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Noch eine Baustelle: das Romantikmuseum im Großen Hirschgraben.

Verzögerung

Frankfurt: Romantikmuseum öffnet erst 2021

Direkt neben dem künftigen Romantikmuseum liegt der Cantatesaal. Er ist nach der Fertigstellung der Fliegenden Volksbühne versprochen. Die  bangt nun um die Premiere.

Das Deutsche Romantikmuseum ist schon lange eine Verheißung. Die weltweit einzigartige Sammlung des Freien Deutschen Hochstifts zur Literatur der deutschen Romantik soll endlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Doch die Menschen werden noch zwei Jahre warten müssen: Erst im Sommer 2021 wird das Haus am Großen Hirschgraben in Frankfurt seine Pforten öffnen.

Gegenüber der ursprünglichen Zeittafel ist das eine Verzögerung von zwei Jahren. Anne Bohnenkamp-Renken, die Direktorin des Hochstifts, war 2015 noch recht optimistisch gewesen. Damals kündigte sie im FR-Interview die Eröffnung für den 28. August 2019 an – zum 270. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe. Heute sagt Kristina Faber, die Sprecherin des Hochstifts, der FR lediglich: „Ich kommuniziere keinen Termin.“

Die Übergabe der fertigen baulichen Hülle stehe noch aus. Von da an brauche es weitere anderthalb Jahre, das Museum einzurichten.

Bauherr im Auftrag des Hochstifts ist die städtische Wohnungs-Holding ABG. Deren Geschäftsführer Frank Junker spricht gegenüber der FR von „normalen Bauzeit-Verzögerungen, mit denen man bei einem so komplexen Bauwerk rechnen muss“. Die Übergabe des schlüsselfertigen Hauses sei ursprünglich für Dezember 2018 geplant gewesen, jetzt aber für die zweite Augusthälfte 2019.

Gleich zwei Insolvenzen

Und dann sprudelt es aus Junker, der sich sonst meist recht knapp äußert, doch heraus. Zwei beauftragte Unternehmen hätten Insolvenz anmelden müssen. „Das ist nicht leicht zu kompensieren.“

Umso weniger, als in Deutschland gegenwärtig beim Bauen Hochkonjunktur herrscht. Viele Firmen sind auf lange Zeit ausgebucht.

Und dann habe es erhebliche Probleme beim Baugrund und bei den Gebäuden gegeben, die abgebrochen werden mussten. Das große Haus, in dem früher der Börsenverein des Deutschen Buchhandels untergebracht war, sei stark mit Asbest belastet gewesen.

Junker versucht, das Motto seines Unternehmens hochzuhalten: „Alles bald gut.“ Doch direkt neben dem künftigen Romantikmuseum liegt der Cantatesaal. Er ist nach der Fertigstellung der Fliegenden Volksbühne versprochen, die dort am 19. September die Premiere ihres ersten Stückes „Reineke Fuchs“ feiern möchte.

Junker sagt zu diesem Termin: „Er ist im Moment noch machbar, aber garantieren kann ich es nicht.“ Auch im Cantatesaal habe es „jede Menge Asbest“ gegeben. „Das hat Zeit gefressen“, so der Manager.

Außerdem stehe der Cantatesaal unter Denkmalschutz. Dessen Amtsmitarbeiter tickten anders. „Das geht nicht von heute auf morgen.“

Michael Quast, der Intendant der „Fliegenden Volksbühne“, gibt sich gegenüber der FR betont optimistisch: „Es ist zu schaffen.“ Aber auch beim Cantatesaal hat es noch keine Bauübergabe durch die ABG gegeben. Das heißt, das Team der Volksbühne kann die Räume überhaupt nicht betreten. Man strebe die Übergabe jetzt für „Anfang September“ an, sagt der Schauspieler und Komödiant Quast.

Im Freien Deutschen Hochstift, der organisatorischen Mutter des Romantikmuseums, ist man bemüht, keine Panik oder Missstimmung aufkommen zu lassen. Kristina Faber sagt deshalb Sätze wie: „Wir schätzen die ABG sehr als Partner.“ ABG-Geschäftsführer Junker wiederum nimmt die Literaturwissenschaftlerin Bohnenkamp-Renken demonstrativ in Schutz: Sie habe sicherlich seinerzeit die Komplexität des Bauvorhabens nicht abschätzen können. Die Baukosten von zwölf Millionen Euro für das Deutsche Romantikmuseum würden übrigens eingehalten, ergänzt Junker. „Das ist ein Festpreis“, sagt er stolz.

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