Geschäftsmann Alexander Desch zieht sich nach Bad Homburg zurück.  
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Geschäftsmann Alexander Desch zieht sich nach Bad Homburg zurück.  

Wirtschaft

Modegeschäft Lemli verlässt die Schweizer Straße

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Das Damenmodegeschäft   schließt nach 65 Jahren in Sachsenhausen. Die Modernisierung war zu teuer, der Vermieter wollte sich nicht beteiligen.

Räumungsverkauf“ steht unübersehbar an der Scheibe. Am 30. Juni schließt das Damenmodengeschäft Lemli – für immer. Inhaber Alexander Desch wollte den Laden modernisieren, da er mit den sehr großen Schaufenstern und im Inneren nicht mehr zeitgemäß sei. Die Kosten als Mieter alleine zu stemmen, sei unmöglich. Doch die Vermieter, die in Berlin sitzen, wollten sich nicht beteiligen. Das Geschäft gebe man nun schweren Herzens auf. „Aber wir müssen weitsichtig planen.“

Seit Anfang der 50er Jahre ist der Laden auf der Schweizer Straße beheimatet, erzählt Desch. In den 80er Jahren hatten neue Eigentümer das Gebäude gekauft. Seit 2011 wurde die Miete um 35 Prozent erhöht. „Wir waren immer unauffällige Mieter und inoffizieller Hausmeister“, versichert Desch. Gezahlt habe man ebenfalls pünktlich – ein Entgegenkommen habe es jedoch nicht gegeben, auch nicht in der Corona-Krise.

Desch übernahm das Geschäft seiner Familie 2008 mit seiner Ehefrau, Lemli ist der Familienname seines Stiefvaters. Schon zu Schulzeiten half er aus. Auch in dem Modegeschäft Hitparade auf der Fressgass’, das die Familie 2009 wegen Verdoppelung der Miete aufgab.

Seine Ehefrau Sarah-Ann arbeitet ebenfalls im Familienbetrieb. Die beiden lernten sich im Studium der Textilwirtschaft kennen. Sie kümmert sich um den Einkauf und Verkauf, Desch vorwiegend um alles andere, was organisiert werden muss.

Viele Stammkunden

Lemli hat viele Stammkunden, vor allem ab 40 Jahren und aufwärts, die die Auswahl im gehobenen mittleren Segment, wie man im Fachjargon sagt, gefällt. Die meisten kämen aus Sachsenhausen, aber auch aus dem Umland. Die Frauen seien natürlich sehr traurig, sagt Desch. Viele hatten lange Jahre hier eingekauft, kannten den Laden schon als Teenager und schätzten vor allem die persönliche Beratung.

Künftig wird das Ehepaar Desch das Geschäft Saint Germain in der Luisenstraße in Bad Homburg weiterführen. „Die Gelegenheit mussten wir nutzen.“ Das Gute am neuen Standort ist, dass das Paar mit seinen Kindern dort wohnt.

In Frankfurt würden Ladenvermieter wie seine dazu beitragen, dass sich die Schweizer Straße zum Schlechten verändere, kritisiert Desch. Kleine inhabergeführten Geschäfte verschwänden, statt dessen öffne die x-te Bäckerei sowie Ketten. „Der Branchen-Mix ist nicht mehr gegeben.“ So habe die Frequenz der Passanten abgenommen; natürlich spiele auch der Online-Handel eine Rolle.

Viele Vermieter hätten nicht verstanden, dass es im Einzelhandel nicht mehr so bergauf gehe wie früher. „Die Miete muss ja irgendwie dem Umsatz gerecht werden“, sagt der 44-Jährige. Manchen Vermietern scheine es egal zu sein, ob ein Mieter in das Straßenumfeld passe und zur beständigen Attraktivität beitrage. Nach dem Motto: Hauptsache die Miete kann bis zum Maximum ausgereizt werden.

Beschwerden über Hauseigentümer kommen beim Vorsitzenden der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße selten an. „Aber die Mieten sollten moderat sein“, sagt Torsten Schiller. Das sei gerade bei Vermietern, die nicht in Frankfurt wohnten, oft nicht der Fall. So bestünde eben die Gefahr, dass nur noch Ketten sich die Mieten leisten können. Man appelliere immer wieder an die Hausbesitzer, Einfluss habe man aber nicht.

Wer in die Räume von Lemli zieht, weiß Schiller nicht. Aber er hofft, dass es ein inhabergeführter Laden sein wird.

Lemli, Schweizer Straße 38, ist Montag bis Freitag, 10 bis 19 Uhr, Samstags bis 16 Uhr geöffnet, Telefon 60 60 99 40.

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