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Ina Müller.
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Ina Müller.

Ina Müller in der Jahrhunderthalle Frankfurt

Sabbelnde, singende Bauerstochter

Ina Müller ist ein Gesamtkunstwerk. Sie kann überschäumend lustig, derb und frivol, liebevoll zart und melancholisch betrübt sein. Und ist dabei immer sie selbst, wie ihr Auftritt in der Jahrhunderthalle in Frankfurt zeigt.

Von Wolfgang Heininger

Dass das Showbusiness es nicht vermochte, die Ecken und Kanten der 51-Jährigen abzuschleifen, zeigt die Künstlerin wieder auf ihrer neuen Tournee, die am Donnerstag in der Frankfurter Jahrhunderthalle Station machte. Vor rund 4500 Fans sang die Landwirtstochter aus dem Dorf Köhlen bei Cuxhaven alte und neue Balladen, Chansons, Schlagerhaftes und Rockiges und oft den ihr eigenen zarten Blues, der die Sehnsucht nach Geborgenheit widerspiegelt.

Zu ihrem Repertoir passt das Bühnenbild, mal gediegen oder gar ländlich, mal ein schlossähnliches Ambiente wie auch die glitzernde Lichtshow. Um ihre außerordentliche Stimme zu komplettieren, genügen fünf Musiker und zwei Begleitsängerinnen, die sich nie in der Vordergrund drängen.

Unverblümt, rau und zerbrechlich

Vor und nach den häufig melancholischen Stücken, da sabbelt Ina Müller. So wie man sie vor allem aus dem Fernsehen kennt. Unverblümt, gnadenlos ehrlich, rau und zotig, ansteckend wiehernd, aber auch so zerbrechlich, dass man sie an die Hand nehmen und ihr sagen möchte: „Es wird doch alles gut.“ Sie bandelt mit den Security-Leuten vor der Bühne an, mischt sich ins Publikum, kokettiert mit ihrem Alter und den damit verbundenen Malaisen.

Mit ihren hochhackigen Stiefeletten hüpft sie über die Bühne, um dann den Besuchern zuzurufen, sie sollten sich doch mal kurz selbst beschäftigen, bis sie wieder zu Atem gekommen sei. Früher habe sie beim Hüpfen noch Hausaufgaben gemacht; jetzt werde ihr bereits eine Showtreppe mit Geländer (!) angeboten. Und statt wie Helene Fischer über das Publikum fliegen zu dürfen, habe man ihr gerade mal eine Schaukel bewilligt. Keine Ahnung habe sie inzwischen, warum sie sich früher noch gegen den Mittagsschlaf gewehrt habe.

Vom Leben im Dorf

Müller erzählt natürlich von ihrem Heimatdorf im Marschland vor der Nordsee, wo es erst dann als windig gilt, wenn die Schafe keine Locken mehr haben. Wo ein Mehrgenerationenhaus so normal war wie das Saufen, der Opa die fünf Schwestern als TV-Fernbedienung nutzte und Weinen nur dann akzeptierte, „wenn das Blut spritzte oder etwas am Körper „ganz komisch abstand“.

Viel zarter als ihre Geschichten, bei denen sie kaum einen Ekeleffekt auslässt, sind ihre Songs. Sie beschreibt ihre Gefühlswelt, „wenn du nicht da bist“, wenn sie auf süße Jungs Mitte 20 trifft oder wenn es in der Beziehung kriselt. „Nur Schuhe enttäuschen dich nicht“, lautet dann ihre trotzige Parole. „Ich bin die“, heißt ihre neueste CD vom vergangenen Herbst. Der Titel sagt eigentlich nichts – und doch so viel über diese polternde Göre wie nach Wärme suchenden Frau.

Wer Ina Müller live erleben möchte, muss sich sputen. Eine Reihe von Konzerten ist bereits ausverkauft. Termine und weitere Infos gibt es unter www.inamueller.de. Die Kultsendung Inas Nacht mit viel Musik und je zwei prominenten Gästen ist im Ersten wieder am 23. Februar und 2. März, jeweils um 23.30 Uhr sowie am 24. Februar und 10. März um Mitternacht auf Nord3 zu sehen.

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