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Das Sportgelände Mainwasen teilen sich der SV 1894 Sachsenhausen und der VfL Germania 1894.

Mainwasen

Sportvereine in Sachsenhausen fürchten um ihr Gelände

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Die Fußballplätze an der Gerbermühlstraße sind als Standort für die Europäische Schule im Gespräch.

Alexander Radomski ist schockiert. Sein Sportverein, der SV 1894 Sachsenhausen, steht womöglich vor einer ungewissen Zukunft. Zumindest gibt es ernstzunehmende Hinweise darauf, dass der Verein sein Gelände an der Gerbermühlstraße verlieren könnte. „Und wo sollen wir dann hin?“, fragt Radomski – wobei es eher eine rhetorische Frage ist. Der Vorsitzende und Jugendleiter des rund 300 Mitglieder zählenden Vereins weiß genau, dass es ein freies gleichwertiges Gelände in Sachsenhausen nicht gibt.

Auf der Fläche, die sich der SV Sachsenhausen mit dem VfL Germania 1894 teilt, könnte die derzeit in Niederursel beheimatete Europäische Schule unterkommen. So stand es in der vergangenen Woche in der „FAZ“, und weil städtische Mitarbeiter dem Verein ebenso wie der Germania sofort einen Gesprächstermin gegeben hätten, befürchtet Radomski, dass die Sache schon fortgeschritten ist. „Ich hätte mir schon gewünscht, dass die Stadt auf uns zukommt“, kritisiert er im Gespräch mit der FR.

Im städtischen Baudezernat kommentiert man derartige Pläne nicht. Mehrere mögliche Standorte für die Schule würden derzeit geprüft, erklärt Günter Murr, Sprecher von Stadtrat Jan Schneider (CDU). Ob die Sportplätze an der Gerbermühlstraße darunter sind, könne er nicht sagen.

Gelände liegt im Grüngürtel

Fakt ist: Die Europäische Schule platzt an ihrem jetzigen Standort aus allen Nähten und sucht dringend nach einem neuen Domizil. Rund 900 Schülerinnen und Schüler werden in Niederursel derzeit unterrichtet. Durch Europäische Zentralbank und Bankenaufsicht werden es von Jahr zu Jahr mehr. Eltern, die nicht bei einer europäischen Organisation arbeiten, haben kaum die Chance, ihr Kind an der Schule anzumelden. Perspektivisch dürfte sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen dort mindestens verdoppeln, wenn nicht verdreifachen.

Die Europäische Schule in Frankfurt braucht mehr Platz.

Das der Stadt gehörende Gelände an der Gerbermühlstraße, das aus drei großen Fußballfeldern (ein Rasenplatz, ein Kunstrasenplatz, ein Hartplatz) sowie mehreren kleineren Feldern besteht, wäre vermutlich groß genug, um darauf eine Schule dieser Größenordnung zu bauen. Gerade die Nähe zur EZB, die über Osthafen- und Honsellbrücke in wenigen Minuten erreichbar ist, könnte sich als Standortvorteil erweisen. Allerdings liegen die Fußballplätze im Grüngürtel. Das könnte für die Stadt zum politischen Problem werden, denn zumindest die Grünen lehnen Eingriffe in die Grünflächen ab.

Alexander Radomski sagt derweil entschieden: „Sofern wir nicht doch irgendwo einen adäquaten Ersatz angeboten bekommen, ist das inakzeptabel.“ Er verweist darauf, dass der SV Sachsenhausen kein normaler Fußballverein sei. Man setze in der Jugendarbeit pädagogische Schwerpunkte, Radomski nennt den Begriff „positive Fehlerkultur“ – sprich: Niemand wird in den Jugendmannschaften wegen eines Fehlpasses angebrüllt. Zudem gibt es ein Inklusionsprojekt mit psychisch kranken Sportlern, das schon mit dem Schlappekicker-Preis der FR ausgezeichnet wurde. Für alle diese Errungenschaften werde der SV Sachsenhausen auf jeden Fall kämpfen, sagt der Vorsitzende.

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