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In der Installation „Shadow Gestures“ werden Posen und Gesten als Schattenriss erfasst und projiziert.

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Frankfurt: Mittelfinger im Museum

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Das Frankfurter Museum für Kommunikation zeigt eine Ausstellung über Gesten. Dabei gibt es nicht nur viel zu sehen, sondern auch interaktiv viel zu erleben.

Wer einem Mitmenschen den Mittelfinger zeigt, kann eine meist nicht sehr freundliche Reaktion erwarten. Andersherum, mit einem Daumen nach oben, signalisieren wir Menschen – nicht nur im Internet –, dass uns etwas gut gefällt. Und wer Mittelfinger und Zeigefinger abspreizt, die restlichen Finger aber einklappt, zeigt die „Victory“-Geste oder auch die Geste für Peace. Dreht man aber die Hand, so dass nicht die Fingerkuppen nach vorne zeigen, kann das in England durchaus als Beleidigung angesehen werden. Diese und viele andere Gesten sind wesentlicher Bestandteil menschlicher Kommunikation. Und genau damit, mit dieser nonverbalen Kommunikation beschäftigt sich nun eine neue Ausstellung im Frankfurter Museum für Kommunikation.

„Gesten – gestern, heute, übermorgen“ heißt die neue Ausstellung, die von der Technischen Universität (TU) Chemnitz gemeinsam mit dem Ars Electronica Futurelab in Linz und dem Sächsischen Industriemuseum entwickelt wurde und nun in dem Museum am Schaumainkai zu sehen ist. „Hier können die Besucher richtig was machen und erleben“, sagt Ellen Fricke von der TU Chemnitz, die Gesamtleiterin des Projekts ist.

Und tatsächlich gibt es nicht nur viel zu lesen und zu sehen, sondern auch einiges zum Ausprobieren. So wird der Besucher beispielsweise schon durch den „Wooden Mirror“ des Künstlers Daniel Rozin empfangen. Dieser „Spiegel“ fängt mit Hilfe von Kameras die Bewegungen des Besuchers ein und bildet sie auf einer Platte von 830 Holzplättchen ab.

Die Ausstellung
„Gesten – gestern, heute, morgen“ wird vom 25. September 2019 bis zum 23. Februar 2020 im Museum für Kommunikation Frankfurt am Schaumainkai 53 zu sehen sein.

Der Eintritt kostet für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre 1,50 Euro, für Erwachsene 3 Euro.

Weitere Informationen zum Museum und zur Ausstellung unter mfk-frankfurt.de. prjd

Grundlegend ist die Ausstellung in drei Themenbereiche gegliedert: Der erste Teil „Von der Geste zum Gestenlexikon“ beschäftigt sich mit den Grundlagen der Gestenforschung und wie so etwas überhaupt analysiert werden kann. „Vom Handgriff zur Gestensteuerung“ heißt der zweite Teil: Hier stehen Objekte, Handhabungen und der aktuelle Einsatz von Gesten im Mittelpunkt. Komplettiert wird das Ganze durch die Beleuchtung der Frage, wie die menschliche Hand durch Werkzeuge, Maschinen und Roboter heute schon und auch in Zukunft ersetzt oder erweitert wird.

„Wissenschaft soll für ein ganz breites Publikum erfahrbar werden“, sagt Ellen Fricke über die Ausstellung. Deshalb gebe es auch so viele interaktive Ausstellungsstücke. Vom bereits erwähnten „Wooden Mirror“, einem virtuellen Globus, bei dem man mit der Hand ein Flugzeug steuern kann, über das Gesten-Lexikon bis hin zu einer virtuellen Töpferscheibe oder einem gestengesteuerten Kugellabyrinth.

Die Ausstellung, die man bereits in Chemnitz und Berlin sehen konnte, ist also nicht nur rein wissenschaftlich, sondern soll auch – teils durch die interaktiven Stücke – eine künstlerische Sichtweise auf das Thema darbieten.

„Gesten kann man viele Informationen entnehmen“, sagt Fricke. Sie seien ein wichtiges Mittel der Kommunikation. In Zukunft würde sich auch Arbeit fundamental ändern, und dadurch wandle sich ebenfalls die konkrete Beziehung zu Objekten. „Viele Geräte werden in Zukunft berührungslos steuerbar sein“, sagt sie.

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