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Ohne Bänke keine Party, hoffen die Politiker.

Sachsenhausen

Bänke sollen weichen: Protest auf dem Adlhochplatz in Frankfurt

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Die AWO will am Dienstag gegen den geplanten Abbau der Sitzbänke demonstrieren.

Die AWO möchte nicht auf die Bänke auf dem Adlhochplatz verzichten. Die Stadt wird die Sitzmöbel am Mittwoch, 20. März, entfernen. Die AWO ruft zur Kundgebung dagegen auf. Am Dienstag, 19. März, von 18 bis 19 Uhr, sollen sich alle Bürger zeigen, die mit der Entscheidung nicht einverstanden sind.

Die AWO verurteilt den Abbau der Sitzbänke, „weil dadurch alle Besucher des Adlhochplatzes büßen müssen, die diesen Platz und die Sitzbänke tagsüber gerne zum Verweilen nutzen“, sagt die Sachsenhäuser AWO-Vorsitzende Otti Altmann. Die nächtlichen Ruhestörungen durch feiernde junge Menschen im Sommer ließen sich sehr leicht auch durch vermehrte Polizeistreifen sowie durch verstärkte Jugendsozialarbeit abmildern, sagt sie.

Florian Reineking sieht das anders. Der FDP-Mann im Ortsbeirat 5 gehört zu den treibenden Kräften hinter der Entscheidung, die Bänke zu entfernen. Im Ortsbeirat 5 sind lediglich SPD und Linke gegen den Abbau. „Es gibt keine andere realistische Möglichkeit, die nächtlichen Ruhestörungen zu beenden“, sagt Reineking bestimmt.

Darum wird er wohl auch nicht auf der Kundgebung erscheinen. „Die Argumente sind ausgetauscht.“ Grundsätzlich sei es das gute Recht der Leute, zu demonstrieren, das störe ihn nicht. Ärgerlich findet er, dass die Bankbefürworter den Bürgern suggerierten, dass es andere Möglichkeiten gebe, den Platz zu befrieden. Das sei eben nicht so. Der Beschluss des Ortsbeirats sei Ergebnis einer langen Kette an Versuchen und Überlegungen. „Das wird einfach verschwiegen“, sagt Reineking in Richtung AWO und SPD.

Tatsächlich hat die Stadt 2013 abgelehnt, auf den Rewe-Markt einzuwirken, die Öffnungszeiten einzuschränken. Das stelle einen „Eingriff in die vom Grundgesetz geschützte Gewerbefreiheit dar.“ Der Getränkeverkauf befeuert die nächtlichen Partys aber. 2017 erklärte die Verwaltung, der Adlhochplatz werde „im normalen Rahmen als städtischer Platz und öffentlicher Kommunikationsraum“ genutzt. 2018 bekräftigte die Kommune diese Einschätzung noch einmal. Die Koalition aus CDU, FDP und Grünen im Ortsbeirat 5 hat das aber anders beobachtet und die Demontage der Bänke beschlossen.

Nach wie vor verwendet Reineking dabei das Wort „probeweise“. Sobald sich die Nächte beruhigten, steige de Bereitschaft, über den Einsatz von mobilen Bänken am Tage nachzudenken.

Die jungen Leute, die vergangenes Jahr eine Online-Petition zum Erhalt der Bänke gestartet haben, tröstet das nicht. Sie werden lieber zur AWO-Demo am Dienstag kommen, auch wenn sie sich keine großen Hoffnungen machen. „Es war ja im Grunde bereits entschieden, als wir angefangen haben, uns zu engagieren“, sagt Moritz Tettenborn.

Dennoch glaube er, dass sich im Frühjahr eine neue Erkenntnis bei den Anwohnern breit machen werde. Ohne Bänke werde es bestimmt nicht leiser zugehen auf dem Platz. Der Verlust der Sitzgelegenheiten sei dagegen ein messbarer Verlust von Lebensqualität. „Ich hoffe auf ein Umdenken.“

Das sieht auch Otti Altmann so. Das Problem der nächtlichen Partys am Wochenende werde sich durch die Demontage der Sitzbänke nicht lösen lassen. „Diese Maßnahme ist unsinnig und teuer, und sie schränkt die Aufenthaltsqualität in Sachsenhausen insbesondere für ältere und gehbehinderte Menschen sowie für Mütter mit Kinderwagen auf unzulässige Weise ein.“

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