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Der 65-Jährige bringt in seiner Werkstatt fast jedes Gerät wieder zum Laufen. Christoph Boeckheler

Sachsenhausen

Nach 33 Jahren ist Schluss

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Dieter Scheu geht in den Ruhestand und schließt seinen kleinen Laden in der Wallstraße.

Radio Scheu gehört zur aussterbenden Art. Der kleine Laden in der Wallstraße in Sachsenhausen ist schon ein wenig ausgeräumt. Aber immer noch stehen Fernseher, Boxen und Hifi-Geräte auf Regalen, an den Wänden hängen Kabel, dazwischen liegen Steckdosen. In Schachteln und Kästen sind Ersatzteile einsortiert. Ein Schild an der Ladentür weist daraufhin, dass es am 14. Juni vorbei ist. Dieter Scheu geht in den Ruhestand.

Seit 33 Jahren hat der 65-Jährige den Betrieb samt Servicewerkstatt geführt. Bis in die 90er Jahre habe er zu tun gehabt ohne Ende, manchmal reparierte er noch sonntags oder abends. Einige Zeit beschäftigte er auch einen Mitarbeiter. Dann sei es immer weniger geworden, sagt Dieter Scheu hinter seiner Theke. „Heute ist damit kein Geschäft mehr zu machen.“

Ein älterer Herr kommt in den Laden und kauft eine Antenne. Er brauche auch noch ein zwölf Meter langes Kabel. „Das, was sie mir letztes Mal gegeben haben, funktioniert einwandfrei“, lobt er den Ladenbesitzer. Er wohne in Stuttgart, aber wenn er in Frankfurt sei, schaue er dort mit seinen Anliegen vorbei. „Dafür gibt es nur einen Ansprechpartner.“

Joachim Körber bringt einen Receiver vorbei, Scheu soll ihm die Sender einstellen. „Das kriegen wir schon hin“, sagt der Experte. Seit 30 Jahren helfe Scheu ihm, sagt Körber. „Ich bin überhaupt nicht technikaffin.“ Auch seine Fernseher hat Körber nur bei Scheu gekauft. An wen er sich in Zukunft mit seinen Problemen wenden soll, wisse er nicht.

Solche Läden gebe es kaum noch, sagt Scheu. Es sind vor allem Stammkunden, die den Weg zu ihm in den Laden finden, vorwiegend aus der Nachbarschaft, vorwiegend älter. Die meisten kaufen einen neuen Fernseher oder ein Radio, wollen einen Kabelanschluss verlegt oder neue Geräte eingestellt haben.

Nicht selten geht Scheu zu seinen Kunden nach Hause, manchmal nimmt er die Geräte dann mit in seine Werkstatt. Für diese Zeit bekommen die Kunden sogar ein Leihgerät. So ein Service bekomme man woanders nicht, ist er sich sicher. Bei vielen neuen Geräten lohne sich eine Reparatur gar nicht mehr. Ein neues Modul einzubauen, erklärt Scheu, koste da schon mal 300 Euro, dafür könne man sich fast ein Neues kaufen.

Scheu hat eine Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker absolviert. Neben der Theke hängt sein Meisterbrief. Diese Ausbildung gebe es auch nicht mehr, sagt er. Bevor er sich selbständig machte, war er 18 Jahre bei der Firma Braun in der Industrie tätig, „dort habe ich gelernt“.

Mitunter repariere er auch eine Lampe oder eine Heizungssteuerung, erzählt der gebürtige Frankfurter. Erst neulich hat er eine Brotmaschine wieder zum Laufen gebracht. Das Tolle an seinem Job sei die Arbeit mit Menschen und die Erfolgserlebnisse, wenn’s klappt und die Geräte wieder funktionieren.

Ein wenig weitertüfteln will Scheu auch als Rentner. Allerdings nur als Hobby. Er zieht mit seiner Ehefrau rund 100 Kilometer weit weg. Hinter Mainz, dort habe er ein Haus geerbt. Die Miete im Nordend sei einfach zu teuer geworden. In seinem Garten dort will er sich in einer Hütte eine Werkstatt einrichten. Nach Frankfurt wird er trotzdem immer mal kommen, denn seine beiden Töchter leben hier und die Enkel brauchen einen Babysitter.

Noch bis zum 14. Junihat Radio Scheu, Wallstraße 3, zu folgenden Zeiten geöffnet: Montag bis Freitag, 9.30 bis 12.30 Uhr und 15 bis 18 Uhr, Mittwochnachmittag ist geschlossen. Auskunft unter Telefon: 62 52 67, E-Mail: Radio-Scheu@t-online.de

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