Patrick Mestekemper (Mitte) und Steffen Lehnert (rechts) im Oktober 2019. 
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Patrick Mestekemper (Mitte) und Steffen Lehnert (rechts) im Oktober 2019. 

Frankfurt-Sachsenhausen

Sachsenhausen: Metzgerei Bumb muss aufgeben

  • vonStefanie Wehr
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Geschäft ist bereits geschlossen. „Interne Differenzen“ zwischen den Partnern.

Die Metzgerei Bumb in der Textorstraße 9 hat ihre Türen bis auf weiteres geschlossen. Seit einigen Wochen hängt ein Schild an der Tür, auf dem steht: „Vorübergehende Einstellung des Geschäftsbetriebs.“ Geschäftsführer Patrick Mestekemper bestätigt auf Nachfrage, das Unternehmen habe Insolvenz angemeldet. Nach nur eineinhalb Jahren unter der neuen Führung von Mestekemper und seinem Geschäftspartner Steffen Lehnert geben sie das Geschäft nun offenbarauf.

Im April 2018 übernahmen die Jungunternehmer das Traditionsgeschäft von den Gründern Hella und Karl Bumb. Für drei Jahre dürfen die Nachfolger den Namen Bumb weitertragen, zusätzlich firmierten sie unter „Echt und Ehrlich Catering“. Auf der noch aktiven Internetseite versprechen sie „Klasse statt Masse! Top-Qualität, handwerklich besonders hochwertig hergestellte Produkte, kreative Ideen und besten Kundenservice“.

Womöglich konnte das hochwertige Feinkost-Angebot, das die Traditionsmetzgerei seit jeher auszeichnete, unter den veränderten Bedingungen nicht aufrechterhalten werden. Doch dazu möchte Mestekemper sich nicht im Detail äußern. Er habe einiges investiert. Jetzt sei unklar, wie es weitergehe. Er selbst wolle wegen „interner Differenzen“ nicht weitermachen. Sein Geschäftspartner Lehnert war für ein Gespräch nicht erreichbar.

Wenn sich niemand findet, der das Geschäft übernimmt, geht an der Textorstraße eine mehr als 100-jährige Ära zu Ende. 1896 wurde das Familienunternehmen gegründet, zunächst am Hauptbahnhof, später zog es nach Sachsenhausen.

Metzgermeister Karl Bumb übernahm das elterliche Geschäft, baute mit seiner Frau Hella das Feinkost-Segment aus.

Leidenschaftlich kümmerten sie sich jahrzehntelang um ihr Geschäft, waren von 5 Uhr in der Frühe bis spät abends auf den Beinen, die Zahl der Mitarbeiter wuchs. Die beiden Kinder wollten das Geschäft nicht übernehmen. Tochter Britta gründete ihr eigenes, erfolgreiches Unternehmen: „Bumb Junior Finest Catering“, das im Bankenviertel im Japan-Tower ansässig ist. „Es ist für uns sehr traurig, dass die Metzgerei in Sachsenhausen schließt“, sagt Hella Bumb nun. Zu ihrer Zeit sei der Name weit über Frankfurts Grenzen hinaus bekannt gewesen.

Tatsächlich lobte damals die Kundschaft das Angebot in höchsten Tönen, wie in Gourmet-Internetforen zu lesen ist: „Hier werden Freundlichkeit und Qualität großgeschrieben. Ein Familienbetrieb mit Herzblut, das merkt man auch an der Auswahl der Speisen“, schrieb eine begeisterte Kundin.

Beliebt blieb das Geschäft auch unter den Nachfolgern. Noch im Oktober kam es zu einer Kooperation der Metzgerei mit dem Sachsenhäuser Jagdklub. Die Jäger ließen hier ihr erlegtes Wildschwein zu Bratwürsten verarbeiten, die den Kunden zum Verkauf standen. Mestekemper und Lehnert legten eigenen Angaben zufolge Wert auf hohe Bioqualität und Fleisch aus nachhaltiger Produktion. Wie es weitergeht, wird wohl erst in einigen Monaten geklärt sein.

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