Yasuhito Kato, Juri Minich und Tsubasa Saito (v.li.) verkaufen Kakigori.  
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Yasuhito Kato, Juri Minich und Tsubasa Saito (v.li.) verkaufen Kakigori.  

Sachsenhausen

Japanisches Schnee-Eis gibt es jetzt auch in Frankfurt

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Unweit des Sachsenhäuser Mainufers kann man seit wenigen Wochen die traditionelle japanische Eisspeise Kakigori entdecken. Mit einer speziellen Maschine wird das Eis am Foodtruck in hauchdünne Flocken geschabt.

Das Gefühl im Mund erinnert zunächst an die Kindheit, als man nicht widerstehen konnte und zumindest einmal Schnee probiert hat. Doch es gibt diesen einen entscheidenden Unterschied: Diesmal schmeckt es, wenn man es isst. Und zwar nach Erdbeer oder Matcha (Grüntee) oder auch Holunder. Das japanische Schnee-Eis ist in Japan seit vielen Generationen eine beliebte Speise und heißt Kakigori. Seit wenigen Wochen gibt es Kakigori auch in Frankfurt.

„In Europa kennt man dieses japanische Speiseeis kaum. Erst vor zwei Jahren eröffnete in Berlin der erste Laden in Europa, der Kakigori verkauft. Wir wollten Schnee-Eis auch in Frankfurt bekannt machen“, erzählt Yasuhito Kato, einer der drei Geschäftsführer von Tokyo Yatai. Yatai ist das japanische Wort für Imbisswagen.

Der 35-Jährige steht vor dem selbst gebauten Holz-Foodtruck unweit des Sachsenhäuser Mainufers und Walther-von-Cronberg-Platzes am Deutschherrnufer. Immer, wenn sie öffnen, müssen sie erst mal ihren Foodtruck vom knapp zwei Kilometer entfernten Stellplatz zu Fuß und per Muskelkraft herschieben, weil ihnen noch der passende Anhänger fürs Auto fehlt. „Ein gutes Workout“, sagt Katos Kollege Tsubasa Saito (32) und lacht. Er trägt wie Kato ein Happi, eine traditionelle japanische Jacke.

Tsubasa Saito trägt auch noch eine japanische Katzenmaske. Kato und Saito sind beide in Tokio geboren und aufgewachsen. „In Japan gibt es sogar Kakigori-Feste“, erzählt Kato. Die Firma haben er und Saito bereits vergangenen Sommer gegründet. Der Deutsche im Kakigori-Trio ist der 31-jährige Juri Minich, der nun neu dazugekommen ist. Er lernte die beiden über seine japanische Frau kennen, die in Japan mit Saito Germanistik studiert hatte. „Eigentlich wollten wir in diesem Jahr bei Festen mit unseren Foodtruck Kakigori verkaufen, aber wegen der Corona-Krise fallen alle Events wie das Main Matsuri, wo wir vergangenes Jahr waren, aus. Also mussten wir umdenken“, sagt Minich, der im Hauptjob als Schadenregulierer arbeitet.

Der Eistruck

Tokyo Yatai steht am Deutschherrnufer 46 in Sachsenhausen. Die Öffnungszeiten sind: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 14.30 bis 19 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage v on 12.30 bis 19 Uhr. Nur ab 20 Grad und gutem Wetter wird verkauft.

Die Probiergröße kostet 2 Euro. Becher kosten zwischen 4 und 6,80 Euro. Weer Tokyo Yatai auf Instagram folgt bekommt bis Ende Juni einen Euro Rabatt auf einen Becher bei jedem Besuch. https://www.instagram.com/tokyo_yatai/

Alle weiteren Infos auf : http://tokyo-yatai.com

Alle drei machen das nebenberuflich. Kato und Saito arbeiten beide für ein japanisches Reisebüro. „Da wir aber beide jetzt in Kurzarbeit sind und weniger Stunden arbeiten, kam uns die Idee, den Foodtruck an einem festen Standort in Sachsenhausen zu eröffnen“, sagt Saito. Minich erzählt: „Viele Gäste sind oft erst erschrocken, weil der reguläre Becher ab vier Euro kostet. Sie denken: ‚Vier Euro, das ist aber viel für Wassereis.‘ Aber Kakigori ist kein Wassereis, das man am Kiosk kauft“, betont Kato.

In einer speziellen Kakigori-Maschine spannt Kato den Eisblock zunächst ein. Dann dreht er an einer Kurbel, so dass die Klinge Eisstücke abschabt, die wie Schneeflocken aussehen. Kaki heiße übersetzt „geschabt“, Gori bedeute Eis, also geschabtes Eis. „Wichtig ist, dass der Eisblock ganz klar und glänzend ist“, so Kato. Diese spezielle Technik dauere für einen Liter Eis zwei Tage. Zuhause bereite er das Eis vor. „Die Klarheit erreiche ich durch das Extrahieren aller anderen Gase aus dem Wasser. Das ist auch wichtig für den Geschmack in Kombination mit unseren hausgemachten Soßen“, sagt Kato. Die hausgemachten Soßen gehörten zur dritten Generation des Kakigoris. „Als ich Kind war, war Kakigori mehr wie ein Slush-Eis, mit künstlichen Aromen und Farbstoffen“, erzählt er.

Wenn viel los ist, benutzt er auch noch eine elektronisch betriebene Kakigori-Maschine. Zum Eis mischt Kato in verschiedenen Schichten dann Kondensmilch und die selbst hergestellten Soßen. Der Soßenexperte ist Saito. „Die Erdbeersoße ist aus regionalen Früchten. Und als Überraschungsgeschmack mischen wir beim Erdbeer-Becher auch noch Vanillepudding hinzu“, sagt Minich. Beim Matcha-Eis komme statt Pudding die asiatische süße Rote-Bohnen-Paste (Adzukibohnenpaste) hinzu. Das Holundereis bestehe aus Holundersirup und ein bisschen Ananassaft - aber ohne Kondensmilch. „Normalerweise mischen wir noch Zitronenjoghurt zum Holundereis, der kann aber auch auf Wunsch weggelassen werden. Wie auch bei allen anderen Sorten die Kondensmilch oder andere Komponenten weggelassen werden können“, betont Minich.

Vielleicht eröffneten sie in Zukunft noch einen echten Salon, in dem sie mehr Sorten anbieten könnten. Aber erst mal sei der Foodtruck ihr Verkaufsort. Und wie kommt das Kakigori in Frankfurt an? „Am Vatertag waren so viele Menschen da, dass wir irgendwann keine Löffel mehr hatten und so kein Kakigori mehr verkaufen konnten“, erzählt Minich. Denn Kakigori kann man schlecht schlecken, es wird in Einweg-Bechern serviert, weil es so groß wie ein Eisbecher ist. Beim Erdbeer-Becher gibt es zwei Größen: Standard (4 Euro) und groß (6,80 Euro).

„Den meisten Deutschen ist die große Größe zu mächtig“, sagt Minich. Sein Kollege Saito lacht und sagt: „Ich habe oft in Tokio gesehen, wie japanische Schulmädchen zwei große Portionen Erdbeer-Kakigori locker hintereinander weggelöffelt haben.“

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