Bei der kleinen Eröffnungsfeier darf eine Torte natürlich nicht fehlen.  
+
Bei der kleinen Eröffnungsfeier darf eine Torte natürlich nicht fehlen.  

Eröffnung

Rückzugsort mit vegetarischem Essen

  • vonJanis Berling
    schließen

Die  Ada-Kantine für Bedürftige in der alten Akademie der Arbeit wird eröffnet. Weitere Projekte sind bereits geplant.

Die Sonne strahlt über dem alten Campus Bockenheim, während Menschen jeden Alters, aus den verschiedensten sozialen und kulturellen Hintergründen im Hof der ehemaligen Akademie für Arbeit sitzen. Sie essen Salat und Kuchen, lauschen der Musik von der kleinen Bühne oder genießen auf provisorischen Gartenmöbeln die Sonne im kleinen Garten. 

Die Eröffnung der Ada-Kantine an diesem Samstag zeigt, was einmal aus dem Projekt werden soll. Jeden Freitag, Samstag und Sonntag soll von nun an ein Mittagstisch für Bedürftige in der neuen Kantine serviert werden, bei dem jeder das zahlen soll, was er will und kann.

Doch das ist nur der Anfang des Projekts. „Wir wollen einen Ort der Begegnung schaffen“, meint Timur Beygo, einer der über 60 ehrenamtlichen Helfer*innen. Menschen aus prekären Lagen, ob Wohnungslose, Geflüchtete oder Rentner*innen, aber auch Nachbarn aus dem Viertel sollen hier einen Platz zum Wohlfühlen finden. Dafür entsteht etwa in den Grünflächen rund um das Gebäude ein Gemeinschaftsgarten, in dem sich Interessierte beim Gärtnern und Schreinern engagieren können.

Im Mittelpunkt des Projekts steht zunächst das Essen. Dies stammt zum Großteil aus Lebensmittelspenden und wird von den Köchen vegetarisch oder vegan zubereitet. „Wir wollen zeigen, das gesundes, nahrhaftes und umweltverträgliches Kochen auch in großen Portionen zu kleinem Preis möglich ist“, gibt Lela vom Künstlerkollektiv Andpartnersincrime an, welches zusammen mit weiteren Initiativen aus Bockenheim das Projekt unterstützt.

Alternativer Ansatz kommt bei Gästen an

Der alternative Ansatz kommt an bei den Gästen. „Sonst bekommt man bei solchen Veranstaltungen immer sehr viel Fleisch, da ist es schön, zur Abwechslung mal einen wirklich leckeren Salat zu bekommen“, meint eine Frau zufrieden. Ihr gefällt die besondere Atmosphäre in der Kantine. „Ich werde bestimmt öfters vorbeikommen.“

Eine Rentnerin am selben Tisch pflichtet ihr bei. „Die Leute von unten helfen uns von unten. Das ist eine schöne Idee.“ Für sie ist das Projekt auch ein Stück weit Protest gegen die mangelnde Aufmerksamkeit der Stadt.

Das von freitags bis sonntags Essen gekocht wird, sei ebenfalls gut, stellt ein weiterer Gast fest. „Am Wochenende gibt es in Frankfurt nur wenige Essensausgaben“, meint der Wohnungslose. Wirklich optimistisch ist er indes nicht. „Früher gab es viele solcher Initiativen, durchgesetzt hat sich keine. Aber wenn man bescheiden bleibt und diese Lücke weiter besetzt, kann es funktionieren.“

Trotz des erfolgreichen Anlaufs ist der Fortbestand des Projekts noch unsicher. Der Mietvertrag für das Haus läuft noch 18 Monate, die Finanzierung ist durch Spenden und eine Anschubfinanzierung der Stadt bis in den nächsten Monat vorerst gesichert. Da das Projekt bisher nur eine symbolische Miete zahlt, sind laut Timur Beygo vor allem die Betriebskosten ein Problem. „Wir hoffen natürlich weiter auf Spenden sowie die Unterstützung der Stadt.“ Wenn das gelingt, sollen nach und nach weitere Projekte dazukommen, um Bedürftige weiter einzubinden, etwa im Garten oder in der Küche.

Kommentare