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Heimleiterin Christine Krause schenkt einer Bewohnerin Saftschorle ein. Viel trinken ist an solchen Tagen wichtig.

Pflege

Coole Smoothies und Eiskaffee im Altersheim

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Wie erleben ältere Menschen und Pflegemitarbeiter den Hitzesommer? Ein Besuch im Schwanthaler Carrée.

Der junge Peter Alexander schaut romantisch, als die ältere Dame im gelben T-Shirt am Mittwochmittag in der „Wohnstube“, wie sie selbst sagt, „mindestens fünf Schlückchen“ Saftschorle trinkt. Draußen ist es schon knallheiß, während es in dem Gemeinschaftsraum Wohnstube in der Demenzabteilung des Frankfurter Alten- und Pflegeheims Agaplesion Schwanthaler Carrée angenehm klimatisiert ist. Peter Alexander ist natürlich nur in Form eines eingerahmten Fotos in Sachsenhausen präsent und steht neben einem Drehscheiben-Telefon, Dinge aus der Jugend der Bewohner.

Auf dem Tisch stehen an diesem Hitzetag Salzstangen, Erdnuss-Flips, Obst und Wasser. Die Dame im gelben Shirt sagt: „Eine Salzstange esse ich. Mehr nicht. Mein Sohn sagt immer, ich werde zu dick.“ Sie lacht. Sie mag die Hitze, betont sie. Schon seit der Jugend. Aber die richtige Ernährung und genug Flüssigkeit an heißen Tagen mit bis zu 38 Grad sind gerade für ältere Menschen extrem wichtig. Auf den Fluren stehen auf Tabletts überall griffbereit Obst und Salzstangen. Die Aromatherapeutin hat kühlende wie erfrischende Minze-Grapefruit-Düfte versprüht.

„An Hitzetagen wie diesen folgen wir zudem dem Leitfaden des hessischen Sozialministeriums. Dieser wurde nach dem Hitzesommer 2003, in dem viele ältere Menschen im Pflegeheim gestorben sind, erstellt“, sagt die Leiterin des Hauses, Christine Krause.

Die Einhaltung werde von der Pflege- und Betreuungsaufsicht unangekündigt wie regelmäßig überprüft. „So müssen wir beispielsweise darauf achten, dass tagsüber die Fenster geschlossen und die Rollläden unten sind. Nachts soll durchgelüftet werden“, so Krause.

Doch sie betont auch, dass es eben auch Bewohner gibt, die partout nachts das Fenster in ihren Zimmern nicht aufhaben wollen. „Für uns gilt in solchen Fällen, den Wunsch des Bewohners zu respektieren.“ Für Bewohner, die das Bett nicht mehr verlassen können, gibt es eine mobile Klimaanlage. „Für alle anderen gibt es die klimatisierten Gemeinschaftsräume“, sagt sie. Auch Ventilatoren und feuchte Handtücher über den Fenstern seien eine Alternative, wenn ein Raum, denn wirklich zu warm sei.

Der stellvertretende Hausleiter Ralph Gabelin sagt: „Wir versuchen zudem, unsere Bewohnerinnen und Bewohner von der Hitze abzulenken, und passen unser Programm auch an. So gibt es statt wie eigentlich am Donnerstag geplant keinen Grill-Nachmittag, sondern einen Eiscafé-Nachmittag. Wir beziehen die Bewohner auch mit ein. So schneiden sie Obst, reden miteinander. Sie naschen zudem, was das Zeug hält und nehmen so auch Flüssigkeit auf“, sagt Gabelin.

Auch das Küchenteam passe den Speiseplan an. Statt der Vorsuppe gibt es Kaltschale. „Wir haben auch die doppelte Bestellung an Wasser. Aber nicht alle können so viel trinken, weil sie herz- oder nierenkrank sind, da sind Obst oder auch Gurken eine gute Alternative“, sagt Krause.

Außerdem habe jeder eben ein anderes Bedürfnis: „Diejenigen, die zeit ihres Lebens viel getrunken haben, trinken weiter viel, andere, die in ihrer Jugend schon eher wenig getrunken haben, reicht auch an solchen Tagen ein Liter Wasser.“

Außerdem sei die Auswahl an Getränken groß: „Worauf sie Lust haben, bekommen sie: Softdrinks, Säfte, Smoothies, Bier oder auch mal einen Sauergespritzten, schließlich sind wir hier in Sachsenhausen“, sagt Krause. Und um das Trinken attraktiver zu machen, dekorierten die Pflegekräfte auch gern mal die Gläser mit bunten Strohhalmen. Apropos Mitarbeiter, an Hitzetagen sei das auf jeden Fall Mehrarbeit. „Die Pflege der Bewohner ist körperlich an sich schon anstrengend, aber an Tagen wie diesen ist diese mit der Belastung von Handwerkern, die draußen arbeiten, vergleichbar“, so Krause. Manche Bewohner wollten auch bei solchen Temperaturen die Heizung im Bad anlassen. „Wenn das Pflegepersonal sie dann badet, wird es echt heiß.“ Bettlägerige Senioren bekämen auch kühle Waschungen mit Pfefferminz- oder Salbeitee zwischendrin. Bei einer Demenzpatientin müssten sie auch sehr darauf achten, dass sie sich nicht mit Steppdecke in die pralle Sonne setze. „Sie merkt nicht mehr, dass es dafür zu heiß ist“, so Krause.

Für die Mitarbeiter gebe es nicht nur alle Getränke kostenlos, sondern die Leitung würde auch ihnen mal eine Melone aufschneiden oder Eis am Stiel als Pausen-snack bringen.

Bewohner Günter Wich (80) betont: „Mir macht die Hitze nichts aus. Ich bin dafür super geeignet.“ Er freut sich auch schon auf das „Tanzen im Sitzen“ am Nachmittag. Und bevor er zum Mittagessen aufbricht, hat er noch einen Hitzetipp: „Improvisieren und locker bleiben.“

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