Natur

Keine Angst vor kleinen Krabblern

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Beim „Themen-Tag Insektenvielfalt“ des Stadtwaldhauses  bekommen die Besucher hautnah vorgeführt, wie wichtig die kleinen Lebewesen  sind.

Ein giftgrüner Körper mit sechs Beinen, dünn wie Streichhölzer, tastet Soeys Unterarm entlang. Das siebenjährige Mädchen hält ganz still und schaut fasziniert zu, wie sich die Riesengespenstschrecke voran schiebt.

Beim „Thementag Insektenvielfalt“ des Stadtwaldhauses am Sonntag bekommen die Besucher hautnah vorgeführt, wie wichtig die kleinen Lebewesen für die Natur sind. Egal, ob Fauchschabe, Stab- oder Gespenstschrecke: Wenn die Helferinnen, die Tiere aus ihren Terrarien holen, beobachten die Besucher zunächst einmal distanziert, wer da näher kommt. „Ist die gefährlich?“, will Soey wissen, ehe sie eine Stabheuschrecke, auf den Arm gesetzt bekommt. Das mehrere Zentimeter lange Tier ähnelt in Form und Farbe einem schmalen, dunkelbraunen Ast. Nein, gefährlich sei die Heuschrecke nicht. Anders sieht das bei einer Vogelspinne oder Skorpionen aus, die Besucher ebenfalls, unter Aufsicht von Experten, berühren dürfen. Über Wildbienen und Ameisen erfahren sie mehr und können sich unter Mikroskopen Exponate von Kleinstlebewesen anschauen.

Lena Heinstadt, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Stadtwaldhaus absolviert, sagt: „Viele Stadtkinder haben wenig Kontakt zu Tieren und teilweise Angst“. Diese Furcht vor „Ekel-Tieren“ wollten die Initiatoren den Besuchern mit dem Thementag nehmen, fügt ihre Kollegin Rosa-Lena Allendorf hinzu. Um die Tiere nicht zu überfordern, die teils im süddeutschen oder im Mittelmeerraum – wie die Stabheuschrecke – teils in Südamerika und Australien einheimisch und Leihgaben von Zoos und Sammler seien, würden sie nur im Viertelstundentakt aus ihren Terrarien gelassen. An die Besucher hätten sie sich schon gewöhnt, sagt Rainer Berg, Leiter des Stadtwaldhauses. Die Fauchschaben etwa, die normalerweise Geräusche machten, wenn man sie berühre, würden teils gar nicht mehr gereizt reagieren.

Berg will mit dem Thementag, als Teil des Programms „Entdecken, Forschen und Lernen im Frankfurter Grüngürtel“ vom Umwelt- und Bildungsdezernat, zeigen, wie wichtig Insekten seien, die als Nahrungsquelle für Vögel dienten. Auch die Frage eines Besuchers, wofür Stechmücken gut seien, kann Berg so beantworten. „Eine Wasserfledermaus frisst 3000 bis 4000 Stechmücken pro Nacht“, sagt er.

Es sei nicht besonders gut um die Insektenwelt bestellt. Dabei könne jeder mit einem Garten oder Balkon Lebensraum schaffen oder auch durch sein Konsumverhalten gegen das Insektensterben vorgehen. Die Nisthilfen für Bienen hätten die Besucher bereitwillig mit nach Hause genommen. Der neunjährige Raban, einer der jüngsten Helfer im Stadtwaldhaus, informiert über Bienen, zeigt wo das Stadtwaldhaus seine echten Bienen hinter dem Haus hält und erklärt, wie Honig geschleudert wird.

Besucherin Caroline Wiedekind berichtet, sie würde sich mit ihrer Tochter Soey durch den Garten der Familie viel mit Flora und Fauna beschäftigen. „Es ist wichtig, dass keine Kinder Angst vor Tieren haben“, sagt die 36-Jährige. „Ein bisschen gepiekt“ habe es, als die Heuschrecke über ihren Arm gelaufen sei, berichtet Soey. Die Tiere auf die Hand zu nehmen, hätte ihr aber am meisten Freude bereitet.

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