Wolf Hoedt schließt seinen Laden an der Schneckenhofstraße.  
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Wolf Hoedt schließt seinen Laden an der Schneckenhofstraße.  

Sachsenhausen

Sachsenhausen: Zwischen Matisse, Meißen und Micky Maus

  • vonMaxie Römhild
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Wolf Hoedt schließt seinen Laden für „Art & Antiquitäten“. Der Schlussverkauf geht von März bis Mai.

Schon ein kurzer Blick ins Schaufenster von „Art & Antiquitäten“ an der Schneckenhofstraße lässt die Augen schlagartig größer werden. Ein wildes Sammelsurium an Besteck, Skulpturen und Masken breitet sich vor dem Betrachter aus. Im Inneren setzt sich die bunte Mischung fort, ergänzt durch elegante Holzmöbel, bunte Lampen, Gemälde.

Bei einem Rundgang durch die kleinen Räume fällt es schwer, sich nicht in den Auslagen zu verlieren, besonders weil Inhaber Wolf Hoedt zu jedem Stück Info und eine eigene Anekdote zum Besten geben kann. Aber nicht mehr lang. In den nächsten drei Monaten will der über 70-Jährige das Geschäft unweit vom Schweizer Platz schließen.

„Als ich anfing, da gab es noch keinen Ikea. Ich glaube, ich bin älter als Ikea“, sagt Hoedt und lacht. Heute kauften nur noch wenige Menschen antike Möbel für ihr Zuhause, erzählt er. „Früher gab es viele Antiquitätengeschäfte, heute gibt es gar keine mehr. Ich bin so ein Fossil.“

Vor 50 Jahren eröffnete Hoedt einen Laden in der alten Heinz-Fabrik in der Mörfelder Landstraße, in der er einen Großteil der Möbel auch selbst restaurierte. Neue Stücke habe er oft nach wenigen Tagen verkauft. „Ich war der erste, der 1970 groß mit englischen Antiquitäten gehandelt hat“, sagt Hoedt, „In Südengland, in den Midlands und bis Schottland hoch haben wir Antiquitäten gekauft. Auch Möbel und Kunst und kleine, kuriose, schöne Sachen.“

In ganz Europa unterwegs

Mit einem LKW war er in ganz Europa unterwegs, einem gebrauchten Verlags-Fahrzeug. „Der war blau und da stand drauf ‚Brigitte – eine moderne Frauenzeitschrift‘", erinnert sich Hoedt, „das war wirklich ein Kultauto“. Irgendwann trennte er sich von dem Wagen und verkaufte ihn an einen weltreisenden Zimmermann. „Drei Jahre später, ungefähr 1976, war ich in Kathmandu und was fährt vorbei? ‚Brigitte – eine moderne Frauenzeitschrift‘", sagt Hoedt und strahlt.

Die Welt ist eben ein Dorf, zumindest für Hoedt. Auf Korsika und Kreta surfte der gebürtige Berliner, der noch bis zu einem Unfall vor zwei Jahren leidenschaftlich gern Gleitschirm flog. Auf Reisen durch Peru, Mexiko oder Indien fand er Kunst und Raritäten, die das Sortiment in „Art & Antiquitäten“ ergänzten.

Wirklich angetan hat es ihm aber Afrika. „In Berlin gab es die amerikanische Gedenkbibliothek. Da habe ich mir Bücher angeschaut mit Kunst aus Afrika. Ich habe dann als kleiner Bub schon solche Masken und Schalen geschnitzt. Da kommt das her.“ Neben seiner privaten Sammlung findet sich deshalb natürlich auch im Geschäft viel Tribal Art.

Hoedts Laden ist eine wahre Fundgrube. Ein Frankfurter Nasenschrank – nicht zu verwechseln mit dem verwandten, ebenfalls eleganten Wellenschrank – reiht sich an Meißenteller und Ausziehtische. Gut sichtbar im Eingangsbereich fällt ein besonderes Stück ins Auge: Das Gemälde eines Schülers von Henri Matisse, auf dem sich in eindringlichen Farben eine nackte Frau räkelt. Zwischen all den Schätzen lauern aber auch Objekte, die irritieren. Von einem mintgrünen Sofa etwa starren dem Betrachter drei Micky Mäuse entgegen, ein Wecker-Micky streckt den Daumen in die Höhe. Eigentlich kein Wunder, Wolf Hoedt ist ausgebildeter Trickfilmzeichner.

Später arbeitete er als Grafiker und Art Director in Frankfurt. „Aber wie das so im Leben ist, fiel es mir schwer, mich mit den Ellbogen im Geschäft durchzusetzen“, erzählt Hoedt. Also machte er seine Leidenschaft zum Beruf. „Ich bin ein kranker Sammler“, sagt der Antiquitätenhändler.

Da ist es eigentlich keine Frage mehr, was Wolf Hoedt mit dem wohlverdienten Ruhestand vor hat: „Ich werde noch mehr Zeit in das Sammeln afrikanischer Kunst investieren“.

Art & Antiquitäten , Schneckenhofstraße 17, täglich ab 15 Uhr geöffnet. Der Schlussverkauf mit großen Preisnachlässen läuft vom zweiten März bis spätestens Ende Mai.

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