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Modedesignerin Angelika Platte (l.) zeigt stolz ihr Werk.

Die Veteranin

Kein Kitsch

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Angelika Platte mit ihrem Label „Chichino“ legt Wert auf Soziales. 

Wenn es eine Veteranin des Stilblüten-Festivals gibt, dann ist es Angelika Platte: Schon seit zehn Jahren ist sie mit ihrem Label „Chichino“ dabei. Der Name bedeutet „Mode ohne Kitsch“.

Man sieht es ihrer Kollektion an. Dem Mantel etwa, den Platte als „Keypiece“ bezeichnet: Keine Rüschen, keine funkelnden Steine. Dafür gedeckte Farben wie Altrosa, abgedunkeltes Orange, Bordeauxrot und gräuliches Weiß. Für Platte ein „ausdrucksstarker Stoff“ im Stil der Kirschblüte, den sie nur mit schlichten Teilen kombinieren würde. Überhaupt sind ihre Kollektionen von „schlichten, urbanen Schnitten“ geprägt.

2008, zu ihrem 50. Geburtstag, hat sie ihr eigenes Atelier in Wiesbaden eröffnet. Vorher arbeitete sie jahrzehntelang im Kommunikationsdesign, ihrem Studienfach – womit sie zunehmend unzufrieden war: „Mir fehlte der Kontakt zu den Menschen, den ich sehr mag.“

Heute beschäftigt sie drei Mitarbeiterinnen: Zwei Schneiderinnen und eine Direktrice, die ihr bei der Umsetzung ihrer Entwürfe hilft. „Wir sind ein ganz sozial aufgestelltes Unternehmen“, sagt Platte.

Ende April haben Platte und ihr Team ein Video veröffentlicht, mit dem sie erstmals an der Fashion Revolution Week teilgenommen haben. Die weltweite Initiative hat sich nach dem Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch mit über 1000 Toten gegründet und stellt die Frage: „Who made my clothes?“ (engl.: Wer hat meine Kleidung hergestellt?).

Auch während des Stilblüten-Festivals trägt Platte ein Shirt mit dieser Aufschrift. Ihre Kritik an der globalen Textilindustrie ist lang: Umweltzerstörung, ausbeuterische Arbeitsbedingungen und kurzlebige Kollektionen, deren T-Shirts „oft im Müll“ landeten.

Ihr eigenes Produktionsmodell sieht sie als eine Alternative dazu: „Es ist einfach sinnvoll, langlebige Mode vor Ort zu produzieren!“

Dass sich beispielsweise Studierende ihre hochpreisigen, maßkonfektionierten Kleidungsstücke nicht immer leisten können, ist Platte bewusst. Dafür, so Platte, müsse ihre Mode seltener nachgekauft werden. Und falls doch mal eine Naht aufgehen sollte, bietet sie eine kostenlose Reparatur an.

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