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Eine Frau arbeitet am 08.07.2020 im Homeoffice waehrend ihre achtjaehrige Tochter ihre Schularbeiten erledigt.
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Eine Frau arbeitet am 08.07.2020 im Homeoffice waehrend ihre achtjaehrige Tochter ihre Schularbeiten erledigt.

Ferienende

Ruckliger Schulstart in Frankfurt

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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  • Brüggemann
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Gleichzeitig den Distanz- und Präsenzunterricht zu organisieren, ist schwierig. Zumal es mancherorts auch an Laptops fehlt. Besuch an verschiedenen Schulen in Frankfurt.

Etwa 15 Minuten vor acht kommen die ersten Schülerinnen und Schüler am Montag zur Engelbert-Humperdinck-Schule. Die meisten werden von Eltern gebracht. Noch im Dunkeln und bei eisiger Kälte. Etwa 150 Kinder erscheinen an diesem Tag in der Grundschule im Frankfurter Westend. Die Gründe für Eltern, ihr Kind zum Präsenzunterricht zu schicken, sind vielfältig. Manche haben im Homeoffice keine Kapazitäten für die Betreuung. Laura Cipullo etwa ist selbst in Ausbildung und hat Online-Unterricht. „Das schaffe ich dann nicht, meine Tochter zu betreuen.“, Andere Eltern wie Christian Meyer-Delius sind berufstätig. „Wir haben nicht die Möglichkeit, das Kind zu Hause zu betreuen. Und wir konnten auch keinen Urlaub nehmen.“

Schultag 1 im Jahr 2021: Ab der siebten Klasse gibt es wegen der Pandemie ausschließlich Distanzunterricht, Ausnahmen gelten für die Abschlussklassen, weil sie sich auf Prüfungen vorbereiten müssen. Die Präsenzpflicht für die Klassen eins bis sechs ist ausgesetzt, die Eltern sollen ihre Kinder möglichst zu Hause lassen. An der Comeniusschule, einer Grundschule im Nordend, ist ein Drittel der Kinder – 120 – an diesem Tag zur Schule gekommen. „In manchen Klassen sind fünf Kinder da, in anderen zwölf oder 13“, sagt der kommissarische Schulleiter Christian Uhling-Neumann. Alle Lehrkräfte seien anwesend, um die Kinder zu betreuen. Lerngruppen, in denen der Mindestabstand eingehalten werden kann, sollen nun gebildet werden. „Wir wussten trotz Abfrage bei den Eltern nicht so genau, wie viele heute kommen.“

Das Kultusministerium sieht vor, dass Kinder zu Hause den gleichen Lernstoff erhalten wie jene im Klassenraum. Für den Distanzunterricht sind also an der Comeniusschule Lernpakete zusammengestellt worden. Damit aber die Lehrkräfte im Distanzunterricht arbeiten und auch Videokonferenzen anbieten können, „müssen sie an den heimischen PC gehen“, sagt Uhling-Neumann. In der Schule sei das nicht möglich. Doch je mehr Kinder in der Schule sind, desto weniger Lehrkräfte können zu Hause an ihrem Computer bleiben. Uhling-Neumann sieht sich in einer Zwickmühle. „Im Schreiben des Kultusministers heißt es, es solle Präsenz- und Distanzunterricht geben“, sagt er. „Es wird nicht von Betreuung oder Notbetreuung in der Schule gesprochen.“ Wie aber nun Präsenz- und Distanzunterricht gleichwertig und gleichzeitig ablaufen sollen, wenn doch die Lehrkräfte für die vielen Kinder an der Schule gebraucht werden, „das muss sich noch einruckeln“, sagt Uhling-Neumann. Vielleicht könnten noch Vertretungskräfte zur Unterstützung angeworben werden.

