+
Ein Großteil des Verkehrs bahnt sich nun seinen Weg über die Alte Brücke und den Schaumainkai.

Frankfurt

Sachsenhausen: Bürger wehren sich gegen Sperrung des Mainufers

  • schließen
  • Judith Köneke
    Judith Köneke
    schließen

Eine neue Initiative fordert die sofortige Abschaffung der Sperrung am nördlichen Mainufer. Der Verkehr arte in Chaos aus. Der Verkehrsdezernent relativiert die Vorwürfe und hat Verbesserungsvorschläge.

Am Wochenanfang ist das Verkehrsaufkommen in Sachsenhausen erhöht, aber nicht chaotisch. In der Gartenstraße stehen die Autos an der Kreuzung zur Schweizer Straße an der roten Ampel. Die Schlange staut sich bis fast zur Dürerstraße zurück. Gereizt ist niemand, gehupt wird höchstens wenn der Vordermann die grüne Ampel nicht gleich sieht. Das Verkehrsaufkommen wirkt normal, doch für einige Anwohner in Sachsenhausen ist nach der Sperrung des nördlichen Mainufers nichts mehr normal.

Einer von ihnen ist Herbert Schmoll. Er hat am Wochenende die Bürgerinitiative zur Rettung Sachsenhäuser Lebens- und Wohnqualität gegründet. „Vor gut einer Woche habe ich die Konsequenzen der Mainufersperrung gespürt“, sagt er. Mittags kam er zu spät zu einem Geschäftstermin, weil er mit dem Auto eine halbe Stunde länger gebraucht hatte. Der Verkehr in Sachsenhausen sei dicht gewesen, es sei kaum vorangegangen. „Die Sperrung bleibt nicht ohne Auswirkungen“, sagt Schmoll. Zum Museumsuferfest habe sich die Situation nochmals verschlimmert. „Solche Auswirkungen hatten wir noch nie“, sagt Schmoll, der seit fast 40 Jahren in Sachsenhausen wohnt. Noch um 21 Uhr am Freitagabend habe der Verkehr in der Hans-Thoma-Straße gestanden. „Wenn ein Fest ist, geht gar nichts mehr, an normalen Tagen geht nicht viel.“ Die Initiative fordert das sofortige Ende der Sperrung.

Oesterling geht von Normalisierung aus

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) relativiert das Ganze. Zum Museumsuferfest sei das nördliche Mainufer schon immer gesperrt gewesen. Die aktuelle Sperrung habe die Situation also nicht verschlimmert. Aber auch er sagt, dass der Verkehr während des Festes zusammengebrochen sei. Ein Grund sei sicherlich, dass das Südufer an zwei Werktagen gesperrt gewesen sei und dies Auswirkungen auf den Berufsverkehr gehabt habe. „Ich gehe davon aus, dass sich der Verkehr in den kommenden Wochen normalisieren wird“, sagt Oesterling.

Die einspurige Seite der Gartenstraße ist anfällig für Staus.

Er hat aber auch Verbesserungspotenziale ausgemacht. So bilde sich auf der Untermainbrücke ab etwa 15 Uhr regelmäßig ein Stau Richtung Süden. Grund seien dort die Linksabbieger. „Das muss man sich noch mal angucken.“ Auch eine Nachjustierung bei den Ampelschaltungen sei denkbar, um den Verkehr noch besser fließen zu lassen.

Martin Daum, verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, fordert den Verkehrsdezernenten auf, mögliche Umfahrungen ausschildern zu lassen. „Es reicht nicht zu sagen, der Autoverkehr wird sich seine neuen Wege schon irgendwie suchen. Wenn der SPD dieses Projekt wirklich wichtig ist, sollte der zuständige Verkehrsdezernent die Versuchsphase auch mit allen nötigen Lenkungsmaßnahmen begleiten, damit sich die Verkehrsteilnehmer auf die fehlende Straßenverbindung einstellen können.“ Daum fordert eine erste Zwischenbilanz nach zwei Monaten. Sollte das Verkehrschaos bis Herbst noch bestehen, stehe das Projekt auf der Kippe.

Ortsbeirat mehrheitlich kritisch

Ähnlich sieht das auch der Vorsteher des zuständigen Ortsbeirats 5, Christian Becker (CDU). Das Gremium stehe der Sperrung mehrheitlich kritisch gegenüber. Die Entlastung für einige stehe einer großen Belastung für andere gegenüber. Der Durchgangsverkehr sei ohnehin schon extrem.

Becker haben in den vergangenen Wochen so viele Beschwerden wie lange nicht mehr erreicht, nicht mal zur neuen Landebahn am Flughafen oder der Rennbahn hätten sich so viele Bürger gemeldet. Den Stadtteilpolitiker stört, dass das Gremium nicht in die Entscheidung involviert gewesen sei, weil das Gebiet nicht in ihrem Bereich liege. Der Ortsbeirat habe keine Stellungnahme abgeben dürfen, sei aber nun vor allem betroffen.

Die Sperrung war auch Thema in der Sitzung des Ortsbeirats 5. Der Kinderbeauftragte Oberrads, Roland Limberg schlägt vor, stattdessen das südliche Mainufer zu sperren, dort gebe es wenigsten Gastronomie und die Vielzahl an Museen. Das nördliche Ufer habe nicht viel zu bieten und verkomme zur Teststrecke für E-Rollerfahrer. Die Belastung müsse gerechter verteilt sein, sagt Thomas Murawski (SPD). Das Konzept sei noch nicht klug zu Ende gedacht.

Auch interessant

CDU-Mann: „Die Sperrung des Mainufers ist gescheitert“

CDU-Mann Christoph Schmitt fordert, die Sperrung des Mainufers in Frankfurt zu beenden – obwohl er selbst dafür gestimmt hat.

Einigen reicht's: Jetzt hat sich eine Initiative gegen die Mainkai-Sperrung gegründet

Die Initiative Verkehrschaos möchte sich gegen die Mainkai-Sperrung in Frankfurt wehren und die Umsetzung stoppen.

Das Frankfurter Museumsuferfest in Bildern

Strahlender Sonnenschein und sommerliche Temperaturen lockten wieder Hunderttausende an den Schaumainkai. Wir zeigen Fotos vom Museumsuferfest.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare