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Der Ortsvorsteher vor dem ehemaligen Elektromarkt an der Berger Straße.

Ortsbeirat 4 in Frankfurt

"Die Zeit von Lärm und Dreck ist bald vorbei"

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Das Jahr im Ortsbeirat 4 in Frankfurt: Hermann Steib über die Arbeiten am ehemaligen Saturn-Areal und die Entwicklungen im Ortsbezirk.

Hermann Steib (Grüne), 65 Jahre, Diplom-Volkswirt, ist seit März 2016 Ortsvorsteher im Ortsbezirk 4. Das Gremium ist für die Stadtteile Bornheim und Ostend zuständig. Im Ortsbezirk leben rund 59 155 Einwohner auf einer Fläche von etwa 835 Hektar.

Herr Steib, im November hat das Stadtparlament beschlossen, den Paul-Arnsberg-Platz weiterzuentwickeln – unter Beteiligung der Bürger. Das Areal an der EZB ist trist. Sind Sie zufrieden, dass dort endlich etwas passieren soll.
Ja, natürlich! Die Leute wollen sich dort gerne aufhalten können. Und die Stadtpolitik hat erkannt, dass dieser Wunsch bestens mit dem Ziel der Klimaverbesserung vereinbar ist. Das kann ein Modellprojekt werden.

Der Ortsbeirat hatte sich für die Verbesserung ausgesprochen. Stark involviert ist aber auch eine Initiative des Vereins Lebenswertes Ostend. Wie sollte dessen bisherige Arbeit integriert werden?
Es wird jetzt ein professioneller Planungsprozess aufgesetzt. Und dieser muss nicht bei null anfangen, weil es schon ausgearbeitete Vorschläge gibt, sogar in Alternativen. Die Mitglieder der Initiative kennen die Verhältnisse vor Ort, und die Planer kennen die nötigen Verfahren.

Der Platz an der Friedberger Warte dagegen ist attraktiv – dennoch wird der gewünschte Wochenmarkt nicht richtig angenommen. Was müsste dort geschehen?
Marktwirtschaft ist, wenn die Leute kaufen. Es ist schwer zu sagen, ob noch nicht alle im Einzugsgebiet wissen, dass dort Markt ist. Es sollten jetzt noch mal gezielt Handzettel verteilt werden. Und im Frühjahr soll ein Transparent an die Straße gehängt werden, damit die Pendler mit dem Auto und auf der Buslinie aufmerksam gemacht werden.

Bleiben wir beim Thema Einkaufen. Das ehemalige Saturn-Areal an der Berger Straße steht vor der Fertigstellung. Versprechen Sie sich davon den langersehnten Aufschwung für das örtliche Gewerbe?
Die alten Griechen sagten: „Man steigt nicht zweimal in denselben Fluss.“ Die Zeit des überregionalen „Elektro-Magneten“ ist vorbei. Genauso ist aber auch bald die Großbaustelle mit Sperrungen, Lärm und Dreck vorbei. Neue Geschäftsideen haben sich dort angesiedelt, wie die Waffelhäuser und das 3-D-Minigolf. Die drei größeren Einzelhändler, die bald in dem Haus eröffnen werden, ziehen sicher auch wieder Kunden an.

Gebaut werden soll auch auf dem Mercedes-Grundstück an der Hanauer Landstraße – neben weiteren Projekten rings um den Ostbahnhof. Viele Familien mit Kindern werden dort einziehen. Kindertagesstätten sind zum Teil geplant. An eine neue Schule hat bislang aber keiner gedacht. Müsste die Stadt da nachbessern? Möglich wäre dies etwa auf dem Honsell-Dreieck.
Gedacht wurde an die Schule im Prinzip schon. Sie steht sogar als Bedarf im Schulentwicklungsplan. In der Gemengelage von vorhandenen Eigentumsverhältnissen, Eigentumsübergängen und angestoßenen Bebauungsplanverfahren hat man amtlicherseits offenbar keinen Hebel ansetzen können.

