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Eine neue Altstadt für Dribbdebach

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Von: Stefanie Wehr

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Die weiß eingezeichneten Gebäude könnten nach der Idee der Architektin Marie-Theres Deutsch den Paradieshof in Alt-Sachsenhausen ersetzen.
Die weiß eingezeichneten Gebäude könnten nach der Idee der Architektin Marie-Theres Deutsch den Paradieshof in Alt-Sachsenhausen ersetzen. © Architektin Marie-Theres Deutsch

Sachsenhäuser Architektin schlägt Wohnhäuser am historischen Paradiesplatz vor. Der heruntergekommene Paradieshof sei „ein Fremdkörper am Platz“.

Wo sich heute die Rückseite des Paradieshofs in Alt-Sachsenhausen befindet, lag früher „Brauns Gässchen“. Sie war eine der vielen für Alt-Sachsenhausen typischen stumpfen Sackgassen, die vermutlich ins Innere eines Ritterhofs führten. Die historische Anordnung der Gebäude rund um die Gasse wieder aufleben zu lassen, könnte dem Paradiesplatz eine sinnvolle Neuausrichtung geben. Das zumindest findet Architektin Marie-Theres Deutsch, die einen Entwurf angefertigt hat.

Die Architektin wohnt und arbeitet in einem Neubau an der Paradiesgasse. Rundherum stehen Wohnhäuser, ein Restaurant und ein Hotel. Die Gasse sei ruhig, so lange nicht die Party in den angrenzenden Gassen tobe. An der Stelle, wo jetzt der marode Paradieshof steht, würden deshalb Wohnhäuser gut passen, findet Deutsch.

Und zwar nicht irgendwelche, sondern eine nach historischem Vorbild angeordnete Häuserzeile, die ähnlich rekonstruiert werden könnte wie in der Neuen Altstadt. Die Gebäude sollten so stehen, dass sie wie ehedem Brauns Gässchen freilassen, das auf alten Plänen der Stadt gut zu sehen ist. Etwa zehn Häuser umrahmten bis 1944 die kleine Gasse. Dann wurden sie zerbombt. Nur noch eine freistehende Wand ist übrig, die unter Denkmalschutz steht.

Der Paradieshof ist nach Ansicht der Sachsenhäuser Architektin Marie-Theres Deutsch ein „Fremdkörper am Platz“.
Der Paradieshof ist nach Ansicht der Sachsenhäuser Architektin Marie-Theres Deutsch ein „Fremdkörper am Platz“. © privat

Würde man die Seite des Gässchens bebauen, an die der Paradieshof angrenzt, hätten vier Häuser Platz. Eine Nettowohnfläche von 1500 Quadratmetern sei möglich, hat Deutsch errechnet. Die Häuser wären dreigeschossig. Den verrotteten Paradieshof aus den 50er Jahren zu erhalten, lohne sich nach 13 Jahren Leerstand nicht mehr. Eine Sanierung wäre zu aufwendig. „Das Gebäude ist kein Schlüsselgebäude, es ist ein Fremdkörper am Platz“, sagt Deutsch. Neuen Wohnraum zu schaffen wäre viel sinnvoller. Zudem könnte die Stadt selbst bauen, denn der Paradieshof ist in städtischem Besitz. „Es könnten Sozialwohnungen geschaffen werden, eine gemischte Nutzung entstehen.“

Dem stimmt Lino Munaretto von der FDP im Ortsbeirat 5 zu. Er findet, es müsse frischer Wind in der öffentlichen Diskussion nicht nur um den Paradieshof, sondern um das Viertel als Ganzes wehen. Die Stadt solle bei der zweiten Ausschreibung neue Wege gehen und den Vorschlag von Architektin Deutsch einbeziehen. Das Viertel müsste mehr bieten als Kioske und Kneipen.

Die Stadt wollte den Paradieshof bis Ende 2022 neu ausschreiben, nachdem die vorige Ausschreibung nicht gefruchtet hatte. Die European School of Design, die im Paradieshof einziehen wollte, hat sich nach den jahrelangen Unstimmigkeiten mit der Stadt zurückgezogen.

Dass das Haus baufällig ist, bestätigte Baudezernentin Sylvia Weber (SPD). Sie erlaubte deshalb keine Zwischennutzung für Künstler. In einem sanierten Paradieshof sei am ehesten eine Gastronomie möglich. Wohnungen hielt Weber aufgrund des Partylärms im Viertel allerdings für nicht geeignet, zumal am Paradiesplatz weiterhin Veranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt möglich sein sollten.

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