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„Routen der Freiheit“ führen von der Frankfurter Paulskirche in die Region

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Von: George Grodensky

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Autorin Sabine Börchers vor der Paulskirche.
Autorin Sabine Börchers vor der Paulskirche. © Christoph Boeckheler

Sabine Börchers begiebt sich in ihrem neuen Buch auf die Spuren der Revolution, nicht nur in Frankfurt, im ganzen Rhein-Main-Gebiet.

Auf die Spuren der Demokratiebewegung in Frankfurt und Rhein-Main begibt sich Sabine Börchers in ihrem neuen Buch „Routen der Freiheit“. Frankfurt, die Paulskirche, stehen im Zentrum der Revolution. Der Kampf hat aber die ganze Region beschäftigt. Vielerorts seien die Menschen bereit gewesen, ihre Freiheit, ihren Besitz, ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Börchers spürt sie auf.

Geschichte zum Anfassen soll das Buch bieten, sagt die Autorin bei der Vorstellung am Mittwoch. Die Autorin und freiberufliche Journalistin schreibt seit vielen Jahren über die Stadt. Die 55-Jährige war lange Redakteurin bei der Frankfurter Neuen Presse. Sie hat auch schon Bücher über die Historie des Gesellschaftshauses im Palmengarten und des Tigerpalast Varietés verfasst.

Zur Präsentation des neuen Buchs am Mittwoch ist eine ganze Schar an Gästen gekommen. Der Societäts-Verlag gibt das Buch in Zusammenarbeit mit der Destination Frankfurt-Rhein-Main und dem Netzwerk Tourismus Frankfurt-Rhein-Main heraus. Verbände, die für ihre Heimat werben sollen, um den Tourismus anzukurbeln. Da kommt das Buch gerade recht.

Sieben Touren sind in „Routen der Freiheit“ nachzulesen. Ein Ausflug rund um die Paulskirche bildet den Auftakt. Dann geht es raus in die Wetterau, von Offenbach zum Untermain, bis in den Spessart und zum Mainviereck. Außerdem von Darmstadt bis zur Bergstraße, in den Rheingau und nach Rheinhessen, in den Hoch- und Main-Taunus-Kreis.

Einige der Orte sind sich ihrer historischen Bedeutung durchaus bewusst, sagt Börchers. Butzbach nenne sich „Weidigstadt“ nach dem Theologen und Turnpionier Friedrich Ludwig Weidig, einem Wegbereiter der Revolution. Die Turnvereine waren Sammelbecken der Revolutionäre, erzählt Börchers, sie boten Räume, sich konspirativ zu treffen.

An anderen Orten müsse man die Spuren der Revolutionsgeschichte schon ein bisschen suchen. Zum Beispiel die Kanonenkugel in der Wand des Bahnhofsgebäudes von Hemsbach. Dort lieferten sich hessische Truppen und badische Aufständige 1849 ein Gefecht. Die Kanonenkugel im oberen Drittel der Fassade erinnert daran. An die Druckerei des Hessischen Landboten, einem der berühmtesten und literarisch hochwertigsten politischen Manifeste, erinnert dagegen nichts mehr. Georg Büchner und Friedrich Ludwig Weidig hatten Verleger Carl Preller ihren Landboten drucken lassen. Das Haus an der Frankfurter Straße 17 ist heute ein Geschäftshaus.

Zu jeder ihrer Touren wagt Börchers zudem noch den Ausblick, befragt Historikerinnen und Historiker, außerdem junge Menschen, wie die Demokratiebewegung aus der Vergangenheit ins Heute nachwirke – oder nachwirken sollte.

„Ich möchte die Leser zurückversetzen in die Zeit, in der die Menschen nicht so frei sprechen konnten, in denen sie auch nicht frei über ihr Leben entscheiden konnten“, sagt Börchers. Demokratie sei nichts Selbstverständliches. „Sie musste auch in unserer Region errungen werden.“

„Demokratie ist im Wandel“, sagt Bianca Haag, Leiterin des Societäts-Verlags. Und durchaus zerbrechlich. Um sie zu bewahren, sei ein Buch ein gutes Werkzeug. Es nehme die Menschen mit an geschichtsträchtige Orte, helfe, an demokratische Errungenschaften zu erinnern, neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu gewinnen.

Bei Frankfurts OB Peter Feldmann hat Börchers nicht viel erinnern müssen. Feldmann ist das Thema ohnehin „eine Herzensangelegenheit“, wie er sagt. Zumal die Touren des Buches lose auf seinen eigenen Ausflügen auf den Spuren der Demokratie fußen, die er seit ein paar Jahren mit Gästen unternimmt.

Börchers hat sie aufgegriffen und weiter gesponnen. Das freue das Stadtoberhaupt ganz besonders. Jetzt könnten alle Menschen sich mit ihm zusammen aber auch individuell auf die Spurensuche begeben.

Sabine Börchers , Routen der Freiheit. Auf den Spuren der Demokratiebewegung in Frankfurt-Rhein-Main. Societäts-Verlag 2022, 16 Euro.

Gäste bei der Präsentation des Buches in der Frankfurter Paulskirche: Bianca Haag, Leiterin des Frankfurter Societäts-Verlags, und Max Rempel, Geschäftsführer der Frankfurter Rundschau und Frankfurter Neuen Presse und des Societäts-Verlages.
Gäste bei der Präsentation des Buches in der Frankfurter Paulskirche: Bianca Haag, Leiterin des Frankfurter Societäts-Verlags, und Max Rempel, Geschäftsführer der Frankfurter Rundschau und Frankfurter Neuen Presse und des Societäts-Verlages. © Christoph Boeckheler

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