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Ein Kühlschrank für alle

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Von: Sebastian Theuner

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Wer etwas zu Essen braucht, kann sich am offenen Kühlschrank bedienen. Wer Essbares nicht mehr braucht, kann es dort abgeben. Das ermöglichen Stephan Riechert, Heribert Schmidt-Wallenborn und Doly Kadavil in der Kirche St. Aposteln.
Wer etwas zu Essen braucht, kann sich am offenen Kühlschrank bedienen. Wer Essbares nicht mehr braucht, kann es dort abgeben. Das ermöglichen Stephan Riechert, Heribert Schmidt-Wallenborn und Doly Kadavil in der Kirche St. Aposteln. © sauda

An der Kirche St. Aposteln gibt es einen Offenen Kühlschrank für Lebensmittelspenden. Der Service wird gut angenommen.

Das Putzen am Abend fällt leicht. „Der Kühlschrank ist zu dieser Zeit immer leer“, sagt Schwester Bettina, „aus hygienischen Gründen ist das wunderbar.“ Es zeigt zudem: Das Projekt des Offenen Kühlschranks in der Kirche St. Aposteln ist ein Erfolg.

Seit November vergangenen Jahres steht der Kühlschrank in einer Seitenkapelle der Kirche im Ziegelhüttenweg. Bürgerinnen und Bürger können Lebensmittel vorbeibringen, für die sie keine Verwendung mehr haben. Zugreifen dürfen alle, die Lust auf Obst, Salat oder selbstgemachte Marmelade haben. Ob ihr Geld knapp ist oder sie das Essen schlichtweg vor der Abfalltonne bewahren wollen, ist egal.

In einem Regal nebenan liegen Lebensmittel, die nicht gekühlt werden müssen. Brötchen zum Beispiel, „die haben wir jeden Tag“, sagt Schwester Bettina. Sie gehört den Steyler Missionsschwestern an, die sich mit weiteren Gemeindemitgliedern und Ehrenamtlichen um den Kühlschrank kümmern. Ziel ist es, ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung zu setzen – und „Räume zu schaffen, wo sich Menschen begegnen.“

Unterstützt wird das Projekt in der Kirche St. Aposteln, die der Pfarrei St. Bonifatius angehört, von der deutschlandweit agierenden Initiative Foodsharing. Die Frankfurter Ortsgruppe hatte unter anderem in Bornheim einen sogenannten Fairteiler organisiert, der als Inspiration für den Kühlschrank in Sachsenhausen diente. Durch die Kooperation mit Supermärkten trägt Foodsharing dazu bei, dass die Verteilerstellen meist gut gefüllt sind.

„Foodsharing macht eine hervorragende Arbeit“, findet Heribert Schmidt-Wallenborn, Mitglied im Verwaltungsrat von St. Bonifatius. Er sei „angenehm überrascht“, wie gut der Offene Kühlschrank angenommen werde. Sogar ein Betreiber von Snackautomaten habe abgelaufene, aber noch genießbare Lebensmittel zur Verfügung gestellt. Weil der „Wert von Lebensmitteln“ im Mittelpunkt stehe, richte sich das Projekt nicht nur an Bedürftige: „Wir sind nicht die Tafel“, betont Schmidt-Wallenborn.

Das sieht auch Schwester Bettina so. Der Kirchengemeinde gehe es um den „dialogischen Aspekt“ und darum, „Kirche zu entwickeln“. Gelingen soll das auch mit den bereits bestehenden Angeboten des Kleider-Cafés, einer Tauschbörse für Klamotten und der Pommesbude auf dem Kirchvorplatz. Die Seitenkapelle, wo der Kühlschrank steht, soll demnächst zu einer Leseecke mit Sofas und Büchern umgestaltet werden. Auch Menschen ohne persönlichen Bezug zur Kirche wolle man so Begegnungen ermöglichen.

Schwester Bettina hofft, künftig mehr Menschen von dem Projekt des Offenen Kühlschranks überzeugen zu können. Durch eine Postkarten-Aktion im Stadtteil soll der Bekanntheitsgrad gesteigert werden: „Alle sind eingeladen, das Angebot aktiv zu nutzen!“ Möglich ist das in der Kirche St. Aposteln, Ziegelhüttenweg 149, täglich von 10 bis 18 Uhr.

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