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Viele verschiedene Gruppierungen treffen sich, um Hilfe für die Menschen Afghanistans zu fordern.
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Viele verschiedene Gruppierungen treffen sich, um Hilfe für die Menschen Afghanistans zu fordern.

Frankfurt

Ruf nach Freiheit für Afghanistan

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Mehr als 850 Menschen demonstrieren in Frankfurt nach der Machtübernahme der Taliban. Proteste gibt es auch in anderen Städten.

Es ist eine große Menge an Menschen, die sich am Samstagnachmittag durch das Bahnhofsviertel in Frankfurt bewegt. Geschätzt nehmen mehr als 850 Menschen an dieser Demonstration teil, die Polizei sprach von 980. Vorneweg fährt ein Lastwagen. Aus den Lautsprechern auf dem Fahrzeug dröhnen abwechselnd poppige Musik und Slogans, die die hinterherlaufenden Menschen wiederholen. Immer wieder schwenken sie die schwarz-rot-grüne Flagge Afghanistans. Auf Plakaten fordern sie Frieden und Freiheit für die Menschen in dem Land, das vor wenigen Tagen von den Taliban erobert wurde.

Die Demo durch Frankfurt ist laut Veranstalter eine von 41, die in verschiedenen Städten in 17 Ländern am Samstag durchgeführt werden. Man stehe für die afghanische Gemeinschaft in Frankfurt und Umgebung. Man möchte einen friedlichen Protest und fordere internationale Solidarität mit Afghanistan und den dort bedrohten Menschen.

Der Protestzug beginnt am Samstag am Kaisersack. Entlang der Kaiserstraße und der Neuen Mainzer Straße geht es bis zum Opernplatz. Unterwegs gibt es ein paar Reden, die Außenstehende aber kaum verstehen, weil sie in Paschtu oder Dari verfasst sind. Dann wird die afghanische Nationalhymne gespielt. Trotz der Mund-Nasen-Bedeckungen erkennt man, dass die meisten mitsingen. Einige Frauen haben beim Singen Tränen in den Augen und wischen sie mit Taschentüchern fort.

Später gibt es kurz Streit, weil vier Männer statt der schwarz-rot-grünen Flagge die grün-weiß-schwarze Flagge der Nordallianz hochhalten und sich in den Vordergrund drängen. Einige Teilnehmende versuchen, die Flagge wegzunehmen. Die Polizei nimmt die Streitenden zur Seite und greift mit einem Platzverweis durch.

Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist auch der 22 Jahre alte Farhad. Er sei zur Demo gekommen, um auf die Situation in seinem Land aufmerksam zu machen. „Wir wollen frei bleiben. Ich will ein Afghanistan in dem die Religion und Hautfarbe, die man hat, egal ist.“ Zwar sei er selbst in Deutschland und seine Familie im Iran, aber seine Wurzeln lägen nun mal in Afghanistan. Wenn sein Land wieder frei sei, würde er gern dahin zurückkehren. Doch momentan sei das nicht möglich. Dann warnt er, dass, wenn die Taliban Einfluss bekämen, dies für die gesamte Welt gefährlich sei.

Hameed war vor einigen Monaten noch persönlich in Afghanistan gewesen. Der 40-Jährige ist im Binnenstaat in Asien geboren, 2017 kündigte er seinen Job in Deutschland und ging zurück nach Afghanistan. Dort gründete er eine Firma, die jungen Menschen bei der Bildung helfen sollte. „Ich wollte vor Ort beim Aufbau helfen. Irgendwann war es aber nicht mehr sicher und ich musste weg.“ Seine Firma liege nun brach. Er habe aber bereits eine neue Idee, um den Menschen auch jetzt vor Ort zu helfen. Mit Hilfe des Internets möchte er ein Bildungsangebot auf die Beine stellen.

Er berichtet, dass es sich merkwürdig anfühle, nun selbst erlebt zu haben, wie es sei, aus Afghanistan vertrieben zu werden. „Ich kannte sonst nur die Geschichten meiner Eltern, die zur Zeit der Kommunisten aus Afghanistan geflohen sind.“

Der 40-Jährige wünscht sich ein stärkeres Engagement der internationalen Truppen in seinem Geburtsland. „Man muss aber die kulturellen Gegebenheiten beachten.“ Die „Rambomethode“ habe versagt und nur Misstrauen gesät.

Auf dem Opernplatz steht die 25-jährige Maya. Sie ist als Vertreterin der Seebrücke Fulda da und fordert eine Fortsetzung der Luftbrücke, sichere Fluchtwege und eine dauerhafte Aufnahme von Menschen, die sich in ihrem Land nicht sicher fühlten. Ihre Ortsgruppe sei Teil des Bündnisses gegen Abschiebung, dass in den zurückliegenden Jahren immer wieder versucht habe, Abschiebungen, vor allem auch nach Afghanistan, zu verhindern. „Afghanistan war nie sicher“, sagt sie.

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