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Lena Sieling, 18 Jahre alt, besucht die Carl-Schurz-Schule in Sachsenhausen. Dort hat sie als Stadtteilbotschafterin politische Workshops gegeben.
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Lena Sieling, 18 Jahre alt, besucht die Carl-Schurz-Schule in Sachsenhausen. Dort hat sie als Stadtteilbotschafterin politische Workshops gegeben.

Sachsenhausen

Lena Sieling: „Jugendliche werden aus Politik rausgehalten“

  • Judith Gratza
    VonJudith Gratza
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Stadtteil-Botschafterin Lena Sieling beweist, dass junge Menschen sich nicht nur für Partys interessieren. Sie hat sich an der Carl-Schurz-Schule mit Schülerinnen und Schülern intensiv mit politischen Themen auseinandergesetzt.

Frau Sieling, Sie plädieren dafür, dass das Wahlalter auf 16 Jahre heruntergesetzt wird. Warum?

Lena Sieling: Damit Jugendliche in der Politik präsenter werden und früher am politischen Geschehen mitwirken können. Wenn man sich die Zahlen der Wählerinnen und Wähler in Deutschland anschaut, so sind das eher Rentner. Junge Leute unter 30 sind nur zur Hälfte repräsentiert. Derzeit besteht für Jugendliche ohne Wahlrecht nur die Möglichkeit, demokratischen Einfluss zu nehmen, in dem sie auf Demos gehen, Petitionen aufsetzen oder Diskussionen mit Wahlberechtigten führen.

Und warum ist es Ihrer Meinung nach so wichtig, dass junge Leute früher in der Politik mitreden?

Wir sind die Generation, die am längsten auf diesem Planeten leben wird und der es am wenigsten egal sein kann, welche politischen Entscheidungen getroffen werden, die uns in 20 bis 80 Jahren prägen werden. Aber ich habe das Gefühl, dass Jugendliche aus der Politik rausgehalten werden, weil es heißt, sie würden sich nur für Partys und Spaß haben interessieren.

Dass dem nicht so ist, haben Sie jetzt als Stadtteilbotschafterin bewiesen. Sie haben an Ihrer Schule, der Carl-Schurz-Schule in Sachsenhausen, unter dem Motto „Youth for Politics“ Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 7 drei Tage lang politische Workshops angeboten. Was war Ihre Idee dahinter?

Ich wollte die Jugendlichen genau da abholen, wo sie sind, was sie beschäftigt und genau das in der Schule thematisieren. Denn ich finde es wichtig, Jugendlichen politisches Wissen so früh wie möglich zu vermitteln und sie zu stärken, damit sie sich früh eine Meinung bilden, mitdiskutieren und politisch Einfluss nehmen können.

Und für welche Themen interessieren sich Schülerinnen und Schüler der siebten Klasse?

Das ist nicht unbedingt die Politik, die im Schulbuch steht, sondern die wir mit Freunden und Familie diskutieren oder auf Demos, an denen wir teilnehmen. Für die Workshops entschieden sich die Schülerinnen und Schüler aus einer langen Vorschlagsliste für die Themen Klimawandel/ Nachhaltigkeit, Rassismus / Diskriminierung, Massentierhalten sowie Verbrechen / Strafe.

Und wie haben Sie diese Themen in den Workshops umgesetzt?

Wir haben thematisch relevante Orte besucht, Diskussionen mit Experten geführt und Aktionen gemacht. So traf sich die Arbeitsgruppe Klimawandel mit dem Revierförster aus Oberrad, der erklärte, wie sich der Klimawandel im Stadtwald bemerkbar macht. Die Rassismusgruppe diskutierte mit der Bildungsinitiative Ferhat Unvar, die sich nach dem Anschlag in Hanau gegründet hat. Und die Teilnehmer des Workshops Massentierhaltung besuchten die Sindlinger Glückswiese, einen Gnadenhof, um etwas über artgerechte Tierhaltung zu erfahren.

Das Stipendium

Seit 2007 unterstützt die Stiftung Polytechnische Gesellschaft mit einem Stipendienprogramm junge Leute, ihre Ideen in Frankfurt umzusetzen. Bisher haben 165 Stadtteil-Botschafter:innen in 130 Projekten den Zusammenhalt in den Frankfurter Stadtteilen gestärkt.

Ende Oktober startet die Bewerbungsphase für das neue Stadtteil-Botschafter-Stipendium 2022/2023 . Anmeldeschluss ist der 15. Januar 2022. Das Stipendienjahr beginnt Ende April 2022. Nähere Informationen sind im Internet unter www.stadtteil-botschafter.de nachzulesen.

Die FR stellt in einer losen Interviewserie die aktuelle Stadtteil-Botschafter-Generation vor. 15 junge Leute im Alter zwischen 14 und 27 Jahren nehmen am Jahrgang 2020/21 teil. dit

Wer hat Ihnen bei der Umsetzung geholfen?

Ich habe die Projektleitung gemeinsam mit Paul Linder, Schüler der Freiherr-vom-Stein-Schule, gemacht. Er war kein offizieller Stadtteilbotschafter, aber er hat mit mir gemeinsam das Projekt konzipiert, die Planung geleitet und durchgeführt. Zusätzlich hat mir ein Team aus Lehrer:innen und Schüler:innen geholfen.

Wie kam Ihr Projekt bei den Jugendlichen an?

Das Feedback war überwiegend positiv. Pro Einheit nahmen 30 Schülerinnen und Schüler teil. Besonders gut kamen die Runden mit den Experten und die Ausflüge an. Eine große Mehrheit kann sich vorstellen, sich längerfristig mit den Themen zu beschäftigen. Die Jugendlichen gaben an, sich jetzt besser in die Situation von Diskriminierten einfühlen zu können und die Ursache und Wirkung von Klimawandel besser zu verstehen. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden gab an, dass das Thema Massentierhaltung Einfluss auf ihren Konsum hatte.

Welche Erfahrungen ziehen Sie persönlich aus dem Projekt?

Ich gehe mit einem sehr positiven Gefühl raus. Es war auch anstrengend, da ich die halben Sommerferien für Vorbereitung gebraucht habe. Aber es hat sich gelohnt, für die Teilnehmer und das Organisationsteam. Wir haben viel gelernt.

War das eine einmalige Sache an Ihrer Schule?

Bei einem Evaluationstreffen kam der Anstoß, das Projekt langfristig an der Schule zu etablieren. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das klappt. Dazu braucht es Leute, die das organisieren. Ich mache im Frühjahr mein Abitur. Außerdem mache ich über die Schülervertretung bereits in einem Anti-Rassismus-Ausschuss mit.

Wie geht es mit Ihnen nach der Schule weiter?

Ich werde versuchen, mich bei politischen Organisationen zu bewerben, um an meinen Themen Nachhaltigkeit und Diskriminierung dranzubleiben.

Interview: Judith Gratza

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