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1922 holte der Club den Schwedenpokal. Die Rückkehrer fuhren im Triumphzug durch die Stadt.

FFC Germania

Älter als die Eintracht - Ein Frankfurter Club als Keimzelle des Fußballs

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Der FFC Germania ist der älteste Club der Stadt und feiert 125-jähriges Bestehen. Doch die Zukunft der Spielstätte ist ungewiss. 

Es muss ein pompöser Empfang im Jahr 1922 gewesen sein, der die Spieler der Germania bei ihrer Rückkehr aus Schweden erwartete. Der Fußballverein hatte 1922 auf der dreiwöchigen Reise alle Spiele gegen schwedische Spitzenmannschaften gewonnen, König Gustav V. höchstpersönlich überreichte den silbernen Pokal. Zurück in Frankfurt warteten eine Musikkapelle und zehn Kutschen, die die Sieger durch die ganze Stadt zu ihrem Klubhaus im Sandweg brachte. Damals gehörte der FFC Germania, wie der Verein noch hieß, als Fußballabteilung zum Frankfurter Turnverein (FTV 1860), in der Nähe des Zoos.

Doch nach dem zweiten Weltkrieg war das wertvolle Stück verschwunden. Niemand wusste, wo der Pokal geblieben war, erzählt Archivar und Ältestenrats-Vorsitzender Rüdiger Schott. Der 79-Jährige forscht schon lange nach der Geschichte des Traditionsvereins, durchforstet Archive und sammelt Zeitungsausschnitte. Er war es auch, der den Pokal 1994 wiederholte. Und wo war er? „Ich habe ihn nur unter der Auflage bekommen, dass ich niemals erzähle, wer ihn mir gegeben hat.“ In einer Plastiktüte fand er zurück zum Verein. Heute steht er als Dauerleihgabe im DFB-Museum in Dortmund.

Frankfurts ältester Verein hatte wohl Pionierrolle

Der Gewinn des Schwedenpokals, heute vergleichbar mit dem Pokalsieg der Eintracht, war einer der größten Erfolge in der 125-jährigen Vereinsgeschichte. Heuer feiert die Germania, die inzwischen an den Mainwasen am östlichen Ende von Sachsenhausen trainiert, großes Jubiläum. Manch einer schreibt dem Verein eine Pionierrolle zu, weil zwei seiner Vorstandsmitglieder an der Gründung des Verbands Süddeutscher Fußball-Vereine (VSFV) 1897 beteiligt waren. Auch bei der Gründung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) 1900, sowie des Frankfurter Association Bundes wirkten Vorstandsmitglieder der Germania mit.

Germania ist Frankfurts erster und ältester Fußballverein, „älter als die Eintracht“, sagt Schott. Die Germania gelte ja als Keimzelle aller nachfolgenden Fußball-Vereine unserer Stadt, sagt Schott, der selbst als Junge dort gekickt hat. Denn einige Mitglieder, die unzufrieden waren, weil sie nicht genügend zum Einsatz kamen, gründeten gegen Ende des 19. Jahrhunderts andere Vereine, aus denen wiederum die Eintracht und der FSV Frankfurt hervorgingen.

Archivar Rüdiger Schott hat den verloren gegangenen Pokal wieder aufgespürt. Heute steht er im DFB-Museum in Dortmund.

Im Gegensatz zur SGE liegen die glorreichen Zeiten der Germania 94 schon eine Weile zurück. Vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts bis Mitte der 20er Jahre feierte der Verein seine erfolgreichste Zeit. In den Jahren 1902 und 1904 wurde man Süddeutscher Vizemeister jeweils hinter dem Karlsruher FV. Zweimal war der Club Meister des Mainbezirks, 1922 besiegte die Germania bei einem Entscheidungsspiel um die Nordmainkreismeisterschaft die Eintracht mit 4:1 vor rund 16 000 Zuschauern, „was zu dieser Zeit extrem viele waren“, sagt Schott. In diesen Tagen spielte und gewann die Germania gegen Europäische Spitzenmannschaften wie WAC Wien, Young Boys Bern, MTK Budapest oder Galatasaray Istanbul, damals Konstantinopel.

Einige bekannte und talentierte Spieler hat der Verein auch hervorgebracht. Fritz Becker, ehemaliger Jugendspieler der Germania, erzielte etwa in Basel 1908 zwei Tore für Deutschland darunter das erste Länderspieltor in der deutschen Fußballgeschichte. Allerdings war Becker da schon bei den Frankfurter Kickers, der späteren Eintracht.

„Über Nacht heimatlos“

Die Anfänge der Germania lagen auf der sogenannten Hundswiese einer Grünfläche an der Eschersheimer Landstraße, Ecke Miquelallee. Um den steigenden Zuschauerzahlen und dem wachsenden Verein Rechnung zu tragen, pachtete der Verein dahinter eine Wiese von der Stadt und errichtete 1906 den ersten eingezäunten Fußballplatz Frankfurts. Doch schon sieben Jahre später musste man die Fläche aufgeben, weil die Stadt dort Wohnungen bauen wollte. „Wir wurden über Nacht heimatlos“, sagt Schott. Der Club zog zum FTV an die Sandhöfer Wiesen, wo er bis 1954 blieb.

Seitdem die Germania an der Gerbermühlstraße ihren Sitz hat, geht es abwärts, sagt Schott. Viele Spieler wechselten zu anderen Vereinen. Die Anbindung raus in die Pampa sei schon immer schlecht gewesen. Von der Landesliga sackte die Germania immer weiter ab und pendelt seitdem mit einigen Ausreißern zwischen der Kreisliga A und B. Gerne würde der Verein mit seinen mehr als 400 Mitgliedern wieder aufsteigen. „Von Tradition allein kann man nicht leben“, sagt Schott. Alte Mitglieder sterben weg, aber immerhin kommen junge nach, 14 Junioren- und vier Seniorenmannschaften trainieren bei der Germania.

Nun steht die Spielstätte des Vereins, die er sich mit der SV 1894 Sachsenhausen teilt, wieder auf dem Prüfstand. Denn die Stadt sucht einen neuen Standort für die Europäische Schule und hat die Sportanlage der Germania, die gegenüber der EZB liegt, im Blick. Schott ist aber nicht bange. „Die Stadt muss eine Lösung finden, unser Pachtvertrag geht noch Jahrzehnte.“

Die Feier

Das Jubiläum des VfL Germania wird am 15. und 16. Juni auf der Sportanlage, Gerbermühlstraße 110, gefeiert. Am Samstag gibt es ab 11 Uhr Spiel-stationen für Kinder und Jugendliche wie eine Torschussanlage. Die D- und B-Jugend trägt kleine Turniere aus. Ab 18 Uhr gibt es Musikauftritte und einen DJ. Der Sonntag beginnt ab 11 Uhr mit einem Frühschoppen , anschließend können Karten und Schach gespielt werden. www.germania1894.de 

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