Christina Raab, Leiterin der Theobald-Ziegler-Grundschule in Preungesheim, hält das mit dem Präsenzunterricht für „unglücklich ausgedrückt“ im Ministerschreiben. Sie habe im Elternbrief nicht von Unterricht in der Schule gesprochen. „Die Eltern sollen nicht denken, dass in der Schule mehr passiert als zu Hause“, sagt sie. Schließlich sei Ziel, dass so viele Kinder wie möglich zu Hause bleiben und alle dieselben Unterrichtsinhalte erhalten. „Bei uns gibt es für die Kinder in der Schule nur eine Betreuung beim Erledigen der Aufgaben. Keinen Unterricht.“

An der Theobald-Ziegler sind elf Prozent der Kinder am Montag zur Schule gekommen. Das sind 38. „Wir haben viele Familien auch noch einmal extra angerufen, um klarzumachen, dass die Kinder zu Hause nichts versäumen.“ Die dritten und vierten Klassen sind nun fast komplett daheim, so können die Lehrkräfte auch zu Hause bleiben und von dort am Computer unterrichten. Seit dem ersten Lockdown sei das Arbeiten am Laptop schon mit den Kindern geübt worden, sagt Raab.

Die wenigen Kinder in der Schule nehmen am PC am Unterricht teil. Die jüngeren Kinder haben Materialien, Wochen- und Tagespläne an diesem Tag abgeholt. In der Schule werden ebenfalls nur diese Pläne bearbeitet. „Und jeden Tag rufen die Kolleg:innen ihre Schülerinnen und Schüler zu Hause an“, sagt Raab. „Es hat niemand Vor- oder Nachteile, weil er in der Schule oder zu Hause ist.“

Noch hat das Staatliche Schulamt keine ausgewerteten Zahlen darüber, wie viele Schüler:innen an diesem ersten Schultag am Präsenzunterricht in den Klassen eins bis sechs teilgenommen haben. Aber Amtsleiterin Evelin Spyra kann schon sagen: „Es variiert sehr stark an den Schulen.“ An manchen sei ein Drittel der Kinder anwesend. „Es gibt auch Schulen, an denen gar kein Kind ist.“

Auf jeden Fall solle inhaltlich an den Schulen das gemacht werden, was auch die Kinder zu Hause bearbeiten, sagt Spyra. „Es mag sich aber dabei ergeben, dass der Zugang dazu zu Hause ein anderer ist.“ So könnten etwa Kinder zu Hause möglicherweise ihre Aufgaben in Videokonferenzen mit den Lehrkräften besprechen. Vielleicht müssten dafür auch Kinder im Distanzunterricht zu anderen Uhrzeiten beschult werden. „Die Schulleiter:innen sind da ganz kreativ“, sagt Spyra. Jedenfalls sei der Präsenzunterricht nicht als Notbetreuung gedacht. „Es ist Unterricht“, sagt Spyra. „Aber das ist alles nicht einfach und für alle eine Herausforderung.“

Am Adorno-Gymnasium gibt es im Prinzip für alle Distanzunterricht. Von den 400 Fünft- und Sechstklässler:innen sind 51 gekommen – auch sie sitzen in der Schule am Computer, die Lehrkräfte unterrichten von zu Hause aus nach Stundenplan. Da Sport gerade gar nicht unterrichtet wird, übernehmen unter anderem Sportlehrkräfte die Betreuung der Kinder in der Schule. Fünf bis sechs Videokonferenzen gibt es für jeden Schüler und jede Schülerin in der Woche. Wenn es sonst Fragen zu den Aufgaben gibt, „dann dürfen sie in der Unterrichtszeit gestellt werden“, sagt Schulleiter Mathias Koepsell. Die Lehrkräfte seien nach Stundenplan online im Schulportal erreichbar.

Am Lessing-Gymnasium sind – neben der Abschlussklasse der Oberstufe – 15 der 120 Fünft- und Sechstklässler erschienen. „Wir haben unsere Priorität auf Distanzunterricht gelegt“, sagt Schulleiter Bernhard Mieles. Wie am Adorno unterrichten die Lehrkräfte von zu Hause aus, auch die Schüler:innen in der Schule sitzen am PC und werden von Vertretungs- oder Sportlehrkräften betreut. „Das funktioniert nun so, aber wir haben vorher gezittert“, sagt Mieles. Denn wären wesentlich mehr Schüler:innen gekommen, „dann hätten wir umstellen müssen“. Auch die Anzahl an Laptops für Kinder, die kein Gerät zu Hause haben, hat gereicht. Mieles leitet derzeit aber auch kommissarisch das Friedrich-Dessauer-Oberstufengymnasium. „Dort sind alle Laptops weg, da könnten wir noch ein paar gebrauchen.“

Vielleicht bekommt Mieles die auch noch„Wir sind gerade dabei“, sagt Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD), „an den Schulen abzufragen, ob sie kurzfristig noch etwas brauchen.“

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