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Kein Schutz vor Starkregen für Alt-Sachsenhausen

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Bernd Karges vom Hotel Hübler im Heizungskeller, der vergangenen Sommer wegen des Starkregens vollgelaufen war.
Bernd Karges vom Hotel Hübler im Heizungskeller, der vergangenen Sommer wegen des Starkregens vollgelaufen war. © Rainer Rüffer

Der Stadt Frankfurt fehlt Geld, um die Häuser im Ausgehviertel mit einem neuen Kanal vor Überflutungen zu sichern. Eigentümer und Eigentümerinnen sollen ihre Keller abdichten.

Weil die Keller in der Großen Rittergasse und Paradiesgasse seit Jahren immer öfter bei heftigem Regen volllaufen, hatten die Hausbesitzer:innen mobil gemacht und die Stadt gebeten, aktiv zu werden. Die Kanäle unter dem alten Kopfsteinpflaster sind nicht groß genug, um so viel Wasser zu fassen und vor allem tiefer abzuleiten in Richtung Main. Ein Abfluss durch die Kaimauer am Deutschherrnufer müsste gelegt werden, so die Idee der Anwohnenden.

Diese Hoffnung wurde aber enttäuscht. Bei einem Termin der Stadtentwässerung und dem Amt für Straßenbau und Erschließung wurde klar, dass ein solcher Zusatzkanal aus Kostengründen nicht gebaut werden kann. In einer aktuellen Stellungnahme erklärt der Magistrat dem Ortsbeirat, warum die Stadt den Anwohnenden nicht helfen kann. Das Gremium hatte angemahnt, dass Handlungsbedarf bestehe. Wegen des Klimawandels sei künftige häufiger mit Starkregen zu rechnen.

Die Kanalisation in Alt-Sachsenhausen sei ausreichend dimensioniert, hält die Stadt in ihrer Stellungnahme fest. „Sie ist und wird aus technischen und wirtschaftlichen Gründen jedoch nicht dafür ausgelegt, Sturzfluten in Folge außergewöhnlicher Starkregen abzuleiten.“ Die neue Starkregengefahrenkarte der Stadt bestätige indes mehrere historisch entstandene Tiefpunkte im Straßenverlauf Paradiesgasse – Große Rittergasse. Die durch die dichte Bebauung und Versiegelung anfallenden Wassermassen können „von dort nicht oberflächig abgeleitet werden“.

Große Ableitungsrohre zum Main wären aber extrem aufwendig und unverhältnismäßig kostenintensiv. „Gemäß Rücksprache mit der Stadt Offenbach wird dort kein Entlastungskanal für Starkregen-Sturzfluten geplant, sondern eine übliche Mischwasser-Entlastung.“ Ebenfalls festgestellt wurde bei dem Termin, dass die meisten Kellerüberflutungen auf den Grundwasseranstieg bei Starkregen zurückzuführen seien. „Der Aufstau drückt über defekte Anschluss- und Grundleitungen das Wasser in den sandigen Boden und so durch Kellerwände und -böden.“ Das könne seitens der Stadt jedoch nicht verhindert werden. Dort seien die Eigentümer:innen gefragt, die historischen Keller und Grundstücksentwässerungsanlagen für die heutigen Nutzungen abzudichten.

Im vergangenen Jahr gab es im Juni zweimal Starkregen, zuvor einmal im Mai, der jeweils Alt-Sachsenhausen unter Wasser setzte. Sämtliche Keller entlang der Großen Rittergasse und der Paradiesgasse waren vollgelaufen. Betroffen war auch das Hotel Hübler in der Großen Rittergasse. Der Hotelkeller stand dreimal im Jahr 2021 voll Wasser. Eine Mietwohnung im Erdgeschoss des Hauses gegenüber, das dem Familienunternehmen gehört, war überflutet, im Heizungskeller stand hüfthoch das Wasser. Das Wasser sickerte durch die Wände.

Für Inhaberin Sandra Hübler klangen die Argumente der Stadt zwar plausibel – „aber irgendwas muss hier schon geschehen, wenn das in Zukunft öfter passiert“, sagt sie. „Bis dahin heißt es Pumpen bereithalten und eine Versicherung abschließen.“ Sie selbst hat schon vor längerer Zeit eine Elementarversicherung abgeschlossen. Diese hätten aber nur die Wenigsten in Alt-Sachsenhausen. (Steffie Wehr)

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