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Der zweieinhalbjährige Vito mit seiner Mutter beim Bungee-Trampolin am Walther-von-Cronberg-Platz.

Sachsenhausen

Sachsenhausen: Feiern am Kopfsteinpflaster-Strand

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Das Deutschherrnfest ist für viele eine entspannte Alternative zum Museumsuferfest. Vor allem Familien genießen die Atmosphäre rund um die Fontäne am Walther-von-Cronberg-Platz.

Das Rauschen des Wassers gehört dazu. Nur wenige Momente pausieren die Fontänen am Walther-von-Cronberg-Platz. Dann setzt der Brunnen wieder ein. In der frühen Abendsonne, die zwischen dem Rundbau des Colosseo und dem backsteinernen Turm des Residenz-Hotels hindurch scheint, springen am Samstag noch zahlreiche Kinder in Badesachen oder einfach Unterwäsche durch das sprudelnde Wasser. Kleine Verschnaufpausen gönnen auch sie sich, wenn das Wasser kurz stoppt.

Das Wasserspiel ist an heißen Tagen immer gut besucht. Zum „Deutschherrnfest“ am Samstag sind nochmal mehr Besucher gekommen, die den Platz bevölkern. Vor sieben Jahren haben die beiden örtlichen Kirchengemeinden das Fest ins Leben gerufen, das nach dem angrenzenden Weg und dem Uferabschnitt des Mains benannt ist. Damit wollten sie auf dem ehemaligen Schlachthof-Gelände die Bewohner zusammen bringen.

Gastronomen haben am Samstag wieder zahlreiche Klapp- und Liegestühle rund um den Brunnen aufgestellt, der den Fixpunkt des Festes bildet. Shahab Sanjari lehnt sich in einem der Klappstühle, die im Schatten stehen, zurück. „Wir wohnen nur 50 Meter von hier und kommen fast jeden Tag her“, sagt der 37-Jährige, der mit seiner Frau und den beiden Töchtern das Fest besucht. Anders als auf Straßenfesten gefällt ihm der gute Überblick über den Platz. „Es ist alles an einem Ort versammelt und man hat das Gefühl, dass man überall ist.“

Attraktiv sei das Angebot besonders für Kinder. Bei einem Kinderflohmarkt verkaufen junge Händler und ihre Eltern auf Decken, die sie auf dem Kopfsteinpflaster-Boden ausgebreitet haben, Spielzeug, Bücher, Kleidung und Schuhe. Das Kinderbüro hat eine Rollenrutsche, Kettcars und Dreiräder mitgebracht, auf denen teilweise auch durch den Brunnen gestrampelt wird.

Sanjaris Tochter Anastassia, im Gesicht als Katze geschminkt, sitzt neben ihrem Vater und schmökert in ihrem vom Flohmarkt frisch erworbenen Kinderroman. „Mit Kindern kann man am Abend nicht aufs Museumsuferfest gehen“, sagt Sanjari. Zu voll sei es. Auf dem Walther-von-Cronberg-Platz dagegen sei die Atmosphäre entspannt. Die „Musik im Hintergrund ist auch nicht schlecht“, findet er. Von der Bühne her sind die Saxophon-Klänge der lokalen Band „Münkel“ zu hören.

Jana Prokopova und Miki Prokop packen gerade zusammen. Ihre kleinen Kinder Anna und Peter sitzen noch in Badesachen auf der Picknickdecke. „Es ist unser Heimfest“, sagt der Vater. Seine Frau fügt hinzu: „Wir sind fast jeden Tag hier, wenn das Wetter schön ist.“ Das Bungee-Trampolinspringen habe ihr am besten gefallen, sagt die sechsjährige Anna und zeigt auf die Konstruktion, bei der Kinder in elastischen Seilen über das Trampolin große Höhen erreichen können.

Thomas Sinning, Pfarrer der evangelischen Dreikönigsgemeinde, die das Fest mit der katholischen Dreiordenskirche initiiert hat, sagt: „Hier tritt man sich nicht auf die Füße.“ Trotz der Gastronomie-Betriebe, die die Besucher mit Essen und Trinken versorgen, sei das Fest „weniger kommerziell, nicht hochpreisig und möglichst niedrigschwellig“. Nach einem ökumenischen Segen, den er mit seinem katholischen Kollegen sprechen wird, endet das Fest traditionell mit einem gemeinsamen Walzer-Tanz um den Brunnen am fortgeschrittenen Abend.

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