+
Michael Barth vor seiner neuen Galerie.

Sachsenhausen

Sachsenhausen: Neue Kunst im ältesten Fachwerkhaus

  • schließen

Mit seiner Galerie in der Schellgasse hat sich der Gastronom Michael Barth einen Traum erfüllt.

Immer wieder ist Michael Barth an dem länger leerstehenden Häuschen an der Ecke Schellgasse/Walter-Kolb-Straße vorbeigekommen, und immer wieder hat er sich dabei überlegt, was man daraus wohl machen könnte. „Es liegt sehr versteckt, aber das macht gerade den Charme aus“, sagt Barth. „Das ist ein kleiner Diamant.“ Nach längerem Hin und Her gelang es dem aus Österreich stammenden Gastronom, dem in der Innenstadt das Gasthaus „Salzkammer“ gehört, die Räume zu mieten und sich damit einen lange gehegten Traum zu erfüllen: Mit „KUK – Kunst und Kultur am Main“ hat der 34-Jährige eine eigene Kunstgalerie aufgemacht, in einem außergewöhnlichen Gebäude mit sehr langer Geschichte.

Leicht zu übersehen ist das Bauwerk, und doch etwas ganz Besonderes. Tatsächlich steht hier an der vierspurigen Sachsenhäuser Durchgangsstraße das älteste Fachwerkhaus Frankfurts, eine Rarität sondergleichen. Die Balken stammen von 1292. Es gab Pläne, das denkmalgeschützte Haus in den Hessenpark umzusetzen, in den 1970er Jahren war hier mal ein Restaurant, zuletzt nutzte es der Verein „Freunde Frankfurts“.

„In ganz Deutschland gibt es nur noch 27 Häuser in dieser Bauweise“, sagt Katharina Spreitzer, die wie Barth aus dem Salzkammergut stammt und ihm bei den Ausstellungen hilft. Das Galerielogo KUK – kurz für Kunst und Kultur „oder k. und k., weil wir ja beide aus Österreich sind“ – haben sie übrigens ganz passend wie stilisiertes Fachwerk entworfen. Nun füllt sich das Haus wieder mit Leben, und Spreitzer und Barth haben für ihre heute eröffnende neue Ausstellung einen besonders interessanten Künstler ausgesucht.

Der Marburger Fotograf Matthias Schüßler zeigt hier zwei Monate lang ungewöhnliche großformatige schwarz-weiße Fotografien. Entstanden sind sie ursprünglich bei einem Projekt Schüßlers, der Menschen mit psychischen Erkrankungen, deren Freunde oder Kollegen porträtieren wollte.

Barth hat selbst ausprobiert, wie Schüßler arbeitet: „Er ist ein sehr überlegter Mensch und unglaublich sympathisch“, berichtet er. „Ich habe mich bei unserer Sitzung sehr geborgen gefühlt, weil er so eine Ruhe ausstrahlt.“ Seine Modelle schmiert der Fotograf mit feinem Ton ein, der dann trocknet und reißt. „Die Oberflächen, die dabei entstehen, sind schon ein eigenes Kunstwerk“, schwärmt Spreitzer. Die Menschen wirken so fast wie Skulpturen, selbst aus Erde geknetet oder aus dem Boden gewachsen.

Dass er sich mit der Galerie zusätzlich zu seinem Restaurant noch mehr Arbeit aufbürdet, sieht er gelassen. „Dort habe ich ein eingespieltes, ganz tolles Team, das mich entlastet und auf das ich mich verlassen kann. Ich bin sehr umtriebig, und ich muss sagen, ich hatte einfach Bock auf eine Galerie.“

Kunst habe ihn schon immer fasziniert, sagt er. „Das macht mir irrsinnig viel Freude. Und Kochen und Kunst sind irgendwie auch nahe beieinander“, sagt Barth. Spreitzer und er planen schon für das nächste Jahr, sie hätten da viele interessante Künstler im Auge, und es gebe viel zu entdecken, sagen beide. Mit der rund 80 Quadratmeter großen KUK-Galerie wollen sie eine Nische füllen. Die Fotografien, die man alle kaufen kann, haben vergleichsweise moderate Preise. „Die Leute kommen sicher auch, weil sie das Haus interessiert“, sagt Barth. „Das ist ja wirklich nicht alltäglich.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare