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Für die Zukunft der Mühlbergschule in Sachsenhausen sind Armin Strobel und Christine Wendel-Roth gemeinsam zuständig. Sonst sind ihre Arbeistbereiche nach Nord und Süd aufgeteilt.
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Für die Zukunft der Mühlbergschule in Sachsenhausen sind Armin Strobel und Christine Wendel-Roth gemeinsam zuständig. Sonst sind ihre Arbeistbereiche nach Nord und Süd aufgeteilt.

Sachsenhausen

Sachsenhausen: „Jugendliche haben abends kein Angebot, wo sie hingehen können“

Künftig sollen sich zwei Kinderbeauftragte um die Belange der Kinder und Jugendlichen im bevölkerungsreichsten Stadtteil Frankfurts kümmern. Im Frankfurter Süden gibt es viel zu tun, davon sind Christine Wendel-Roth und Armin Strobel überzeugt.

Seit fünf Jahren engagiert sich Armin Strobel als Kinderbeauftragter in Sachsenhausen. Jetzt erhält er Unterstützung durch Christine Wendel-Roth, die momentan allerdings noch kommissarisch tätig ist, ihre offizielle Bestätigung soll demnächst erfolgen. Eines der Hauptthemen für beide: die Schulen im Viertel.

Frau Wendel-Roth, Herr Strobel, bisher war für Sachsenhausen ein Kinderbeauftragter zuständig, jetzt wollen Sie beide sich diese Aufgabe teilen. Warum?

Christine Wendel-Roth: Ursprünglich gab es sogar nur einen Kinderbeauftragten für den gesamten Frankfurter Süden. Wie bevölkerungsreich die Stadtteile sind, hat vielleicht nicht jeder im Blick. Allein in Sachsenhausen gibt es über 8000 Kinder bis 14 Jahre. Im nächstgrößeren Bezirk sind es weniger als 4000 Kinder. Für einen allein ist das kaum machbar. Armin Strobel hat hier gute Arbeit geleistet, aber wir wollen künftig noch einiges mehr machen.

Armin Strobel: Es ist gut, dass wir jetzt zu zweit sind. Allein kann man allen diesen Aufgaben einfach nicht gerecht werden. Kinderbeauftragter ist ein Ehrenamt, das lebt von der Reaktion auf Themen, die an einen herangetragen werden, aber auch von eigenen Initiativen. Wenn es aber so viele Kinder und Einrichtungen wie in Sachsenhausen gibt, kommt beides zu kurz.

Wie teilen Sie sich die Arbeit auf?

Wendel-Roth: Die Demarkationslinie ist präzise hier, an der Offenbacher Landstraße beziehungsweise Mörfelder Landstraße (lacht). Ich kümmere mich um den Bereich Sachsenhausen-Süd, Armin Strobel um Sachsenhausen-Nord.

Aber es gibt doch bestimmt Überschneidungen – zum Beispiel bei der Mühlbergschule? Wendel-Roth: Ja, da ist der jetzige Standort der Containerschule am Länderweg in seinem Bereich, während das ursprüngliche Schulgebäude am Lettigkautweg, das seit Jahren eine Baustelle ist, zu meinem gehört. Die Sanierung sollte eigentlich seit 2019 fertig sein. Jetzt ist der Umzug für die Osterferien 2022 angedacht.

Strobel: Die Kinder, die jetzt in die weiterführenden Schulen übergegangen sind, haben ihre ganze Grundschulzeit in Containern verbracht. Es ist wichtig, dass die Sanierung jetzt endlich abgeschlossen wird. Außerdem steht auch noch die IGS Süd an, die auf den Standort der Holbeinschule kommt, und es läuft die Erweiterung der Willemerschule, die im nächsten Sommer fertig sein soll. Da wollen wir als Kinderbeauftragte darauf achten, dass die Zeitpläne eingehalten werden.

Wendel-Roth: Dringend notwendig wäre es auch, die Sporthalle Süd endlich zu sanieren.

Bei Ihrer Arbeit haben Sie aber bestimmt nicht nur Schulen und Sporthallen im Blick. Welche Schwerpunkte wollen Sie sonst noch setzen?

