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Der Palmengarten gehört zu den grünen Inseln, die Frankfurt dringend braucht.

Ökosystem

Ehrgeiziges Ziel von Rosemarie Heilig: Frankfurt soll Hauptstadt der Artenvielfalt werden

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Proteste der Fridays-for-Future-Bewegung, Rückgang der globalen Artenvielfalt. Ein Gastbeitrag der Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne).

Der Klimawandel ist längst bei uns angekommen und wird die Städte erheblich verändern. Hitzeperioden und Starkregenereignisse sind die Folgen. Wir müssen uns dringend darauf vorbereiten. Die Bewegung Fridays for Future und der IPBES Bericht sollten uns wachrütteln und endlich eine Wende in Politik und unserem Verhalten einläuten.

Der aktuelle Bericht des Weltbiodiversitätsrates über den Zustand unserer Ökosysteme und deren Artenvielfalt ist erschreckend. Die Fakten zum weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt verbindet der Bericht mit der Darstellung von Ökosystemleistungen, die die Natur uns Menschen bietet und uns damit unsere Existenz sichert. Gesundes Klima, Luftqualität, sauberes Wasser oder ein artenreiches, lebenswertes Wohnumfeld sind Beiträge der Natur, die wir achten, erhalten und verbessern müssen. Das Potenzial der Natur, solche Ökosystemleistungen zu erbringen, ist in den letzten 50 Jahren deutlich gesunken.

Vor allem auch Großstädte, wie Frankfurt am Main, sind massiv von solchen Angeboten der Natur abhängig. Qualitativ hochwertiges Grundwasser wird als Trinkwasser oder in Produktionsprozessen benötigt. Die Gesundheit der Stadtbevölkerung in überhitzten Städten hängt vom Luftaustausch mit dem Umland ab. Die Reinigung der verkehrsbelasteten Stadtluft durch Bäume schützt vor Atemwegserkrankungen. Eine Erholung von der städtischen Reizüberflutung durch eine dichte Infrastruktur ist nicht ohne Bäume oder unbebaute, unversiegelte Landschaften denkbar. Unser Wohlbefinden hängt auch von artenreichen Wäldern und grünen, naturnahen Erholungsräumen ab.

Rosemarie Heilig: Frankfurt kann Einfluss nehmen

Diversität und Erhalt der Ökosysteme wird mehr denn je Aufgabe der Metropolen der Industriestaaten. Mein Ziel ist es, Frankfurt zu einer Art Hauptstadt der Artenvielfalt zu machen. Unsere Stadt hat dazu die fachlichen und personellen Voraussetzungen. Hier sitzen Senckenberg und die Zoologische Gesellschaft, der Palmengarten und der Zoo, die Goethe-Universität und eine starke FH. Deren führenden Köpfe um Prof. Volker Moosbrugger, Christof Schenk, Katja Heubach, Miguel Casaras könnten für die intellektuelle Ausstrahlung Frankfurts der Heutzeit eine ähnliche Bedeutung bekommen wie einst die Denker der Kritischen Theorie. Die Idee eines Artenschutzzentrums (Conservation-Center) könnte einen zusätzlichen Push geben.

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Eine Kommune hat vielerlei Möglichkeiten, unmittelbar auf die Biodiversität und deren Leistungen positiv einzuwirken: Wälder im städtischen Besitz sind in erster Linie Klimapuffer, Wasserspeicher, Erholungsgebiet sowie Ort biologischer Vielfalt. Der Erhalt und der schonende Umgang mit den vorhandenen Waldflächen hat damit unbedingt Priorität vor der wirtschaftlichen Nutzung. Die Stadt Frankfurt bewirtschaftet daher ihren Wald nach den Vorgaben des hochwertigen FSC-Zertifikats.

Als Eigentümerin vieler Pachtflächen kann Frankfurt unmittelbar Einfluss auf deren Bewirtschaftung nehmen landwirtschaftlicher Flächen im Stadtgebiet nehmen und tut dies auch, die Frankfurter Biodiversitätsklausel ist Bestandteil jedes Pachtvertrages.

Biotope und Arten sind nicht nur in Regenwäldern und Zentralasien bedroht: die Zerschneidung durch Straßen oder der intensive, großflächige Ackerbau wirken sich auch vor unserer Haustür auf die Artenvielfalt aus. In Deutschland werden pro Tag rund 90 Hektar Fläche versiegelt. Mit der Erarbeitung eines Arten- und Biotopschutzkonzepts für das Stadtbiet Frankfurt, das in rund einem Jahr vorliegen wird, werden wir herausarbeiten, welche konkreten lokalen Maßnahmen getroffen werden müssen, um eine Umkehr der negativen lokalen Entwicklung sicherzustellen.

Wir müssen auch daran arbeiten, unseren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Wir hängen zu stark von den Leistungsimporten der Natur aus anderen Weltregionen ab. Setzen wir noch stärker auf eine biologischen und regionale Landwirtschaft, die unsere Trink- und Oberflächengewässer schützt, heimischen Tier- und Pflanzenarten die Existenz ermöglicht und hervorragende Erholungsqualitäten bietet. Der neue Ernährungsrat bündelt dabei alle gesellschaftlichen Kräfte und unterstützt die Interessen einer regionalen und naturnahen Landbewirtschaftung.

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