Pächter Thomas Schlegel ist sichtlich froh über die Verlängerung.
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Pächter Thomas Schlegel ist sichtlich froh über die Verlängerung. 

Sachsenhausen

Sachsenhausen: Das Musik-Lokal „Südbahnhof“ hat eine Zukunft

Lange war unklar, wie es mit dem „Südbahnhof“ weitergeht. Nun wurde der Vertrag für das beliebte Musik-Lokal um sechs Jahre verlängert.

Die Mitglieder der Tom Pfeiffer Band stehen auf der Bühne im Saalbau Südbahnhof und machen vor ihrem Auftritt noch einen letzten Soundcheck. Bis auf ihre Melodien ist es an diesem Sonntagvormittag noch ruhig im großen Saal im Obergeschoss des Gebäudes. Thomas Schlegel, Pächter und Organisator der Konzerte, bespricht mit seinem Team den Ablauf des sonntäglichen Frühschoppens. Viel Zeit haben sie nicht mehr, die Besucher werden bald in den Saal strömen. Viele sind Stammgäste.

Die Kombination aus Live-Konzert und gemütlichem Beisammensein hat bereits eine mehr als 45-jährige Tradition – und ist sehr beliebt. Das zeigt sich schon daran, dass sich in der Vorhalle des Südbahnhofs mehr als eine Stunde vor dem Einlass eine lange Warteschlange gebildet hat. Das sei jedes Mal so, freut sich Schlegel. „Die Besucher lieben die besondere Atmosphäre hier.“

Seit 25 Jahren bespielen Schlegel und sein Team im Saalbau Südbahnhof die Sonntage mit unterschiedlichen musikalischen Genres wie Pop und Rock. Hinzu kommen Veranstaltungen an manchen Samstagen wie eine Ü-30-Disco oder manchmal auch Konzerte. Unter dem Motto „Schwung erhält jung“ gibt es in Kooperation mit einem Verein zudem regelmäßig montags eine Tanzveranstaltung für Senioren. Sowohl Konzerte als auch Tanzveranstaltungen haben viele Anhänger.

Dass es auch in den kommenden sechs Jahren weitergehen kann, freut Schlegel besonders, sah es doch im vergangenen Jahr so aus, als ob die Erfolgsgeschichte des Musik-Lokals Südbahnhof, wie der Veranstaltungsort von Schlegel benannt wurde, nicht fortgeführt werden kann. Der Pachtvertrag lief zum 30. Juni 2019 aus und sollte erst einmal nicht verlängert werden.

Was sich zunächst als endgültige Entscheidung zeigte, hat sich gewendet. Schlegel berichtet, dass er sich damals mit einem Schreiben an den Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gewandt und dieser Unterstützung angeboten habe. In Gesprächen mit der ABG, die Vermieter der Lokalität ist, und ihrem Geschäftsführer Frank Junker, konnte eine Einigung erzielt und die Zukunft des Südbahnhof gesichert werden, dessen Anfänge bereits in die 70er Jahre zurückgehen.

Begonnen hat es 1974, als Schlegel auf die Idee kam, in den Räumen der Kantine des ehemaligen Schlachthofs Frankfurt den ersten sonntäglichen Frühschoppen mit Live-Musik zu organisieren. Zu dieser Zeit spielte Schlegel noch selbst in einer Band am Klavier – natürlich Jazz.

Seine Idee schlug ein. So sehr, dass der studierte Maschinenbauingenieur seinen Beruf sprichwörtlich an den Nagel hängte und sich ganz auf die Organisation von Konzerten konzentrierte. Gleichzeitig gründete er den Verein Jazzforum Frankfurt, der hinter den Veranstaltungen steht.

Der Schlachthof etablierte sich schnell als Ort der Musik. In Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk entwickelte sich in den 80er Jahren dort etwa das Format „Live aus dem Schlachthof“, bei dem zahlreiche renommierte Bands und Musiker auftraten. Mit dem Abriss des früheren Kantinengebäudes folgte für Schlegel und den Verein 1995 der Wechsel in den Südbahnhof.

„Mit dem neuen Pachtvertrag gibt es auch Änderungen, was ganz üblich ist“, erzählt der 74-Jährige. Bei einer Änderung wisse er aber noch nicht, ob sie in der Praxis umsetzbar sei. „Früher war es so, dass wir hier exklusiv für alle Veranstaltungen die Gastronomie betrieben haben“, sagt Schlegel. Mit dem neuen Vertrag habe sich dies geändert.

Das sei in Ordnung, organisatorisch könnte sie dies jedoch vor eine Herausforderung stellen. Falls der Saal samstags vor einem Frühschoppen vermietet werde und ein anderer Caterer die Küche nutze, müsse man diese vorher komplett frei räumen und morgens um 4 Uhr wieder einräumen, sagt Schlegel. „Bisher ist dieser Fall noch nicht eingetreten.“ Sollte es einmal passieren, müssen man schauen, wie man damit umgehen. Dies betreffe auch nicht das gesamte Jahr, da es von Mai bis September keine Frühschoppen gebe.

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