Strobel: Ein Thema wird sicher, dass wir Kinder und Jugendliche stärker an das Thema Demokratie heranführen wollen, dass wir hier eine stärkere Beteiligung aufbauen und leben wollen. Zum Beispiel dadurch, dass wir sie in den Ortsbeirat einladen und ein eigenes Stadtteil-Kinderparlament ins Leben rufen.

Um welche Themen soll es gehen?

Strobel: Alles, was Kinder und Jugendliche interessiert. Das können Spielplätze und Schulwegsicherheit sein oder ganz andere Dinge, die wir Erwachsene gar nicht sehen. Mehrere Grundschulen haben schon Kinderparlamente aufgebaut. Das zeigt, dass das Interesse an solchen Einrichtungen durchaus da ist.

Frau Wendel-Roth, Sie sind seit 2019 Co-Vorsitzende der Sachsenhäuser SPD. Warum wollen Sie sich jetzt auch als Kinderbeauftragte engagieren?

Wendel-Roth: Weil es dort einfach viel zu tun gibt. Mir ist es wichtig, etwas für die Kinder und Jugendlichen in unserem Stadtteil zu tun.

Haben Sie da schon Ideen?

Wendel-Roth: Es bräuchte zum Beispiel ein anständiges Jugendhaus, das nicht schon um 17 Uhr zumacht. Die Jugendlichen bei uns haben abends praktisch kein offizielles Angebot, wo sie hinkönnen. Selbst am Adlhochplatz, wo sie sich oft getroffen haben, wurden die Bänke abgebaut, wegen Beschwerden von Anliegern. Der neue Koalitionsvertrag des Ortsbeirats 5 sieht jetzt die Wiederaufstellung der Bänke und die Betreuung der Jugendlichen durch Streetworker vor. Jetzt habe ich über den Ortsbeirat Komposttoiletten für den Seehofparkspielplatz angeregt.

Und was treibt Sie, Herr Strobel an, mit Ihrer Arbeit weiterzumachen?

Strobel: Mit geht es neben den genannten Themen um den Umgang mit den Folgen der letzten eineinhalb Jahre – was während der Corona-Pandemie alles für Kinder weggebrochen ist, was da mit ihnen passiert ist.

Als Kinderbeauftragter haben Sie da aber wohl wenig Möglichkeiten, oder?

Strobel: Wir können auf Missstände hinweisen, auch an höherer Stelle. In den vergangenen Monaten hatten die Frankfurter Kinderbeauftragten mehrmals Kontakt mit dem hessischen Kulturminister Alexander Lorz, um Informationen von der Basis weiterzugeben. Was mich besonders stört: Wir haben keine Erhebung darüber, was die Kinder und Jugendlichen betrifft, die während der Homeschooling-Zeit praktisch abgetaucht waren. Man weiß momentan nur, dass in Hessen mehr als 2000 Kinder im Schnitt 200 Schultage nicht erreichbar waren, und zwar nur aus Initiativmeldungen von Lehrern. Das heißt, wir wissen gar nicht, wie viele es tatsächlich waren. So etwas kann doch eigentlich nicht sein. Wir können Kindern und Jugendlichen nur wirksam helfen, wenn wir überhaupt eine Vorstellung vom Umfang des Problems haben.

Wendel-Roth: Wichtig wäre es auch, bedürftige Familien besser zu fördern. Ich bin als Dolmetscherin für Gerichte, Polizei und Jugendhilfe tätig und habe deshalb Einblick in sehr prekäre Lebensverhältnisse von Familien. Es bräuchte mehr Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung von Familien. Der Spielplatz am Goetheturm bietet zwar einiges für kleinere, aber nichts für größere Kinder. Da könnte man wenigstens noch ein Fußballtor aufstellen. Und wir bräuchten für die Zeit nach Corona eine Art Indoor-Spielplatz in unserem Stadtteil, vielleicht so ein Angebot, wie es der Verein Abenteuerspielplatz Riederwald im Winter öfters im Saalbau Bornheim angeboten hat, jedenfalls vor Corona. Da könnten zum Beispiel auch Kindergeburtstage stattfinden.

Strobel: Wir haben schon einige Möglichkeiten für Kinderfeste in Sachsenhausen, etwa in den Museen am Museumsufer. Die müssten wir aber bekannter machen. Und es müsste Ermäßigungen für bedürftige Fami-lien geben. Sie sehen jedenfalls: Arbeit gibt es für uns beide genug.

Interview: Brigitte Degelmann

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