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Hochpreisig: Friseur Michael Müller.

Aufgezeichnet

Gegen das schlechte Image

Leider ist das Image des Friseurs überwiegend schlecht. Da tragen auch die Medien ihren Teil bei, sagt Michael Müller.

Michael Müller ist seit 22 Jahren Inhaber seines eigenen Friseursalons im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. Seit anderthalb Jahren führt er seinen Luxus-Salon allein, ohne Angestellte – aus ganz konkreten Gründen.

„Es war immer schon schwer, tolle Mitarbeiter zu finden. Das liegt meiner Meinung nach am Bildungsnotstand in dieser unterhaltungsorientierten Gesellschaft. Die meisten bringen mir einfach zu wenig Qualifizierung und Wille mit. Wille, mehr aus dem Leben herauszuholen, Erfolg zu haben, Karriere zu machen. Die meisten in der Branche geben sich mit zu wenig zufrieden – selbst dran schuld, sage ich da, wenn die Bezahlung nicht stimmt!

Meine Mitarbeiter habe ich nach dem Leistungslohnprinzip bezahlt. Eine 23-jährige Gesellin zum Beispiel mit knapp sechs Jahren Berufserfahrung ist mit 3200 Euro netto hier rausgegangen. Da mag der eine oder andere sagen: Das ist nicht gerechtfertigt. Finde ich schon, denn eine Friseurin in meinem Salon muss auch das Leben führen können, das ihre Kunden führen, und nicht abends eine Currywurst essen müssen, während die Kundin vom guten Champagner gegenüber erzählt.

Doch leider ist das Image des Friseurs überwiegend schlecht. Da tragen auch die Medien ihren Teil bei. Und so interessieren sich vor allem Menschen mit niedrigem Schulabschluss und ohne berufliche Ambitionen für den Friseurberuf. Solange morgens niemand aufsteht und sagt: Ich will Geld verdienen, Karriere machen und in einem angesehenen, anspruchsvollen Beruf arbeiten, Mensch, dann werde ich doch Friseur, wird sich nichts ändern! Unsere Branche darf nicht mehr das Auffangbecken für den Bodensatz der Gesellschaft sein. Das Image muss sich von oben ändern, indem das System von unten erneuert wird, etwa mit einem dualen Studium, bei dem die Zugangsvoraussetzungen höher sind. Dann würde direkt eine andere Schicht angesprochen, eine, die erfolgsorientiert ist. Dann würde man Friseur und Niedriglohnsektor nicht mehr in

einem Satz erwähnen.“

Aufgezeichnet von Carolin Hasenauer

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