Schimmel und Feuchtigkeit am Fenster.

Sachsenhausen

Schimmel in Frankfurter Wohnung sorgt für Ärger 

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Eine Frau in Sachsenhausen klagt über wiederholten Schimmelbefall in ihrer Wohnung. Der Vermieter vermutet falsches Lüften, die Frau sieht das anders.

Die Stockflecken auf den Bildern ihres Vaters machen Ina F. am meisten zu schaffen. Ihren richtigen Namen möchte die 67-Jährige in der Zeitung nicht lesen. Die Bilder sind die einzige Erinnerung an ihren Vater, den sie selbst nie kennengelernt hat. Bereits 2017 hat sie Schimmel in ihrer Wohnung im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses im Wendelsweg bemerkt. Die Bilder an den Wänden waren angeschimmelt, auch ein Schrank mit Geschirr wurde von innen sowie außen schimmlig, und an den Wänden kamen Flecken durch die Tapete. Die Frau wandte sich an die städtische Wohnheim GmbH, der das viergeschossige Haus gehört. Es dauerte zwar etwas, doch der Eigentümer sagte letztendlich zu, den Befall „aus Kulanz“ zu beseitigen, aber die Schuld sieht der Vermieter klar bei der 67-Jährigen, die nicht richtig geheizt und gelüftet habe.

Klaus Oehm, Chef der Wohnheim GmbH, berichtet, dass das Gebäude im Wendelsweg 1971 gebaut wurde. Seitdem gibt es laufende Instandhaltungen, eine grundlegende Modernisierung habe bisher nicht stattgefunden.

Oehm ist ein Fall vom Schimmel in einer Wohnung im Erdgeschoss bekannt. Der Schaden sei aufgenommen und eine Firma mit der Beseitigung betraut worden. Eine Kundenbetreuerin hatte sich die Wohnung angeschaut und habe dabei eine erhöhte Feuchtigkeit wahrgenommen. Man gehe deswegen davon aus, dass falsch gelüftet wurde.

Extra Entfeuchter gekauft

Ina F. sieht das anders. Sie hat sich sogar extra einen Luftentfeuchter mit Salzgranulat angeschafft. Den Befall konnte jedoch auch dieser nicht verhindern. Kritik an ihrem Heizverhalten will die 67-Jährige nicht gelten lassen. „2017 ging meine Heizung nicht“, erinnert sie sich. Der Hausmeister kam zu Hilfe, entlüftete und schlug ein paar Mal mit dem Hammer auf das Heizungsventil – wärmer wurde es nicht. Später kam noch ein Handwerker vorbei. Er entlüftete und setzte ebenfalls den Hammer ein. Danach wurde immerhin ein Teil des Heizkörpers warm. Behoben wurde das Problem erst, als die Thermostatventile ausgetauscht wurden. Bereits vor 2017 habe sie Schimmel in der Wohnung bemerkt, der auch beseitigt wurde, aber augenscheinlich nicht konsequent. Auch diesmal wurde kein Trockengerät vor den betroffenen Wänden aufgestellt. Zwar ist ein Handwerker aktiv geworden und hat die betroffenen Stellen mit Anti-Schimmel-Mitteln behandelt, doch Ina F. fürchtet, dass das tiefergehende Problem wieder nicht beseitigt wurde. Die Sockelleisten im Wohnzimmer weisen beispielsweise immer noch Schimmelspuren auf. „In den Fenstern sitzt auch der Schimmel“, sagt die 67-Jährige und zeigt die doppelt verglasten Fenster in der Küche. Im Zwischenraum zwischen den einzelnen Scheiben sind schwarze Flecken zu sehen.

Der Mieterschutzverein Frankfurt kennt solche Streitigkeiten aus der täglichen Arbeit nur allzu gut. Geschäftsführer Rolf Janßen sagt: „Schimmel ist ein Klassiker in der kalten Jahreszeit.“ Dabei gehe es aber gar nicht um gegenseitige Schuldzuweisungen, sondern der Vermieter habe die Beweislast und müsse zeigen, dass der Schimmel nicht auf die Bausubstanz zurückzuführen sei. Nur ein Sachverständiger könne zur Klärung beitragen. Sollte die Bausubstanz einwandfrei sein, müsse das schuldhafte Verhalten des Mieters nachgewiesen werden. „Es reicht nicht, sich nur den Schwarzen Peter zuzuschieben“, sagt Janßen.

Wer Hilfe vom Mieterschutzverein möchte, sollte zur Beratung den Mietvertrag und eventuelle Korrespondenz mit dem Vermieter mitbringen. Hilfreich sind auch Fotos von den Mängeln, damit sich die Experten ein Bild von der Situation machen können.

Der Frankfurter Verein hat jährlich mehr als 20 000 Beratungen – 15 bis 20 Prozent davon drehen sich um Wohnungsmängel, die oftmals von Schimmel herrühren.

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