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Beim „kritischen Stadtteilrundgang“ durch Bockenheim geht es um die Vernichtung bezahlbaren Wohnraums, die Verdrängung des inhabergeführten Einzelhandels durch Mieterhöhungen und den Leerstand im Stadtteil.
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Beim „kritischen Stadtteilrundgang“ durch Bockenheim geht es um die Vernichtung bezahlbaren Wohnraums, die Verdrängung des inhabergeführten Einzelhandels durch Mieterhöhungen und den Leerstand im Stadtteil.

„Kritischer Stadtteilspaziergang“

Rundgang gegen Leerstand in Bockenheim

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Im Frankfurter Stadtteil Bockenheim wird nicht nur auf ungenutzte Immobilien aufmerksam gemacht.

Mit Polizeibegleitung laufen sie am Samstagnachmittag durch ihr Quartier. Beim zweiten „kritischen Stadtteilspaziergang“, zu dem mehrere Bockenheimer Initiativen eingeladen haben, sind rund 40 Teilnehmende dabei. Alle tragen Mund-Nasenschutz und halten Abstand zueinander. Coronabedingt habe man den Stadtteilspaziergang als Demonstration anmelden müssen, daher die Polizeipräsenz, berichtet Anette Mönich, von der Initiative Zukunft Bockenheim. Einige Transparente und einen Lautsprecher im Bollerwagen haben die Veranstalter:innen auch mitgebracht.

An etwa zehn Stationen, wie dem alten Backhaus am Hülya-Platz, zeigen die Aktvist:innen, wo es Leerstand gibt, wie bezahlbarer Wohnraum im Viertel vernichtet und inhabergeführte Geschäfte durch Mieterhöhungen verdrängt wurden. Mönich nennt dafür als Beispiel das Geschäft für Artistik- und Spielzubehör „Pappnase“, das jahrzehntelang auf der vorderen Leipziger Straße ansässig war, ehe es vor zwei Jahren schließen musste.

Schräg gegenüber, neben dem Café Extrablatt, an der Bockenheimer Warte, macht sich Niklas Lehrke Sorgen um das Studierendenwohnheim, in dem derzeit 300 Studierende leben. „Wir müssen im Moment davon ausgehen, dass die Wohnheimplätze nicht erhalten werden können“, sagt der Wohnraumreferent des Asta (Allgemeinen Studierendenausschusses). Die städtische Wohnbaugesellschaft ABG werde das Gebäude auf dem früheren Campus zwar von der Uni übernehmen, „allerdings zu erheblich höheren Kosten“ weiter vermieten, wie Lehrke fürchtet.

Einige Meter weiter auf dem ehemaligen Unigelände wurde an eine Wand „Labsaal Goodbye“ geschrieben. Daneben steht Gabi Hanka, von der Initiative „Seebrücke“, und berichtet: „Der Labsaal wurde seit 2015 immer wieder als Sammelunterkunft für Geflüchtete genutzt“. Einige Zeit stehe er nun schon leer. „Wir haben im Sozialausschuss der Stadt gefordert, ihn für obdachlose Menschen zu öffnen“, sagt Hanka. Doch dort sei lediglich auf die B-Ebene der Hauptwache als Übernachtungsmöglichkeit verwiesen worden.

Hinter dem Haus, an der Mertonstraße 30, stehen weiße Zelte. Wo früher die Europäische Akademie der Arbeit untergebracht war, haben Ehrenamtliche im Frühjahr die „Ada-Kantine“ gegründet, um dort insbesondere Wohnungslosen an Wochenenden eine warme Mahlzeit und Raum für Austausch zu bieten.

Am „Offenen Haus der Kulturen“ verweist Tim Schuster, von der gleichnamigen Initiative, auf die millionenhohe Geldsumme die das Uni-Gelände mittlerweile wert sein solle. Eine genaue Summe sei nie veröffentlicht worden. „Das Grundstück war aber immer schon öffentlich“, sagt Schuster. Gebaut worden sei das Gebäude, in dem das selbstorganisierte Kulturzentrum untergebracht ist, nach dem Zweiten Weltkrieg zur Stärkung der Demokratie aus einem Etat des US-amerikanische Hochkommissariats.

In der Jordanstraße verkommt die Ladenfläche des Hauses Nummer 3 im Erdgeschoss. Graffiti und wild geklebte Plakate verdecken die Sicht durch die Schaufenster. Zwei Ecken weiter ist der nächste Halt an der Adalbert-Straße 11. „Das war eine sehr kämpferische Hausnummer“, sagt Mönich. Doch trotz engagierter Hausgemeinschaft, Einbeziehung des Ortsbeirats und städtischer Ausschüsse seien letztlich sieben von acht Mietparteien gezwungen gewesen auszuziehen. „Der Verdrängungsprozess kann nur gestoppt werden, wenn es eine stärkere Vergesellschaftung gibt und die Stadt Häuser kauft“, sagt Mönich. Wichtig sei aber, gerade im Hinblick auf die im Frühjahr anstehenden Kommunalwahlen, weiter hartnäckig zu bleiben.

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