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Kiosk-Chefin Elif Kalkan (r) mit großen und kleinen Kunden.

Sachsenhausen

„Ich kann nicht mehr“ - Elif Kalkan nimmt Abschied vom Büdchen in Sachsenhausen

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„Ich kann nicht mehr“ - Elif Kalkan gibt nach fünf Jahren ihren Kiosk der Sachsenhäuser Holbeinstraße auf.

Elif Kalkan ist bekannt in der Frankfurter Wasserhäuschenszene, beinahe schon berühmt. Voriges Jahr war der Oberbürgermeister bei ihr am Büdchen auf der Holbeinstraße, begleitet von Kameras und Mikrofonen und schreibenden Journalisten. Aber nun ist Schluss: Die Wirtin hört auf, schon am Wochenende sagt sie ihrem Kiosk in Sachsenhausen Lebewohl.

„Schade, schade“, echot die 46-Jährige die gängige Reaktion der Kundschaft auf die Nachricht. „Schade, aber es geht nicht mehr. Ich kann nicht mehr.“ Die Arbeit ist zu viel geworden, nicht nur die zwölf, dreizehn Stunden täglich im Wasserhäuschen – hinzu kommen der eigene Haushalt und die Versorgung der Tochter. „Ich komme nicht mehr zum Atmen, ich habe kein Wochenende, keine Ferien“, sagt sie, „es kann so nicht weitergehen.“

Wasserhäuschen wird zum Stammkiosk der Critical Mass

Elif Kalkan verkaufte nicht nur Bier und Süßigkeiten, sie veranstaltete auch gelegentlich Lesungen, freute sich über Familien als Gäste und machte ihr Lädchen zum Stammkiosk der Radtouren der Bewegung Critical Mass. „Ich liebe meine Arbeit in diesem Wasserhäuschen“, sagte sie einmal, „ich bin gern hier.“ Aber die Belastung war letztlich zu groß.

Ausdrücklich kein Grund für den Rückzug sei die Hängepartie um die Erhöhung der Pacht. Bekanntlich hatten die Stadt als Grundstücksbesitzerin und die Brauerei als Verpächterin für etwa ein Dutzend Frankfurter Büdchen kräftige Zuschläge verlangt, darunter auch für das schöne alte Häuschen auf der Holbeinstraße.

Statt monatlich 560 Euro sollten fortan 750 Euro fällig werden. Andere Büdchen sollten gar 70 Prozent mehr berappen. Zu viel für die hart kalkulierenden, oft auf jeden Euro angewiesenen Betreiber. Das war auch der Anlass, aus dem der OB im August 2018 zu Elif Kalkan kam – und sich für die Kameras sogar hinter den Verkaufstresen stellte. „Ich sage es deutlich: weg mit der Pachterhöhung“, forderte Peter Feldmann (SPD) damals.

Liebe für Sachsenhausen und Frankfurt

Seither ist der Pachtzins eingefroren, eine Entscheidung steht aus. „Die Erhöhung wird kommen, keine Frage“, glaubt Kalkan, auch wenn die treue Kundschaft Hunderte Unterschriften dagegen gesammelt habe, was sie sehr rührt. Aber wie gesagt, der Aufschlag spielte keine Rolle bei der Entscheidung, das Büdchen nach fünf Jahren aufzugeben – ebenso wenig, wie er die Nachfolger davon abhält, das Büdchen zu übernehmen. Ein junges Paar ganz aus der Nähe wird künftig die treuen Gäste bewirten, vorerst zum alten Pachtzins, sagt Elif Kalkan.

Sie selbst möchte den beiden Neuen in den ersten Wochen mit Rat zur Seite stehen und auch häufig selbst als Kundin vorbeikommen, sie ist und bleibt ja Sachsenhäuserin. „Ich liebe Frankfurt, ich bin gern hier“, betont sie. Wovon wird sie nun leben? „Für den Anfang werde ich mich wohl beim Arbeitsamt melden müssen.“

Am Sonntag, 30. Juni, feiert Elif Kalkan mit der ganzen gewachsenen Sachsenhäuser Wasserhäuschenfamilie Abschied. Von 16 bis 19.30 Uhr sind alle willkommen.

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