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Gernot Gottwals und sein Weißkopfseeadler Adalbert führten durch das Programm des Neujahrsblasens. 

Sachsenhausen

Sachsenhausen: Neujahrsblasen am Fundament des Goetheturms

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Der Jagdklub hält sein Ritual am Standort des Goetheturms auch ohne das vor zwei Jahren abgebrannte Wahrzeichen lebendig. Durchs Programm führt diesmal ein Bauchredner samt Stoffadler.

Lodenmäntel, dicke Stiefel und warme Mützen – zum 30. Neujahrsblasen des Sachsenhäuser Jagdklubs im Stadtwald mussten sich die rund 300 Besucher dick einpacken. Dort trafen sie zum runden Geburtstag der Traditionsveranstaltung auf einen Überraschungsgast – Seeadler Adalbert. Und natürlich auf die Baustelle des Goetheturms.

Die grünen Tücher an den Bauzäunen verhinderten nicht nur den Blick auf das Fundament des vor zwei Jahren abgebrannten Wahrzeichens. Sie passten sich auch farblich wunderbar ein in die Kulisse des Neujahrsblasens. Denn auch die Jäger trugen Grün. Lodenmantel und dicke Stiefel – sie haben nicht nur Tradition, sondern schützten sie an diesem Morgen vor der eisigen Kälte.

Etwas ist anders als sonst: Das Neujahrsblasen wurde nicht wie sonst vom Vorsitzenden moderiert. Die Jäger hatten Hobby-Bauchredner Gernot Gottwals engagiert, der mit seinem Weißkopfseeadler Adalbert durchs Programm führte und die Geschichte des Goetheturms und des Jägertums streifte.

„Jägermarsch“ schallt stolz durch Stadtwald

Besser gesagt: Gottwals versuchte es. Sein Adler blieb keineswegs wie vorher abgesprochen brav auf dessen, freilich mit einem Handschuh geschützten linken Hand sitzen. Stattdessen quatschte er unaufgefordert dazwischen. Manchmal passend, meist jedoch unpassend.

Wenigstens als die Jäger zu ihren Hörnern griffen, hielt der Adler seinen Schnabel. Der „Jägermarsch“ schallte stolz durch den Stadtwald, beim „Hirtenruf“ verteilten sich die Töne aus Jagd- und Alphörnern, die allein wegen ihrer Größe am Rand positioniert waren, etwas sanfter.

In den Spielpausen übernahmen Gernot Gottwals und Adalbert das Kommando. Sie erzählten von der 2000 Jahre alten Geschichte von Holztürmen, von denen aus Angreifer frühzeitig erspäht werden sollten. Und davon, dass der Goetheturm beim Neujahrsblasen im kommenden Jahr wieder stehen soll. Denn Mitte 2020, so die aktuellen Planungen der Stadt, soll das Wahrzeichen wieder eröffnet werden. Aktuell werden Arbeiten an dem alten Fundament durchgeführt.

Letzte Ehre für das Wild

Aber auch über das Jägertum war das etwas andere Duo gut informiert. Darüber, dass das Jagdhornblasen längst nicht nur der Verständigung der Jäger diente, sondern zugleich dem geschossenen Wild quasi die letzte Ehre erwies.

Zum Abschluss haben die Jäger traditionell ins benachbarte Klubhaus eingeladen. Dazu wurde übrigens nicht geblasen, sondern gesungen. Auch wenn Jäger das eigentlich nicht können, wie der Vorsitzende David Hänsel mehrfach betonte. Das stimmt jedoch nicht. Und so klang das Jagdsignal „Zum Essen“ durch den Stadtwald.

„Kommt doch herbei, kommt doch herbei, Jäger, Treiber, kommt doch herbei! Essen gibt’s jetzt! Erbsensuppe mit fettem Schweinebauch, Erbsensuppe, Schnaps gibt es auch“, sangen Jäger und Besucher. Allerdings gab es keine Erbsensuppe und auch keinen Schweinebauch, sondern Rippchen mit Kraut.

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