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Hans-Ulrich Wyneken, langjähriger Direktor der Carl-Schurz-Schule, geht in den Ruhestand.
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Hans-Ulrich Wyneken, langjähriger Direktor der Carl-Schurz-Schule, geht in den Ruhestand.

Sachsenhausen

Rumhängen statt Unterricht

  • vonKatja Sturm
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Hans-Ulrich Wyneken, der Direktor des Carl-Schurz-Gymnasiums, hört auf. Zunächst wolle er faulenzen und chillen.

Charlie“ sitzt noch auf seinem Platz im Büro. Die rote Handpuppe mit Rüssel, die Hans-Ulrich Wyneken als seinen „inneren Schweinehund“ definiert, diente dem Schulleiter des Carl-Schurz-Gymnasiums dazu, auf unterhaltsame Art die Neuzugänge zu begrüßen. Scheinbar aus dem Bauch heraus, aber in Wahrheit dank eines zweiten Mikrofons in kollegialen Händen, plauderte der leidenschaftliche Ausdauersportler mit seinem Gegenspieler darüber, wie besonders es sich anfühlt, nach „großer Anstrengung“ sein Ziel erreicht zu haben. Schule und Laufen – beides mache nicht immer Spaß, aber es lohnt sich durchzuhalten.

Die kommenden Generationen werden auf die Einlage des 66-Jährigen verzichten müssen. An diesem Freitag hat der Pädagoge seinen letzten Arbeitstag. Coronabedingt wird es nur ein kleines Abschiedsfest geben; selbst die Urkunde, die ihm sonst überreicht werden würde, holte sich der künftige Pensionär selbst im Schulamt ab. Das sei nicht so schlimm sagt er, wenn er im Sommer noch einmal richtig feiern könne.

„Die Menschen hier werde ich vermissen“, betont der gebürtige Essener. Auch in Zukunft will er zu Veranstaltungen in seiner langjährigen Arbeitsstätte vorbeischauen. Doch die vergangenen Monate, in denen wegen der Pandemie weder Konzerte noch Theateraufführungen stattfanden und die meisten nur digitalen Unterricht erlebten, der „nicht die Qualität der Präsenzstunden hat“, erleichtern Wyneken den Abgang.

Sein Terminkalender im Februar sei voll. „Rumhängen, faulenzen und chillen“ stehe darin. Der Wahl-Wetterauer freut sich darauf, mehr draußen sein und seinen Hobbys nachgehen zu können. Das Gitarrespiel vernachlässigte er ebenso wie den Sport. Wobei, auf Letzteres bezogen, den mehrmaligen Marathonfinisher auch eine Knieoperation bremste. „Karlchen“, ein Straßenhund aus Rumänien, will ausgeführt, und der große Garten am Wochenendhaus im Vogelsberg gepflegt werden.

„Als Kind wollte ich Lokomotivführer werden“, erinnert Wyneken sich. Sein Interesse für Geschichte ließ ihn umdenken. Für das Studium, in dem er sich auch mit Politik und Wirtschaft sowie Sport beschäftigte, siedelte er nach West-Berlin um. Er fand die damalige „Insel“ spannend. Doch die Stellen waren rar; zudem wollten Wyneken und seine Frau Heike irgendwann aus der Großstadt heraus.

1993, nach sechs Jahren Tätigkeit in einem Kinderheim, landete er in Frankfurt. Den Wunsch nach mehr Natur erfüllte sich das Ehepaar mit seinem Wohnort Friedberg-Ockstadt. „Zufälle“ führten dazu, dass Wyneken über die Position des Stellvertreters schließlich selbst Schulleiter wurde. Er habe das nie im Sinn gehabt.

So sah er sich auch nicht als Anführer, sondern als jenen, der Möglichkeiten schafft. „In einem Kollegium schlummert so viel Potenzial“, erklärt Wyneken. Man müsse nur den Raum bieten, damit daraus etwas entstehen könne. Als wichtige Beispiele nennt er die Einrichtung eines Beratungsteams aus Lehrern und Sonderpädagogen für Schüler in Not und die Jahrbücher als „Gedächtnis der Schule“.

Einen Shitstorm erlebte Wyneken 2019, als der Hessische Rundfunk über eine geplante Kreuzfahrt einiger seiner Schüler als Studienreise berichtete. Der Kritik entgegenzutreten und der Öffentlichkeit zu erklären, wie positiv die Ökobilanz dabei war, habe ihm sogar Spaß gemacht. „Da ist es mir sehr zugute gekommen, dass ich Leistungssportler war“, sagt der Leichtathlet.

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