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Altes Schmuckstück in neuem Glanz

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Von: Stefanie Wehr

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Seit drei Jahren ist die Villa am Wendelsweg vermietet.
Seit drei Jahren ist die Villa am Wendelsweg vermietet. © Rainer Rüffer

Die Villa Henninger ist das einzige übriggebliebene Haus auf dem früheren Brauerei-Areal. Rund drei Jahre lang wurde das denkmalgeschützte Gebäude saniert worden.

Die Villa Henninger ist nach rund drei Jahren denkmalgerechter Sanierung ein Schmuckstück geworden. Am Tag des offenen Denkmals konnten sich vor kurzem Interessierte davon überzeugen. Gut 100 Besucher:innen hatte die Hausherrin, die Firma Actris, an diesem Tag.

Das ehrwürdige Kontorhaus der Sachsenhäuser Bierbrauerei, erbaut 1875, war nach dem Zweiten Weltkrieg von Henninger auf Vordermann gebracht worden: Die repräsentative Einrichtung stammt deshalb aus den 1950er Jahren und wurde so von den Architekt:innen vorgefunden, die sich für Actris der Wiederherrichtung der Villa annahmen. Etwa der Konferenzraum im zweiten Stock mit langem Eichenholztisch und Nussbaumparkett. Als ob die Direktoren der Henninger gerade gestern hier getagt hätten, stehen die Sitzmöbel in Reih und Glied dort. Nur der Chefsessel am Kopfende hat Armlehnen und ist etwas höher als die anderen.

Neben der Möblierung kam vieles andere zum Vorschein, vom alten Aufzug über ein handschriftlich ausgefülltes „Kessel- und Maschinenbuch“ bis zur leeren Bierdose aus den 50ern. Die Büchse ist ein besonderes Fundstück: Immerhin hatte Henninger Bräu 1951 die erste Bierdose in Deutschland auf den Markt gebracht.

Der Frankfurter Architekt Christof Lehrke führt durch die Villa, deren Renovierung viel Recherchearbeit mit sich brachte. Zusammen mit den Expert:innen des Denkmalamts ging er auf historische Spurensuche. Die Baupläne der Villa wurden im Krieg zerstört, die ältesten existierenden zeigen Wasserleitungen und stammen aus dem Jahr 1913. Anhand verschiedener Quellen wurde der ursprüngliche Zustand zeichnerisch rekonstruiert, um die Villa so originalgetreu wie möglich wiederherzustellen. Das Innere sollte so wieder hergerichtet werden, wie es in den 50er Jahren erschien, als das Gebäude zuletzt grunderneuert und neu eingerichtet wurde.

Als nach der Insolvenz 1996 die Actris als Nachfolgeunternehmen der Henninger gegründet wurde, verkaufte der neue Besitzer, der Millionär und Mitbegründer der IT-Firma SAP Dietmar Hopp, sämtliche seiner Brauereien und stieg aufs Immobiliengeschäft um. Der Brauereibetrieb wurde 2002 eingestellt, die Marke an Binding verkauft. Das 120 000 Quadratmeter große Henninger-Areal war jahrelang verwaist. Während alle Betriebsgebäude und zuletzt der Henninger Turm (2013) abgerissen wurden, blieb die Villa stehen. Drumherum wurden die Stadtgärten mit rund 720 Wohnungen gebaut, die längst bewohnt sind.

Bei der denkmalgerechten Sanierung wurden etliche abgehangene Decken freigelegt, morsche Deckenbalken aus Holz erneuert, gründerzeitliche Flügelfenster wiederhergestellt oder neu eingesetzt. Einige Fenster aus den 50er Jahren blieben erhalten. Sämtliche alten Farbschichten an den Wänden etwa im Foyer wurden freigelegt, bis man auf den ursprünglichen Umbra-Ton traf.

Türen wurden nachgebaut, sofern sie nicht zu erhalten waren. Das gusseiserne Treppengeländer, die Marmorfenstersimse und Säulen in der Eingangshalle wurden aufgehübscht. Die hölzernen Schwingtüren im ersten Stock erstrahlen in neuem Glanz, ebenso der holzvertäfelte Aufzug von 1954, der nun wieder fährt. Die alte Aufzugmaschine steht im Erdgeschoss ausgestellt.

Noch nicht fertig saniert ist die repräsentative Bierbar im Keller. Weil es dort keinen zweiten Fluchtweg gibt, ist die Nutzung nicht genehmigt. Die Holztheke mit Drehtürschrank aus den 50ern ist erhalten und wird vom Schreiner instandgesetzt. Dahinter ging es in einen Weinkeller.

Die Räume der Villa sind seit 2019 vermietet. Die frühere Mansarde mit mehr als 300 Quadratmetern Bürofläche mit verwinkelten Räumen unterm Dach ist noch frei. Vom Turmzimmer aus haben künftige Mieter einen Blick auf den Wendelsweg und die Innenstadt.

Der Bierkeller mit Tresen und Kachelofen wird noch saniert und nicht genutzt.
Der Bierkeller mit Tresen und Kachelofen wird noch saniert und nicht genutzt. © Rainer Rüffer
Das Henninger Areal um 1900: Die prachtvolle Direktorenvilla ist im Vordergrund zu sehen, dahinter erheben sich die Brauerei- und Lagergebäude.
Das Henninger Areal um 1900: Die prachtvolle Direktorenvilla ist im Vordergrund zu sehen, dahinter erheben sich die Brauerei- und Lagergebäude. © Denkmalamt

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