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Idyllischer, aber verdreckter Fleck

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Christdemokratin Anita Akmadža fordert, dass die historischen Bauwerke gereinigt werden und über deren Geschichte vor Ort informiert wird.
Christdemokratin Anita Akmadža fordert, dass die historischen Bauwerke gereinigt werden und über deren Geschichte vor Ort informiert wird. © Michael Faust

CDU im Ortsbeirat 7 will die historische Mauer mit Aussichtspunkt an der Offenbacher Landstraße reinigen und aufwerten lassen. Künftig soll dort auch über die Geschichte des Ortes informiert werden.

Wer auf der Offenbacher Landstraße stadtauswärts fährt, der passiert unweit vom Wendelsplatz eine mächtige Mauer auf seiner Rechten. Eine denkmalgeschützte Befestigung mit zwei Gesichtern: nach unten ein schroffes Bollwerk, nach oben hin ein lauschiger Aussichtspunkt. Was an dem fast romantisch anmutenden Aussichtstürmchen liegt, das zumindest bei schönem Wetter zum Verweilen einlädt – wäre das Areal nicht immer wieder vermüllt und mit Graffiti beschmiert.

Ein Umstand, der jetzt den Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) auf den Plan ruft. So fordert Anita Akmadža von der CDU in einem Antrag den Magistrat auf, den Müll zu beseitigen, das Mauerwerk zu reinigen, den eingelassenen Brunnen aufzuwerten und dabei auch seinen geschichtlichen Kontext zu erläutern. „Anlieger berichten von einer erheblichen Vermüllung des Areals zwischen der Offenbacher Landstraße und dem Hühnerweg“, erklärt Akmadža. „Darüber hinaus wird das Mauerwerk durch Schmierereien verunstaltet.“

Der Antrag wurde in der jüngsten Sitzung verschoben, da die Grünen noch Änderungen vorschlagen. „Es geht um zwei bis vier Parkplätze, die den Zuweg zur Terrasse und dem Aussichtsturm verstellen“, sagt ihr Sprecher Reinhard Klapproth. Akmadža sieht den Punkt skeptisch, möchte sich besagte Stelle aber nochmals anschauen. Zur Frage, wie sie sich die Aufwertung vorstellt, erklärt sie: „Natürlich durch mehr Grün und Sauberkeit.“ Und dadurch, dass die Historie vor Ort erfahrbar wird.

Die Geschichte der Mauer ist jünger, als es auf den ersten Blick scheint. Denn natürlich ist sie keine jahrhundertealte Bastion gegen feindliches Umland, sondern ein schützendes Bauwerk der Gründerzeit und des frühen Jugendstils, das bis 1907 errichtet wurde, um die Offenbacher Landstraße zu verbreitern und den Höhenunterschied zum Hühnerweg abzufangen.

„Die Formen der Mauer, des Pavillons und der brunnenartigen Eintiefung fußen auf Formen des Barock und der Romanik“, erklärt Gerrit Heidenfelder vom Denkmalamt. Da aber auch Einflüsse und Abwandlungen des Jugendstils vorliegen, könne man von Manierismus oder „manieriertem Historismus“ sprechen.

Älter ist der Brunnen, der durch eine Beschriftung auf der Sandsteinsäule als Quirinsbrunnen erkennbar ist und früher zur gleichnamigen Pforte gehörte. Sie stand einst vor dem Affentor und wurde 1552 niedergelegt. Der Quirinsbrunnen wurde 1790 als klassizistischer Pumpbrunnen an der Landstraße nach Offenbach aufgestellt.

Zu den Müll-Hotspots in Sachsenhausen gehört die Mauer mit dem Turm nach Einschätzung von FES-Sprecher Stefan Röttele indes nicht: „Ein vermehrtes Müllaufkommen konnte hier in den vergangenen Wochen nicht beobachtet werden.“

Ein Raum in der Plattform wird derzeit von der DLRG genutzt. Da dieser feucht ist, könnten dort nur alte Bänke und Akten in wasserdichten Kisten gelagert werden, sagt Matthias Schreck vom DLRG.

Ein Raum in der Plattform an der Offenbacher Landstraße wird von der DLRG genutzt. Da er feucht ist, können dort allenfalls Dinge gelagert werden.
Ein Raum in der Plattform an der Offenbacher Landstraße wird von der DLRG genutzt. Da er feucht ist, können dort allenfalls Dinge gelagert werden. © Michael Faust

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