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Franz Zimmerman wohnt seit einem Jahr im Henninger Turm.

Sachsenhausen

„Einmischen liegt mir im Blut“

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Der  neue Seniorenbeirat Franz Zimmermann  möchte ein offenes Ohr für die Probleme der älteren Menschen  haben.

Der Blick reicht weit über Frankfurt hinaus, und würde noch viel weiter reichen, wenn es nicht so trüb wäre. Die Europäische Zentralbank, die Felder von Oberrad und dahinter Offenbach sieht Franz Zimmermann von seiner Wohnung im 17. Stock des Henninger-Turms. „Wir waren die ersten, die hier geschlafen haben“, sagt der 76-Jährige.

Seit einem Jahr wohnt er nun mit seiner Ehefrau und einem Kater in dem luxuriösen Hochhaus und schwärmt immer noch von dem tollen Panorama. Der Umzug aus dem Nordend hatte auch praktische Gründe, „wir haben eine Wohnung mit Aufzug gesucht“. Und nun hat er in seinem neuen Ortsbezirk auch schon eine neue Aufgabe übernommen. Zimmermann löst Dieter Ruppert als Seniorenbeirat des Ortsbeirats 5 ab, der aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war.

Als ihn Ortsbeiratsmitglied und Parteikollege Uwe Schulz (FDP) fragte, ob er den Posten des Seniorenbeirats antreten wolle, brauchte er nicht lange zu überlegen. Als Andenken an eine gute Zeit in der Stadtpolitik möchte er ein Stück zurückgeben. Gerne würde der Stadtrat a. D. das Ehrenamt ein paar Jahre lang machen; wenn er gesund bliebe. „Ich will keine Eintagsfliege sein.“

Obwohl er der FDP angehört, sieht Zimmermann seine Aufgabe überparteilich. Er will ein offenes Ohr für die Probleme der Senioren im Frankfurter Süden haben. Dazu gehöre auch rauszugehen und zu schauen, was falsch läuft. „Sich einmischen und kümmern liegt mir im Blut.“ Auch dass alte Menschen vereinsamen sei ein Thema, dessen er sich annehmen wolle. Genauso wie der Barrierefreiheit, kaputten Aufzügen und Rolltreppen oder wenn irgendwo Bänke fehlten.

Mit der Arbeit im Ortsbeirat kennt sich Zimmermann aus. 1993 tritt er dem Dreier im Nordend bei. „Da war ich schon über 50.“ Politisch gedacht habe er schon immer, nur sei er inaktiv gewesen. Das änderte er damals. Sein Motto ab dann: „Ein bisschen mehr zu tun als Zeitunglesen.“ Ein Jahr später wird er zum Vorsitzenden der Frankfurter FDP gewählt – und bleibt es zehn Jahre.

„Ein großer Erfolg war, als wir 1997 nach längerer Abwesenheit wieder in den Römer eingezogen sind“, erzählt Zimmermann. Ein Bild des Karikaturisten Felix Mussil, der den Triumph skizziert hat, erinnere ihn heute daran, sagt Zimmermann und zeigt auf das Werk, das in seinem Flur hängt. Vier Jahre ist er Baudezernent. Am liebsten hätte er weitergemacht, doch mit 65 musste er aufhören.

Zimmermann, der am Rande des Spessarts geboren ist und in Heidelberg aufwuchs, zog es nach seinem Architekturstudium in Darmstadt nach Frankfurt. Das war Anfang der 80er Jahre. Die Stadt habe sich seitdem ganz schön gemausert, findet der gelernte Maurer. „Frankfurt ist liebenswert, kein Wunder, dass der Zuwachs stetig steigt.“

In seinem neuen Viertel mag der ehemalige Baudezernent besonders die Schweizer Straße, schon vorher war er gerne „auf der lebendigen und urbanen Meile“ unterwegs. Auch seiner Lieblingsapfelweinkneipe ist er näher gekommen: der Wirtschaft Zur Buchscheer am Waldspielpark Louisa.

Langweilig wird es Zimmermann auch als Rentner nicht. Gemeinsam mit seiner Frau, mit der er nun 28 Jahre verheiratet und noch länger zusammen ist, geht er ins Theater oder ins Kino. Und neuerdings den Stadtwald erkunden. Aber er sei auch gerne zu Hause. Und beobachtet die Flugzeuge und die sich stetig verändernde Baustelle vor seiner Haustür.

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