Warum hat sich der Ortsbeirat da noch nicht eingebracht?
Mit unserem Jahresbudget von 50 Cent pro Einwohner des Ortsbezirks könnten wir gerade mal vier Quadratmeter Neubaufläche nach heutigem Standard kaufen. Wir haben es bisher für eine gemeinsame Aufgabe von Stadtplanung, städtischer Immobilienbevorratung und Schulamt gehalten, sich um Flächen für Schulen zu kümmern. Wir werden aber jetzt wohl überall, wo ein Zipfel einer zur Disposition stehenden Fläche erkennbar ist, mit Nachdruck darauf hinweisen.

Fördern könnte der Ortsbeirat auch den Ernährungsrat Frankfurt, der den Schulgarten im Ostpark reaktivieren möchte. Noch scheitert es am Geld. Halten Sie es nicht für sinnvoll, wenn Ihr Gremium das Projekt unterstützt, das vor allem Schülern im Ortsbezirk zugutekommen soll?
Der Ortsbeirat hat das Projekt in der Sitzung Ende November zum ersten Mal gesehen. Hauptthema war also erst mal zu registrieren, dass hier in unserem Gebiet was passiert. Der Ortsbeirat hat nach meinem Eindruck positiv aufgenommen, dass da ein alter Schatz wieder wachgeküsst werden soll – mit neuen Zielen und Methoden. Das kann eine gute Voraussetzung sein, um auch etwas zu fördern. Mir sind allerdings entsprechende Überlegungen noch nicht bekannt.

Im vergangenen Jahr hat sich auch der Ortsbeirat dafür eingesetzt, dass der Hintereingang des Zoos wieder geöffnet wird und damit für alle Menschen zugänglich wird. Jetzt sollen die Eintrittspreise angehoben werden. Befürchten Sie, dass der Tiergarten dann von einkommensschwachen Familien weniger oft besucht werden kann?
Der Ortsbeirat hat in seiner letzten Sitzung Pro und Kontra von Preiserhöhungen erörtert. Nach der in jüngster Zeit wieder geführten Debatte über notwendige Sanierungen im Zoo betonten einige Redebeiträge unter anderem, dass der Zoo wirklich mehr Geld brauche. Der Ortsbeirat hat sich schließlich aber gegen die Preiserhöhungen ausgesprochen. Mittlerweile haben wir auch zur Kenntnis genommen, dass die Koalition im Römer wohl freien Eintritt für Jugendliche beschlossen hat.

Im Dezember hat ein trauriges Ereignis den Ortsbezirk erschüttert, als ein junger Mann beim Versuch, einen Obdachlosen zu retten, von einer S-Bahn überfahren wurde. Viele Bürger fordern, dass der Tote posthum geehrt wird. Wird sich der Ortsbeirat dafür einsetzen, dass an der Station Ostendstraße an ihn erinnert wird?
Das Geschehnis hat auch die Mitglieder des Ortsbeirats tief berührt, und wir haben des jungen Mannes zu Beginn der letzten Sitzung still gedacht. Ich gehe nach heutigem Stand davon aus, dass in der nächsten Sitzung das Anbringen einer Gedenktafel angeregt werden wird. Darüber hinaus muss sicher auch noch mal über die Sicherheitseinrichtungen in der Station gesprochen werden.

Der Bund hat jetzt die Finanzierung für den Bau der nordmainische S-Bahn in Aussicht gestellt. 2021 soll es losgehen. Teile des Ostends werden durch das Projekt massiv betroffen. Gehen Sie davon aus, dass sich der Ortsbeirat schon 2019 damit wird beschäftigen müssen?
Die jüngsten dieselpolitischen Verwicklungen haben ja deutlich gemacht, dass wir unbedingt mehr Verkehr auf die Schiene kriegen müssen. Wir werden zu Beginn des Jahres Kontakt zur Bahn herstellen, um uns über Details des Projektfortschritts unterrichten zu lassen. Über einige schwierige Stellen und entsprechende Befürchtungen der Anwohner war jüngst schon in der Presse berichtet worden. Möglicherweise wird unsere Rolle darin bestehen, beim Dialog zwischen Bahn und Bürger behilflich zu sein – auch wenn dies nach aller Erfahrung nicht immer leicht ist.

Interview: Boris Schlepper

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