenen Uhrzeiten auf dem Fest treffen.“

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