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Meichsner & Dennerlein: 40 Jahre im Dienst des Buchs

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Von: Sebastian Theuner

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Kurz vor Feierabend; Klaus Meichsner (l.) und Hanns Dennerlein wollen keinen Rekord aufstellen. Oeser
Kurz vor Feierabend; Klaus Meichsner (l.) und Hanns Dennerlein wollen keinen Rekord aufstellen. Oeser © Rolf Oeser

Meichsner & Dennerlein in Sachsenhausen übergeben ihren Buchladen in jüngere Hände.

Die Marzipantorte ist ihnen im Gedächtnis geblieben. Eine Verlagsvertreterin hatte sie vor Jahren überreicht – zum Dank für mehr als 200 verkaufte Exemplare von „Schiffbruch mit Tiger“. Die Verzierung der Torte war angelehnt an das Coverbild des Romans von Yann Martel.

Anekdoten wie diese gibt es viele zu erzählen. Seit 40 Jahren verkauft die Buchhandlung Meichsner & Dennerlein in der Dreieichstraße in Sachsenhausen Belletristik, Sachliteratur, Kinderbücher. Am 30. Dezember ist Schluss. Dann verabschieden sich die Inhaber Klaus Meichsner und Hanns Dennerlein in den Ruhestand. Zum neuen Jahr übernimmt Anna Doepfner, die bereits in Bergen eine Buchhandlung führt, unter dem Namen „Sachsenhausen erlesen“.

Vor zwei Jahren begannen die Nochbesitzer, Abschied und Nachfolge zu planen. „Wir wollen keinen Rekord aufstellen“, sagt der 72-jährige Meichsner. Am 1. Oktober 1982 hatten Dennerlein und er die Buchhandlung neben dem Filmtheater Harmonie eröffnet, damals kannten die beiden einander gerade ein Vierteljahr. „Wir waren auch naiv“, blickt Dennerlein, 75, zurück. Das Startkapital war knapp.

Im Werben um Kund:innen experimentierten Meichsner und Dennerlein in den Anfängen, zum Beispiel ließen sie im benachbarten Kino einen Einspieler laufen. Als Glücksfall erwies sich der Umzug auf die gegenüberliegende Seite der Dreieichstraße vor 22 Jahren. Dort sei gefühlt so viel los „wie auf der Zeil“, sagt Meichsner.

Um die 500 Stammkund:innen tauchen inzwischen ein in die Bücherwelt hinter den Glasfronten zwischen Supermarkt und Drogerie. Man kennt sich, man tauscht auch mal Persönliches aus. „Wir sind auch Therapeuten“, sagt Meichsner. Ums bloße Verkaufen sei es ihnen nie gegangen. „Wir raten jederzeit von Büchern ab, die uns nicht gefallen“, versichert Dennerlein. Auf 49 Quadratmetern finden Kundinnen und Kunden oft auch Werke, die es woanders nicht in die Regale schaffen. Etwa im modernen Antiquariat, das vor der Buchhandlung in Rollbehältern ausgelegt ist und aus häufig noch recht neuen Büchern besteht, die aus der Preisbindung gefallen sind.

Beim Verkauf werden die Inhaber von vier Mitarbeiterinnen unterstützt, darunter Doris Antonoff. Mit Meichsner und Dennerlein sei es stets ein freundschaftliches Miteinander gewesen, „wir haben viel gelacht. Die beiden haben eine Schatzkiste an Zitaten und Sprüchen“.

In Sachsenhausen mussten in den vergangenen Jahren mehrere kleine Buchhandlungen schließen. Meichsner & Dennerlein hat sich gehalten. „Wir hatten nie Angst vor Amazon“, sagt Dennerlein. Auch E-Books gibt es bei ihnen nicht, ihre Kundschaft schätze gedrucktes Papier und individuelle Beratung. Im näheren Umkreis stellen die Inhaber Bücher auch selbst zu: Per Fahrrad mit großem Korb, der „einen Zentner“ trägt, wie Dennerlein sagt, geht’s zu Kitas oder Kund:innen in Quarantäne.

Urlaub hätten sie sich über die Jahre nur wenig gegönnt. Jetzt freuen sie sich, mehr Zeit für Städtetrips oder Museumsbesuche zu haben. In die Buchhandlung in der Dreieichstraße 59 werden Klaus Meichsner und Hanns Dennerlein weiterhin kommen. Als Kunden.

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