+
Karin Wagner ist Geschäftsführerin und Programmleiterin der Kulturbühne „Fabrik Sachsenhausen“ im Mittleren Hasenpfad 5.

Sachsenhausen

Tage der Industriekultur in Frankfurt-Sachsenhausen enden

  • schließen

In der „Fabrik“ enden Mitte August die Tage der Industriekultur mit einem Sommerfest.  

Empfindliche Nasen können die Spuren der Vergangenheit noch erschnuppern. 2004 hat die Peter Paul und Emmy Wagner-Heinz-Stiftung in der alten Sachsenhäuser Mineralölfabrik am Mittleren Hasenpfad ein Kulturzentrum eingerichtet. Im Gewölbekeller duftet es noch ein bisschen. Das stört aber kaum beim Blick auf das vielfältige Programm aus Jazz, Weltmusik, Chanson, Literatur, Dialog und Debatten. Eher stehen die Säulen dem ungetrübten Kulturgenuss ein bisschen im Weg.

Lauschig ist es auch vor dem schmucken Industriedenkmal. Auf dem Hof sitzt es sich ganz gemütlich. Mit Blick auf Kopfsteinpflaster, altes Gemäuer, einen kleinen Schornstein. Etwa beim nahenden Sommerfest, am Sonntag, 11. August. Klezmer- und Balkanmusik erklingen da, ein Zauberer tritt auf, Poeten messen sich beim Gedichte-Wettstreit. Im Keller tritt das mehrfach prämierte Jazz-Quintett Count Spacey auf.

Das Programm verantwortet seit März 2017 Karin Wagner. Fabrik und künstlerische Leiterin haben etwas gemeinsam: Beide sind in den Kulturbereich eher reingerutscht.

Die 60-Jährige aus dem Saarland ist für das Biologie-Studium nach Frankfurt gezogen. Dort hat sie ihren Mann kennengelernt. Als der in die Heimat zurück will, in den Rodgau, geht sie mit. Unter einer Bedingung: Sie mag in der Peripherie „nicht vor dem Fernseher versauern“ müssen. So entdeckt sie die Kulturinitiative Maximal. Heute ist sie dort Vorsitzende. Seit 2006 sitzt sie für die Grünen im Rodgauer Stadtparlament, seit 2011 ist sie Kreistagsabgeordnete in Offenbach. Außerdem passionierte Alltagsradlerin, Freizeit-Imkerin, Mitglied beim Naturschutzbund. Und Programmplanerin in Frankfurt. 22 Stunden die Woche.

Das Sommerfest der Fabrik am Sonntag, 11. August, ist der offizielle Abschluss der Veranstaltungsreihe „Tage der Industriekultur“. Die Kultureinrichtung präsentiert ab 14.30 Uhr einen Querschnitt ihres Programms. Der Eintritt ist frei.

Immerhin hat sie ihr Beruf auf die Arbeit vorbereitet. Als Redakteurin für Monatsblätter hat sie Themen und Texte geplant, langfristig vorbereitet. Genau das macht sie nun auch für die Fabrik. Planen. „Ich bin relativ gut organisiert“, sagt sie. Etwa 100 Plätze bietet der Keller der Fabrik, ist also eher eine „kleine Bühne“. Aber gerade in diesem Segment ist der Markt zusammengerückt, hat sie beobachtet. Immer weniger Bühnen stehen den Künstlern zur Verfügung. „Wir bekommen mehr Bewerbungen.“

Frankfurt ist auch ein attraktiver Spielort, wegen des Flughafens. Viele internationale Gruppen beginnen oder beenden hier ihre Tournee, manche gastieren zu der Gelegenheit gleich mal in der Fabrik. Allerdings ist das kulturelle Angebot der Stadt recht groß. Da ist es gar nicht so einfach, selbst die 100 Leute in den Saal zu bekommen. Wagner achtet darauf, dem Publikum eine interessante Mischung zu bieten. Es sollten Musiker sein, die eigene Sachen machen, komponieren, texten, die neue Ideen entwickeln, keine Coverbands. Und es braucht eine Mischung aus etablierten Künstlern und Newcomern, regionalen und internationalen. Puh, zum Glück steht Wagner nicht alleine da. Sie hat ein kleines Programmteam um sich herum. Klaus Metz kümmert sich um den Jazz, hat auch die Session an jedem ersten Montag im Monat ins Leben gerufen. Werner Heinz ist für Text-Geschichten zuständig, den Debattierclub „Club Citoyen“ oder die Gesprächsreihe „Denkfabrik“. Anke Kluß macht die Flyer, Jacqueline Kienle das Kinderprogramm.

Eine aktive Musikszene gebe es im Rhein-Main-Gebiet sehr wohl, sagt Wagner. Auch wenn man sie vielleicht nicht so sehr spüre. Das können die Besucher der Fabrik bezeugen. Die kommen aus Frankfurt und Umgebung. „Aus allen Orten, die an der S-Bahn liegen.“ Die Fabrik ist gar nicht so sehr ein Nachbarschaftszentrum. Sie liegt doch recht versteckt hinter dem Südbahnhof, zwischen Mörfelder Landstraße und Großem Hasenpfad. „Die Bahnlinie bildet eine Schranke zu Sachenhausen“, bedauert Wagner. Vielleicht hilft aber das Sommerfest, sie ein wenig zu lupfen.

Die Fabrik, Mittlerer Hasenpfad 5. Telefon 60 50 44 29. Bands, die in der Kulturstätte auftreten wollen, können sich per Mail bewerben. Die Adresse: booking@die-fabrik-frankfurt.de; www.die-fabrik-frankfurt.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare