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Entspannt auf der Walter-Kolb-Strasse in Sachsenhausen radeln.
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Entspannt auf der Walter-Kolb-Strasse in Sachsenhausen radeln.

Mobilität

Frankfurt: Pop-up-Radweg für einen Nachmittag

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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Bundesweit finden am „Weltfahrradtag“ Aktionen für einen sichereren Radverkehr statt. In Sachsenhausen rollen Initiativen für Radelnde den Roten Teppich aus.

Auf den roten Teppich, der für sie auf der Walter-Kolb-Straße ausgerollt ist, reagieren die Radelnden am Donnerstag teils mit lautem Klingeln. Am Straßenrand steht ein Mann und hält ihnen ein Schild entgegen, mit der Aufschrift: „Gute Fahrradwege“ und darunter „Statt schlechten Ausreden“. Ein paar Dutzend Radfahrer:innen kommen im Laufe des Nachmittags an dem Abzweig Richtung Alt-Sachsenhausen vorbei. Die meisten bleiben kurz stehen, einige wenige radeln direkt weiter Richtung Schweizer Straße.

Zum „Weltfahrradtag“ haben bundesweit Initiativen des Radentscheids mit ihrem Dachverband „Bundesrad“ zu Aktionen aufgerufen. In Sachsenhausen sind neben der Frankfurter Radentscheid-Gruppe unter anderem der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sowie die Initiativen Transition Town und Mainkai für alle mit dabei. Eine Fahrspur ist zunächst durch den Teppich, nach einigen Metern, durch Pylonen bis zur Kreuzung Schweizer Straße für Autos und Motorräder abgesperrt. Die wenigen Kraftfahrzeuge, die am Feiertag unterwegs sind, nehmen das ohne Hupen oder andere Unmutsbekundungen hin.

So ist wieder einmal ein „Pop-Up-Radweg“ für einen Nachmittag entstanden, um auf den weiterhin nötigen Radweg-Ausbau hinzuweisen. Diesmal ist die Aktion insbesondere an die künftige Stadtregierung, die gerade gebildet wird, adressiert. „Hier wird man direkt in den Mischverkehr geschmissen“, sagt Alexander Breit, vom örtlichen Radentscheid-Team und weiter: „Das ist natürlich ärgerlich“. Breit hat sich bei heißen Temperaturen in den Schatten, an der Ecke Dreikönigsstraße, gestellt. Mit der neuen Radwegführung vom Friedberger Platz über die Konstablerwache, Kurt-Schumacher-Straße und Alte Brücke zeigt sich Breit mittlerweile zufrieden. Allerdings endet vor der Einmündung zur Dreikönigsstraße der rote Fahrstreifen mit dem Fahrrad-Symbol. „Hier kann man doch gerade weiter machen bis zur Schweizer Straße“, sagt Breit.

Darmstadt: Verkehrsversuche zur Eingewöhnung

In Darmstadt soll der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr weiter steigen. Zuletzt lag der Anteil nach Angaben der Stadt bei rund 22 Prozent – Tendenz steigend. Die Stadt trägt dieser Entwicklung Rechnung und macht dies auch an Hauptverkehrsstraßen in der Innenstadt deutlich.
Nach der bereits erfolgten radlerfreundlichen Umgestaltung von Streckenabschnitten entlang der Rheinstraße oder der Landgraf-Georg-Straße laufen in der Stadt seit dem vorigen Jahr vier von insgesamt fünf geplanten Verkehrsversuchen, bei denen Radfahrspuren gelb markiert wurden.
Inzwischen wurden die Pop-up-Radwege zum Teil auch mit Bodenschwellen und Warnbaken zusätzlich gesichert. Dem motorisierten Verkehr steht in den Versuchsabschnitten an der Nieder-Ramstädter Straße am Roßdörfer Platz, an der Bleichstraße und am Steubenplatz, an der Neckarstraße und der Heidelberger Straße sowie an der Zeughausstraße vor dem Hessischen Landesmuseum jeweils eine Fahrspur weniger zur Verfügung. Der fünfte geplante Verkehrsversuch an der Eschollbrücker Straße steht noch aus.
Um die Auswirkungen für alle Verkehrsarten zu erfassen, werden die Verkehrsversuche, die schon mehr als ein halbes Jahr laufen, wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Voraussichtlich im Sommer, so heißt es seitens der Stadt, solle die Politik entscheiden, wie mit den Versuchen dauerhaft umgegangen werden soll. Mit einem Rückbau der Fahrradstreifen wird allerdings nicht gerechnet. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass es nach und nach zur Ausweisung etlicher weiterer Radfahrspuren kommt.
Das Stadtparlament hat erst in der vorigen Woche beschlossen, die Radverkehrsführung auf der Dieburger Straße zwischen der Wolfskehlstraße und der Schumannstraße in einem weiteren sechsmonatigen Verkehrsversuch zu testen. Einer entsprechenden Vorlage des Magistrats wurde mit großer Mehrheit zugestimmt. Dagegen waren die Fraktionen von FDP, AfD und Uwiga/WGD.
Im Haushalt der Stadt stehen auch in diesem Jahr im Rahmen eines auf vier Jahre angelegten Sonderprogramms abermals vier Millionen Euro zur Verfügung, um die Radfahrinfrastruktur in Darmstadt zu verbessern.
Im Juni 2019 hatte der Magistrat der Stadt als Reaktion auf das ein Jahr zuvor eingereichte Bürgerbegehren „Radentscheid“ eine Radverkehrsstrategie für die kommenden Jahre beschlossen. Im August 2020 wurde dann zudem ein „Maßnahmenplan“ mit 34 Infrastrukturprojekten beschlossen. Vorrangiges Ziel ist die Schaffung eines durchgehend attraktiven Radwegenetzes sowohl in Nordsüd- wie in Ostwestrichtung gemäß den festgelegten Qualitätskriterien der Radstrategie. jjo

„Das wird im Sommer gemacht“, berichtet Joachim Hochstein, Leiter des Radfahrbüros des städtischen Straßenverkehrsamtes. Voraussichtlich in den Sommerferien sollen in beiden Fahrtrichtungen jeweils die rechte der beiden Autofahrspuren dauerhaft zum Radweg umgerüstet werden. „Geschützt durch Schwellen“, wie Hochstein sagt. Allerdings nur einige hundert Meter weit bis zur Oppenheimer Straße, weil die Verkehrsführung eine weitere Verlängerung vorläufig nicht zulasse. Dass die Autos an der Walter-Kolb-Straße eine Spur verlieren, sieht Hochstein wenig kritisch. „Die Strecke ist gar nicht so wahnsinnig befahren“, sagt er. Ohnehin würde die Wegnahme einer Kfz-Fahrspur häufig für „mehr Klarheit“ als größeren Unmut bei Autofahrenden sorgen. So zeige sich das etwa im Hafentunnel.

Als „schon immer extrem miserablen Punkt“ für Radelnde bezeichnet Hochstein dagegen die Straße am Hauptbahnhof. Dort gehe es „schrittweise“ voran. Vom Baseler- zum Wiesenhüttenplatz werde es bald eine Rad-Verbindung geben. Doch durch die Baustelle in der B-Ebene des Bahnhofs sei es derzeit schwierig einen Radweg vom Baseler Platz zum Platz der Republik umzusetzen.

Alexander Breit fordert indes einen zügigeren Ausbau der Radwege. „Wir wollen heute zeigen, mit welch einfachen Mitteln Radinfrastruktur gebaut werden kann“, sagt er. „Es sind noch weit unter 50 Prozent der Stellen aus den Forderungen des Radentscheids von vor zwei Jahren umgesetzt“, fügt Breit hinzu. Auf dem Anlagenring ostwärts gebe es Optimierungsbedarf und vor allem in „außenliegenden Stadtteilen“.

Holger Schmidt, Radfahrer aus Bockenheim, sagt: „Frankfurt hat immer noch viele risikobehaftete Stellen“. Die Stadt sei zwar „auf dem richtigen Weg“, jedoch kritisiert der 52-Jährige einen Abschnitt in Bockenheim: „Die neue Gestaltung der Schloßstraße ist richtig gedacht“. Dennoch sei er „als Radfahrer letztlich dem Terror der Autofahrer ausgesetzt“, so Schmidt. Es werde „wild gehupt“ und Autofahrer:innen drängten sich dicht an den Radelnden vorbei. Er fordert nicht nur „mehr Raum für Radler“, sondern für „alle unmotorisierten Verkehrsteilnehmer“. Auch für Radlerin Yasmine Haun gibt es weiterhin viel Verbesserungsbedarf, besonders in der Innenstadt. „Solche Schnellstraßen für Autos gehen nicht mehr, sorry“, sagt die Niederräderin. Es sei an der Zeit „endlich die sanfte Mobilität“ zu fördern.

Gleich mal den provisorischen Radstreifen ausprobieren.
Aktivistinnen und Aktivisten rollen den Teppich aus.

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